Meerbusch: Svenja Ojstersek läuft zielstrebig an die Spitze

Meerbuscherin bei Deutscher Meisterschaft : Svenja Ojstersek läuft zielstrebig an die Spitze

Die Meerbuscher Läuferin Svenja Ojstersek trainiert in den USA, um bei den Deutschen Meisterschaften im August gegen die harte Konkurrenz zu bestehen. Das ist vor allem eine Frage der richtigen Einstellung.

Für Spaziergänger in Büderich ist es inzwischen ein gewohnter Anblick: Mit hohem Tempo flitzt Svenja Ojstersek in diesen Tagen an ihnen vorbei – Intervall- und Ausdauerläufe stehen bei der 25-Jährigen täglich auf dem Trainingsplan, denn die Langstreckenläuferin bereitet sich intensiv auf den 5000-Meter-Lauf bei den Deutschen Meisterschaften am 3. August im Berliner Olympiastadion vor.

Im Vorjahr war die Sportlerin in Nürnberg elfte geworden, diese Platzierung möchte sie definitiv toppen. „Viel wird davon abhängen, wie taktisch geprägt das Rennen sein wird, aber ich möchte auf jeden Fall so viele Läuferinnen hinter mir lassen wie möglich“, sagt Ojstersek. Die Teilnahme an den nationalen Titelkämpfen ist für sie noch einmal ein Höhepunkt. Ihre Ausgangslage ist jedoch eine ganz andere als die ihrer Rivalinnen. „Während ich am Ende meiner Saison stehe, sind die anderen noch mittendrin“, berichtet Ojstersek.

Das hat einen einfachen Grund: Die Büdericherin lebt seit zwei Jahren in den USA und hat entsprechend einen anderen Rhythmus als die in Deutschland wohnhafte Konkurrenz. An der Southern Methodist University (SMU) in Dallas macht die Meerbuscherin derzeit einerseits ihren Master, andererseits geht sie als Athletin des so genannten Cross-Country-Teams ihrer großen Leidenschaft professionell nach – und das mit großem Erfolg.

In der vor wenigen Wochen zu Ende gegangenen Saison konnte sie bei wichtigen Titelkämpfen drei Medaillen erringen. In der Halle kletterte sie bei den American Athletics-Conference-Meisterschaften (AAC) der zwölf besten Unis aus zehn US-Bundesstaaten in Birmingham/Alabama gleich zweimal aufs Treppchen. Nachdem sie im Einzelrennen zu Bronze gestürmt war, ebnete sie nur eine halbe Stunde später als Startläuferin der Staffel ihrer Uni den Weg zu Silber. In der Freiluftsaison bestätigte sie ihre exzellente Verfassung und holte bei den AAC-Titelkämpfen in Wichita/Kansas, wo erneut die besten Athleten aus insgesamt zehn US-Bundesstaaten an den Start gingen, über 5000 Meter eine weitere Bronzemedaille.

Ihr großer Leistungssprung lässt sich auch an den nackten Zahlen ablesen: Über die Fünf-Kilometer-Distanz steigerte sie ihre persönliche Bestzeit um mehr als 20 Sekunden auf 16:26,94 Minuten, über die 10.000 Meter-Strecke um fast eine Minute auf 33:51,97 Minuten.

Ojstersek hat im zurückliegenden Halbjahr vor allem gelernt, gleichmäßiger zu laufen und sich die Strecken geschickter einzuteilen. Zudem schafft sie es nun vermehrt, das eigene Potenzial noch besser auszuschöpfen. „Laufen ist zu 90 Prozent Kopfsache. Der Geist gibt immer als erstes auf. Doch um an seine absolute Leistungsgrenze zu gelangen, muss man raus aus der Komfortzone. Das tut manchmal weh, hilft aber enorm“, erzählt Ojstersek.

Ende August wird sie in die Staaten zurückkehren und in Dallas das letzte Semester ihres Masterstudiums absolvieren. Für ihr aktuelles College-Team wird sie dann nicht mehr startberechtigt sein. „Ich werde weiter im engen Austausch mit meinem momentanen Coach stehen, jedoch mehr individuell trainieren müssen“, sagt Ojstersek. Für die erste Zeit nach dem Studium hat sie den Plan, nach Deutschland zurückzukommen und hier voraussichtlich erst einmal eine Halbtagsstelle anzutreten. Denn der Sport steht bei ihr weiter im Fokus.

Zu den absoluten Top-Läuferinnen fehlt derzeit noch etwas, doch wenn sie ihre positive Entwicklung weiter fortsetzt, kann sie die nationale Spitze womöglich angreifen. „Über 5000 und 10.000 Meter wird es sehr schwierig, aber wenn ich mich zukünftig auf die Halbmarathonstrecke konzertiere, könnte es klappen.“

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