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Meerbusch: Stadt will Sonne anzapfen

Meerbusch : Stadt will Sonne anzapfen

Die Stadtverwaltung steht vor einer energiepolitischen Wende. 7800 Quadratmeter Schuldächer in Südlage könnten mit Photovoltaik belegt werden. Dafür soll eine Bürgersolar-Genossenschaft gegründet werden.

Auch in Meerbusch sind erneuerbare Energien auf dem Vormarsch: Die Verwaltung schlägt vor, die Fläche der Solarzellen auf öffentlichen Dächern bis Ende des Jahres mehr als zu versiebenfachen.

Der ambitionierte Plan: Auf 23 günstig ausgerichteten Schul-, Turnhallen- und Verwaltungsdächern könnten 7800 Quadratmeter Solarmodule aufgebaut werden. Das größte "Photovoltaikkraftwerk" (mit 2400 Quadratmetern) könnte auf dem Mataré-Gymnasium entstehen.

Finanzieren soll dies eine Solargenossenschaft, an der sich neben Banken auch Bürger beteiligen könnten. WBM und Volksbank hätten bereits Interesse bekundet, die Genossenschaft kurzfristig zu gründen. Wer Anteile zeichnet, darf auf eine jährliche Rendite hoffen, denn Photovoltaik-Strom wird (durch Abgaben aller Stromkunden) subventioniert. Aktuell sind Energieversorger verpflichtet, den privaten Sonnenstrom für 28,74 Cent pro Kilowattstunde zu kaufen. Morgen kommt das Thema in den Bau- und Umweltausschuss.

Auslöser des Vorstoßes ist eine Änderung des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes. Diese schreibt vor, dass ab 2012 öffentliche Gebäude 15 Prozent ihrer Heizenergie aus regenerativen Quellen abdecken sollen. Zuvor galt dies lediglich für Neubauten. Bisher gibt es in Meerbusch (neben vielen privaten Solaranlagen) vier Bürgersolarprojekte (Turnhalle und Schulgebäude der Adam-Riese-Schule, Technisches Dezernat und die private Anlage auf dem Dach des Lanker Wasserwerks). Auf öffentlichen Dächern liegen gerade einmal 1010 Quadratmeter Solarzellen.

Vorbild für die Solargenossenschaft könnte Willich werden. In der Nachbarstadt haben im vergangenen Jahr 156 Bürger innerhalb weniger Monate Anteile im Wert von mehr als 830 000 Euro erworben. In Mönchengladbach zahlten 150 Bürger vor einigen Wochen jeweils 1500 Euro ein. Dort sollen zehn Stadt-Dächer mit Solarzellen belegt werden. Die dortige Bürgersolar-Genossenschaft rechnet mit einer Rendite von sechs Prozent pro Jahr.

Der bei der Inbetriebnahme der Anlage geltenden Preis für den Solarstrom, der so genannte Einspeisetarif, ist den Anlagenbetreibern 20 Jahre lang garantiert.

Die Höhe dieses Tarifs sinkt zurzeit etwa jedes halbe Jahr. Eine Meerbuscher Genossenschaft würde daher etwas schlechtere Konditionen bekommen, als sie für Willich gelten. Doch im Gegenzug sinken auch die Preise für Solarzellen.

Eine Gefahr sieht die Verwaltung durch Vandalismus: Die dritt- und viertgrößten potenziellen Solar-Standorte liegen über der Aula und über einem Klassentrakt des Mataré-Gymnasiums (zusammen 1255 Quadratmeter Solarmodule möglich). Flächen, die jedoch von Schülern leicht zu erreichen wären.

(RP/rl)