Sport in Meerbusch Auf dem Weg zum Golfprofi

Meerbusch · Die 15-jährige Strümperin Antonia Steiner gehört zu den größten Golf-Talenten weltweit. Trotz ihres jungen Alters gehört die Strümperin bereits jetzt dem deutschen U18-Kader an.

 Die 15-jährige Antonia Steiner wurde bereits in die deutsche U-18-Auswahl berufen und konnte auf verschiedenen Turnieren Erfolge feiern. Ihrer Leidenschaft ordnet sie viel unter.

Die 15-jährige Antonia Steiner wurde bereits in die deutsche U-18-Auswahl berufen und konnte auf verschiedenen Turnieren Erfolge feiern. Ihrer Leidenschaft ordnet sie viel unter.

Foto: RP/Steiner

Golf ist ihr Leben. Mindestens sechsmal pro Woche steht Antonia Steiner auf dem Platz, um ihr Spiel zu verbessern. „Dieser Sport hat so viele Facetten, dass man unheimlich viel trainieren muss“, sagt die 15-Jährige, die später gerne Profi werden möchte. Momentan ist sie auf dem besten Weg dahin. In der Weltrangliste der Amateurgolferinnen wird sie auf Position 778 geführt, im europäischen Ranking der U16-Mädchen sogar auf Platz zwölf.

Der Durchbruch gelang Antonia im vergangenen Jahr, als sie vier Turniere für sich entscheiden konnte. In den Niederlanden gewann sie die Holbox Junior Open, in Deutschland die German Junior Rhein-Ruhr Masters, die NRW-Meisterschaften sowie den Vorausscheid (AK 16) der Deutschen Meisterschaften. Durch ihre konstant guten Leistungen schaffte sie den Sprung in den deutschen U18-Kader – und das als 15-Jährige. „Normalerweise werden nur ältere Mädchen berufen, daher kam das Ganze für mich sehr überraschend“, berichtet Antonia. Mitglied des Nationalkaders zu sein erfüllt sie nicht nur mit Stolz, sondern bietet ihr auch Vorteile, denn die Kosten für zahlreiche Turniere und Meisterschaften übernimmt nun der Deutsche Golf Verband. „Das erleichtert vieles“, sagt Antonia, die ihrem großen Traum alles unterordnet. Unternehmungen mit Freunden oder Partys muss sie oft sausen lassen. Schließlich spielt sie während der Hochsaison fast jede Woche ein Turnier. Diese starten oft mittwochs und gehen meist bis sonntags.

In der Schule verpasst die Strümperin daher auch viele Inhalte. „Ich würde sagen, dass ich inzwischen zu 40 Prozent im Unterricht fehle“, erzählt Antonia, die an der Maria-Montessori-Gesamtschule trotzdem gute Noten aufweist. Kürzlich hat sie ihre Mittlere Reife bestanden, jetzt strebt sie das Abitur an. Verständnis für die vielen Fehlstunden zeigen ihre Lehrer und Mitschüler nicht immer. „Einige sehen Golf noch als Altherrensport und äußern sich schon mal kritisch, aber mein Stufenleiter und meine engen Freunde stehen fest hinter mir“, sagt die 15-Jährige.

Die Leidenschaft zum Golf wurde ihr mehr oder weniger in die Wiege gelegt. Ihr Vater geht dem Sport schon seit langer Zeit nach, ihre Mutter begann damit kurz vor ihrer Geburt. So verbrachte Antonia schon als Kleinkind viel Zeit auf Golfplätzen und war sofort vernarrt in den Sport. „Mir wurde mal gesagt, dass das erste Wort, das ich sprechen konnte, nicht Mama oder Papa war, sondern Golfschläger“, sagt die 15-Jährige lachend. Unzählige Stunden verbrachte sie seitdem auf den verschiedensten Anlagen in der Umgebung. Momentan startet Antonia für das Bundesliga-Team des GC Hubbelrath. Aufgrund der räumlichen Nähe ist sie aber auch häufig im Golfpark Meerbusch zu finden. Als ihre größte Stärke bezeichnet Antonia ihre Abschläge. Ihre Drives haben eine gute Länge und sind meist sehr präzise. Am meisten Luft nach oben hat sie noch beim Putten. „Da verliere ich derzeit häufig noch ein paar Schläge“, sagt sie.

Beim bis dato größten Erfolg ihrer Karriere war das aber nicht der Fall. Vor kurzem entschied Steiner die U16-Amateurmeisterschaft der Mädchen im englischen Enville für sich. Am ersten Loch der Sudden-Death-Playoffs versenkte sie dabei einen dreieinhalb Meter langen Birdie – und beendete das Turnier damit als Siegerin. Direkt brach sie in Freudentränen aus. „Mit diesem Erfolg hätte ich nie gerechnet. Vor der letzten Runde hatte ich fünf Schläge Rückstand auf die Erstplatzierte. Als ich mit meinem Flight fertig war, hatte ich sogar schon überlegt, die Anlage zu verlassen“, berichtet die Meerbuscherin. „Antonia hatte bei diesem Turnier eine richtig gute Körpersprache“, lobte der deutsche Bundestrainer Sebastian Ruhle. Der Enville Golf Club sei ein schwieriger Platz und man müsse ein gewisses Spiel haben, um dort zu gewinnen. „Vor den Augen der Fans, Fotografen und Medien das Stechen für sich zu entscheiden, wird ihrem Selbstvertrauen einen großen Schub geben.“ Dass sie beim letzten Schlag die Nerven bewahrte, verdankt Antonia auch der Arbeit mit ihrem Mentaltrainer. „In der Weltspitze kommt es kaum noch auf Technik an. Da geht es darum, wer im entscheidenden Moment einen kühlen Kopf bewahrt. Deshalb ist es wichtig, auch diesen Part zu trainieren.“