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Meerbusch: Stadt verschenkt Baumaterial

Meerbusch : Stadt verschenkt Baumaterial

Die Verwaltung überlässt dem Artillerie-Corps Feldbrandsteine und historische Eichenbalken des einstmals ältesten Hauses Osteraths zum Bau einer Barbara-Kapelle. Die Politiker waren an der Entscheidung nicht beteiligt.

Das verschwundene niederrheinische Hallenhaus ist wieder aufgetaucht. Materialien des einstmals ältesten Gebäudes Osteraths lagern auf einem Bauernhof in Bovert. Schützen des Artillerie-Corps Osterath haben die 400 Jahre alten Eichenbalken und etwa 10 000 Ziegelsteine, des von Hand abgetragenen so genannten Meuser-Hauses auf dem Gelände des alten städtischen Bauhofs in Büderich gesichert und abtransportiert.

Dem Vernehmen nach war das eine schweißtreibende Angelegenheit. Die durch einen politischen Beschluss der Bürgervertreter im Bau- und Liegenschaftsausschuss im März 1995 nach aufwendiger Kartografierung und Nummerierung gelagerten Baustoffe waren offenbar über die Jahre in Vergessenheit geraten. Von Grün überwuchert und in Teilen der Witterung ungeschützt ausgesetzt war die historische Substanz stellenweise vermodert.

Zum Hintergrund: Das Meuser-Haus — auch Holzschneider-Hof genannt — stand seinerzeit dem Bau der Westumgehung im Weg. Ein Versehen des Landeskonservators sorgte dafür, dass das einzige im Hessenkrieg verschonte Gebäude Osteraths, das bis in die 1990er-Jahre erhalten war, nicht auf der Liste denkmalwerter Höfe gestanden hat. Die Politik hatte den lokalhistorischen Wert des Gemäuers erkannt und besondere Sorgfalt angemahnt. "Der Ausschuss beschließt bei einer Gegenstimme, die historischen Baumaterialien zur Wiederverwendung zu erhalten", heißt es im Sitzungsprotokoll.

Hans-Günter Focken (SPD) hatte in der jüngsten Ratssitzung nach dem Verbleib des Hauses gefragt (RP berichtete). Bürgermeister Dieter Spindler gab an, dass Osterather Schützen das Material zum Bau einer Gedenkstätte oder einer Kapelle überlassen worden sei. Der Verein Pro Osterath habe sich bei der Bruderschaft erkundigt, wer etwas mit dem Baumaterial anzufangen wisse. Das Artillerie-Corps habe sich gemeldet, um zum 100-jährigen Bestehen eine Gedenkstätte für die Schutzpatronin der Artilleristen — die Heilige Barbara — zu bauen.

Ratsherren quer durch die Fraktionen zeigten sich über den Vortrag der Verwaltung irritiert. Offenbar sei dem damaligen Beschluss nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet gewesen. Ferner wundere man sich, wieso die Verwaltung ohne Information oder gar Mitwirkung der Politik Baumaterialien im Wert von 10 000 bis 30 000 Euro verschenke. Ob das kommunal- oder auch strafrechtlich in Ordnung sei, daran bestünden Zweifel. Nach RP-Informationen will die Ratspolitik die brisanten Fragen in diesem Monat in einer Sitzung des Ältestenrats vorbringen — "wir hoffen auf zufriedenstellende Antworten", heißt es.

(RP)