Ex-Minister Walter-Borjans erinnert sich an Kindheit in Meerbusch

Vom Ministranten zum Minister : Ein Blick zurück in die Lanker Kindheit

Ex-NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans war Gast des Heimatkreises Lank und plauderte aus seinen Erinnerungen an seine Zeit in Lank-Latum.

Heimat ist eine ganz tolle Sache. „Lank-Latum hat immer Spaß gemacht und macht es noch heute“, schwärmt Norbert Walter-Borjans von dem Ort, an dem er Kindheit und Jugend verbracht hat.

Eingeladen vom Heimatkreis Lank und Georg Neuhausen als Leiter des Forums Orts- und Regionalgeschichte plauderte der Ex-NRW-Finanzminister unter dem Titel „Lank-Latum – damals und heute“  aus persönlichen Erinnerungen. Dabei erlebte er zum ersten Mal die Teloy-Mühle von innen. Walter-Borjans wurde 1952 an der nicht asphaltierten und von Obstbäumen umsäumten Straße „In der Wasserstadt“ geboren. Seit 40 Jahren lebt er „im Kölner Exil“.

In der von Georg Neuhausen und Heimatkreis-Vorsitzenden Franz Jürgens als „Liebeserklärung an Lank-Latum“ erklärten Reise in die Vergangenheit, zeigte sich der Referent als „echter Lotumer Jong“. Mit Bildern untermalt blätterte Norbert Walter-Borjans bis in die frühe Kindheit,  erinnert sich an fünf Tage im von Nonnen geführten Kindergarten an der Kemperallee – „es gab Ärger und ich wäre da nie wieder hingegangen“ – und an die Zeit in der Grundschule, in der es links evangelisch und rechts katholisch zuging. Als Ministrant hatte der heute 66-Jährige seine ersten öffentlichen Auftritte am Mikrofon, ging zum Protest gegen den Neubau eines Jugendheims auf die Straße, hatte lange Haare und gehörte zu den Stones-Fans: „Damals teilte sich die Welt in Beatle- und Stones-Anhänger.“

Bequem war Walter-Borjans nie, immer für Neues offen und ein bisschen rebellisch. Er wollte etwas bewegen, „in dem kleinen Ort was selber machen“. Dazu zählen die Disco zuerst im Fronhof, später im Jugendheim, die Betreuung bei Ferienzeiten in Saalbach-Hinterglemm oder auf Texel und Ameland, die Gründung des TTC Lank mit zwei Freunden, die ebenfalls eine Tischtennisplatte besaßen und später der Übergang in den ASV Lank – „ich bin noch heute dort Mitglied“. Schon damals wurden ihm in den Vereinen die Finanzen anvertraut: „Rückblickend ist es ein schönes Gefühl, so viele Dinge mit geprägt zu haben.“ 1979 ging er nach Köln, Fotos als Sprecher von Ministerpräsident Johannes Rau, Treffen mit Gorbatschow oder Arafat, ein Empfang bei Papst Johannes Paul II. oder als Initiator der Internetseite NRW.de stehen für seine Karriere. Er bleibt der Heimat treu, ist Mitglied des Heimatkreises Lank, nimmt an den Mundartstammtischen mit Johannes Tups teil und sieht es als großes Plus an, dass Lank-Latum zumindest gefühlt nach der Meerbusch-Stadtgründung benachteiligt wurde: „Diesem Umstand haben wir es zu verdanken, dass dieser Ort heute ein Schmuckstück ist.“

Abschließend zeigt Norbert Walter-Borjans ein Foto von der Hochzeit seiner Eltern 1938. Die danebenstehenden nahen Angehörigen sind Opfer des Krieges geworden: „Ich gehöre zu der kleinen Gruppe von Menschen, die keinen Krieg erleben mussten. Wir sollten dafür sorgen, dass das so bleibt. Und Lank-Latum ist immer noch Heimat. Ich bin sehr gerne hier.“

Monika Götz

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