Unternehmer aus Meerbusch hält Predigt in der Kirche : Ralf Bos mahnt Frieden, Respekt und Achtung an

Im Rahmen der mit Laien besetzten Kanzelreden der Evangelischen Kirche Büderich plädiert Ralf Bos für „weiche Grenzen und flache Hierarchien“.

(mgö) Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage, Generalintendant Wilfried Schulz oder Schülerin Eda Senyurt standen bereits auf der Kanzel der Evangelischen Kirchengemeinde Büderich, um als Nicht-Theologen ihre Sicht auf unterschiedliche Dinge darzustellen. Jetzt wurde die Reihe der Gemeinde mit einer Kanzelrede des Meerbuscher Delikatessenhändlers Ralf Bos – auch als Trüffel-Papst bekannt – fortgesetzt.

Gemäß der Jahreslosung der evangelischen Kirche „Suche Frieden und jage ihm nach“ bereitete Pfarrer Wilfried Pahlke in der Christuskirche mit Worten des Kirchenvaters Augustinus auf das Thema Frieden, Achtung und Respekt vor. Damit erinnerte er an den achtungsvollen Umgang miteinander und den Frieden. Darum geht es auch Ralf Bos (Jahrgang 1961). „Das Wort Frieden setze ich in unserer kleinen Welt nicht nur für den Respekt meinen Mitarbeitern gegenüber ein. Ich versuche auch, möglichst weiche Grenzen zwischen unseren Lieferanten, uns und unseren Kunden zu bilden“, erklärte Bos, auch Unternehmer des Jahres der Mittelstandsvereinigung.

Er erklärte, wie jeden Tag mit der „multikulturellen Mitarbeiterschicht aus 20 Nationalitäten flache Hierarchien und Frieden untereinander gelebt werden.“ Bos erinnerte an einen Mitarbeiter, dem er trotz vorheriger Verurteilung eine zweite Chance gab und den verheerenden Brand und „den dunklen Himmel über Büderich“ kurz vor Weihnachten 2018 sowie die übergroße Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter und auch der Lieferanten: „Die Situation hatte sehr viel Frieden, Freundschaft und Selbstlosigkeit in sich. Es lohnt sich immer, über den Frieden und die Nächstenliebe zu sprechen.“

Dazu erinnert Ralf Bos auch an ein Ereignis, das ihm bestätigt, wie wichtig auch Verzeihen ist: „Es macht frei.“ Auslöser dafür ist die Geschichte um Eva Kor und ihre Zwillingsschwester Miriam, die auf der Todesliste der SS-Männer standen. Als Eva Kor dem damals agierenden Arzt Hans Münch ein halbes Jahrhundert später gegenüber saß, empfand sie den Austausch „als heilsam“. „Diese Geschichte hat mich intensiv beschäftigt“, gibt Ralf Bos zu. Er sagt aber auch: „Unser weicher Führungsstil hat uns im harten Konkurrenzkamp oft zu Verlierern kleiner Schlachten gemacht. Trotzdem halte ich daran fest, Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten so zu behandeln, wie wir auch behandelt werden möchten.“

Im Anschluss an das Vorspiel der von Kantorin Ekaterina Porizko improvisierten Version von „Verleih uns Frieden gnädiglich“ hatten die Kirchenbesucher Gelegenheit, sich  über Frieden, Respekt und Achtung auszutauschen.

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