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Meerbusch: Stammzellen: Meerbuscherin rettet Leben

Meerbusch : Stammzellen: Meerbuscherin rettet Leben

Vor einem Jahr spendete Angelika Großmann Stammzellen und ermöglichte einem Siebenjährigen die Transplantation

Auf einen genetischen Zwilling hofft derzeit die Grundschullehrerin Roswitha Hiller. Sie war seit mehr als 30 Jahren an der Pastor-Jacobs-Grundschule in Meerbusch-Lank tätig und hat dort unzählige Kinder unterrichtet. Die 61-Jährige hat Blutkrebs. Eine Stammzelltransplantation ist ihre einzige Überlebenschance. Wer gesund und zwischen 18 und 55 Jahren alt ist, kann helfen und sich am Sonntag, 9. Juni, in der Pastor- Jacobs- Schule bei der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei registrieren lassen.

Vor einem Jahr spendete Angelika Großmann aus Meerbusch Stammzellen und ermöglichte so einem siebenjährigen Patienten die lebensnotwendige Transplantation. "Ich habe mich schon 2007 in die DKMS aufnehmen lassen. Wir haben damals am Städtischen Meerbusch-Gymnasium eine Registrierungsaktion organisiert, bei der über 140 Schüler mitgemacht haben", sagt Großmann. "Als ich fünf Jahre später den Brief der DKMS in den Händen hielt und las, dass ich als Spenderin infrage komme, habe ich vor Freude geweint", sagt die Niersterin. Ein wenig mulmig sei ihr natürlich auch gewesen, sagt die 23-jährige Studentin, "aber die Freude, jemandem helfen zu können, war überwältigend".

Nach einer Voruntersuchung in der Entnahmeklinik gab man Angelika Großmann ein Medikament mit, das sie sich fünf Tage lang unter die Haut spritzte. Dieser körpereigene hormonähnliche Stoff, der vom Körper auch bei fieberhaften Infekten produziert wird, stimuliert die Produktion der Stammzellen und bewirkt, dass sich vermehrt Stammzellen im fließenden Blut befinden. Diese können dann aus dem Blut gesammelt werden.

"Ich hab es nicht geschafft, mich selbst zu spritzen", sagt Großmann. "Deshalb kam täglich der Pflegedienst vorbei, das hat prima geklappt. Die DKMS hatte mich darüber aufgeklärt, dass während der fünf Vorbereitungstage eventuell Nebenwirkungen wie Kopf- und Gliederschmerzen auftreten könnten, doch mir ging es gut. Ich war nur ein wenig müde." In diesen Tagen habe sie sich oft gefragt, wer wohl der Empfänger ihrer Stammzellen sei, denn eine Spende erfolgt zunächst anonym "Ich war sehr aufgeregt, ich fühlte mich auf einmal so verantwortlich auch für das Leben eines anderen Menschen."

Die Entnahme selbst habe etwa vier Stunden gedauert. "Leider habe ich nicht so gute Venen, aber als die erst mal gefunden waren, ging die Zeit schnell vorbei. Ich wurde gut betreut, es gab die Möglichkeit, Videos zu gucken und mein Freund war die ganze Zeit bei mir."

Zwei Tage nach der Spende erfuhr die Jura-Studentin, dass ihre Stammzellen für einen siebenjährigen Jungen aus Deutschland waren. "Ich war gerührt und bin glücklich, dass ich helfen konnte. Ich habe über die DKMS einen Brief von der Familie bekommen und inzwischen geht er wieder in die Schule. Das hat mich riesig gefreut."

Zwei Jahre nach der Transplantation dürfen Spender und Empfänger direkt Kontakt aufnehmen, wenn beide dies wünschen. Angelika Großmann möchte: "Ich würde den Jungen gerne persönlich kennen lernen."

(RP/ac)