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Meerbusch: Stadt steckt im Schuldilemma

Meerbusch : Stadt steckt im Schuldilemma

Die Meerbuscher Schulpolitik kommt aus ihrem Dilemma nicht heraus. Wie sich jetzt im Schulausschuss zeigte, kann auch die Bezirksregierung nicht helfen. Der eigens angereiste Vertreter der Düsseldorfer Schulverwaltung gab dem Ausschuss den Rat:

"Wenn Sie Geld genug haben, hätte ich nichts dagegen, wenn Sie die Montessori-Gesamtschule sechszügig neu bauen". Das würde eine Vergrößerung der Büdericher Schule um 50 Prozent bedeuten, im Gegenzug jedoch die Osterather Realschule gefährden. Die Idee fand keinen Anklang im Ausschuss.

Das Problem ist unverändert: Die Gesamtschule kann sich vor Anmeldungen kaum retten. Dieses Jahr musste sie wieder 57 junge Meerbuscher abweisen. Doch zur Neugründung einer zweiten Gesamtschule (für die sich die SPD vehement einsetzt), reicht das nicht. Dazu wären fünf Jahre lang mindestens 100 Anmeldungen nötig. Zur Einrichtung der von der Verwaltung favorisierten Sekundarschule (an Stelle von Haupt- und Realschule) würden zwar nur 75 jährliche Anmeldungen gebraucht. Die Elternbefragung aus dem Frühjahr ergab ein jedoch weitgehendes Desinteresse an der neuen Schulform. Und die Zahl der Grundschüler soll in den nächsten jahren weiter sinken. Die Bezirksregierung will daher zurzeit weder neue Gesamt- noch Sekundarschule genehmigen.

Der Vertreter der Bezirksregierung riet den Schulpolitikern, zunächst die Zahlen für das nächste Schuljahr abzuwarten. Sollten die Anmeldezahlen der Gesamtschule explodieren, könne man immer noch über eine zweite Gesamtschule nachdenken. Wahrscheinlich ist dies indes nicht, da neue Gesamtschulen in Kaarst, Krefeld, Neuss und Willich öffnen. Bislang waren junge Kaarster jährlich in Stärke einer Schulklasse zur Büdericher Gesamtschule geströmt.

Sollte die Politik weiter die Gründung einer Sekundarschule anstreben, wäre im kommenden Jahr eine neue Elternbefragung nötig.

Eine Überraschung gab es dann doch noch. Wie jetzt im Ausschuss bekannt wurde, hat die Stadtverwaltung eine Erweiterung der Gesamtschule um zwei Klassen von vier auf sechs Züge geprüft. Da am Standort Weißenberger Weg kein Platz für zusätzliche Klassenräume ist, wurde erwogen, die vor der Schließung stehende Hauptschule Osterath als Dependance zu nutzen. Die Bezirksregierung signalisierte jedoch, dass der Plan nicht genehmigungsfähig ist, da die Dependance viel zu weit von ihrem Haupt-Standort entfernt läge. "Das wären dann zwei verschiedene Schulen. Und das ist nicht zulässig", sagt der Vertreter der Düsseldorfer Schulverwaltung. Auch die Schulleitung meldete aus pädagogischen Grünen massive Bedenken an. Für SPD-Fraktions-Chefin Ilse Niederdellmann war dieses Gedankenspiel der Stadtverwaltung völlig neu: "Wir hätten das gerne politisch diskutiert", gab sie Schuldezernentin Angelika Mielke-Westerlage mit auf den Weg. Grünen-Fraktions-Chef Jürgen Peters entgegnete, dass über einen sechszügigen Ausbau der Gesamtschule bereits im nicht-öffentlich tagenden Schul-Arbeitskreis geredet worden sei.

(RP/ac/ila)