Brauchtum in Meerbusch „Unsere Vereine halten zusammen“

Lank · Georg Neuhausen organisiert für den Heimatkreises Lank regelmäßig Vorträge in der Teloy-Mühle. Diesmal war ein Vertreter von Europas größtem Heimatverein in Meerbusch zu Gast.

 Georg Neuhausen (links) vom Heimatkreis Lank begrüßt den Vize-Baas der Düsseldorfer Jonges, Reinhold Hahlhege, in der Teloy-Mühle.

Georg Neuhausen (links) vom Heimatkreis Lank begrüßt den Vize-Baas der Düsseldorfer Jonges, Reinhold Hahlhege, in der Teloy-Mühle.

Foto: RP/Helga Ebner

Mit „N’ovend leeve Jonges!“ wurde das Publikum in der gut gefüllten Teloy-Mühle zum Vortragsabend des Vereins Heimatkreis Lank nicht begrüßt. Aber Referent Reinhold Hahlhege, Vizebaas des Heimatvereins Düsseldorfer Jonges von 1932, erklärte, dass dieser Gruß zum wöchentlichen Treff an jedem Dienstagabend im Henkel-Saal vom Jonges-Baas Wolfgang Rolshoven Ritual ist: „So wird der Abend regelmäßig eröffnet.“ Auch über den Abschluss der Heimatabende nach dem offiziellen Programm in der jeweiligen Gaststätte der Tischgemeinschaften gab es Auskunft. Zuvor aber begrüßte Georg Neuhausen den Referenten und die Besucher.

Als Leiter der Heimatkreis-Vortragsreihe hieß er den „echten Düsseldorfer Jong“ aus den Reihen des mit aktuell 3347 Heimatfreunden größten Heimatvereins Europas willkommen. Der Heimatkreis Lank ist Meerbuschs größter Heimatkreis. Neuhausen hatte den Kontakt zu den Jonges gesucht, um in der Vortragsreihe Details über ihre Geschichte und ihre Projekte zu erfahren. „Ich hoffe auf Anregung von beiden Seiten und freue mich auf eine Diskussion“, erklärte dazu Reinhold Hahlhege. Er gab unter anderem Einblicke in die Vereinsstruktur, die Aufgabenbereiche, Ehrungen, Projekte und die 2022 erfolgte Mitgliederbefragung.

Diese ergab, dass es große und auch sehr wichtige Themen gibt – wie soziales Engagement, die Sicherheit der Altstadt oder Erhaltung charakteristischer Bauten – die angegangen werden sollen. Darum wollen sich die zwischen zwölf und 250 Mitglieder starken 55 Tischgemeinschaften kümmern. Diese Untergruppierungen im Verein – sie tragen Namen wie De Rhingkadette, Onger ons, Medde d’rzwesche oder De Buhmänner – sind starke Gemeinschaften, „die tragenden Säulen“ des Heimatvereins. An der Gestaltung der jährlich gut 50 Dienstag-Heimatabende mit je 400 bis 500 teilnehmenden Männern haben sie wesentlichen Anteil. Meist wird eine wichtige Persönlichkeit ausgeguckt, „die auf der Couch sitzt und unbequeme Fragen beantworten muss“.

Reinhold Hahlhege zählt die Auszeichnungen auf, die die Jonges vergeben. Neben Ehrennadeln in unterschiedlicher Wertung gibt es Förderpreise: „Für die Handwerkskunst, die Musik oder auch die Forschung – beispielsweise über einen Nachweis von Corona-Infektionsketten. Das sind oft Summen um die 3000 Euro. Und manchmal fragen wir uns auch: Haben wir denn dafür noch Kohle?“.

Schließlich kümmert sich der Heimatverein auch um den Karneval oder die sportlichen Aktivitäten der Fortuna, der DEG oder der Borussia Tischtennisgemeinschaft. An erster Stelle aber stehen Projekte für Bedürftige. „Es gibt viel mehr davon, als man glaubt“, weiß Reinhold Hahlhege und betont: „Frauen und Kinder sind ganz wichtig.“ Auch darum, wo die Spenden ankommen, kümmern sich die Jonges.

Die Mitgliederzahl steigt, durch Neuaufnahmen verjüngt sich das Durchschnittsalter. Es liegt aktuell bei 49 Jahren. In dem monatlich erscheinenden Magazin „das tor“ wird über News berichtet: „Bei einer Umfrage, ob wir weiter per Print-Ausgabe erscheinen sollen, sprachen sich 70 Prozent dafür aus.“

Im Anschluss kam in der Diskussionsrunde in der Mühle auch das Thema der Aufnahme von Frauen zur Sprache: „Das Thema wurde hochgekocht.  Es ergibt sich ein heterogenes Bild. Die Zeit wird es zeigen.“ Gefragt wurde auch, ob es richtig sei, dass nur Düsseldorfer Mitglied werden dürfen. Vizebaas Reinhold Hahlhege: „Nein, das ist falsch.“ Wer bei den Düsseldorfer Jonges mitmischen möchte, sollte mindestens einen Leumund angeben können. Der Jahresbeitrag wurde gerade angepasst, beträgt ab 1. Januar 2024 80 Euro, die Aufnahmegebühr 50 Euro. Zum Abschluss erinnerten einige Besucherinnen daran, dass die Jonges nach ihren dienstäglichen Heimatabenden gemeinsam drei Strophen ihres Heimatliedes singen. Es wurde bei Youtube gesucht, gefunden und abgespielt. Reinhold Hahlhege und Georg Neuhausen sind sich beide einig: „Unsere Vereine halten zusammen.“

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