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Stadt Meerbusch mit neuer Maßnahme gegen verbotenen Lkw-Verkehr

Verkehr in Meerbusch : Stadt will illegalen Lkw-Verkehr stoppen

Bereits mehr als zehn Jahre dauert der Kampf gegen den verbotenen Durchfahrtsverkehr in Lank-Latum und Nierst Richtung Krefelder Hafen. Im November wurden Blitzer aufgestellt. Nun wird die Zufahrt zum Gewerbegebiet In der Loh verändert.

Für Bürgermeister Christian Bommers haben die Probleme mit dem illegalen Lastwagenverkehr durch Lank fast schon symbolischen Charakter. Kurz vor der Stichwahl sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion: „Die Bürger dort haben das Gefühl, dass nichts passiert. Das darf nicht sein.“ Oberste Maxime sei eine bürgernahe Verwaltung, die zuhört und sich kümmert. Fakt sei aber auch, dass der Verkehr nicht allein ein Meerbuscher Problem sei: „Der Verkehr wird in Krefeld generiert. Die Stadt Krefeld muss dafür sorgen, dass die Lkw Zugang zum überörtlichen Verkehrsnetz bekommen. Da bedarf es noch intensiverer Gespräche, um eine gemeinsame Lösung zu finden“, hatte Bommers angekündigt.

Die Stadt Meerbusch macht derzeit den nächsten Schritt im langjährigen Kampf gegen die unerwünschten Schwer-Laster und saniert den Kreisverkehr am Knotenpunkt Uerdinger Straße/Robert-Bosch-Straße in Lank-Latum. Dabei geht es aber nicht nur um den Kreisverkehr als solchen, sondern auch um die Zufahrt zum Gewerbegebiet In der Loh über die Robert-Bosch-Straße. Diese wird - wenn der Kreisverkehr fertig ist - mit Betonquadern verengt und dann zur Einbahnstraße umfunktioniert. Dazu musste die Einmündung in den Kreisverkehr bis Ende der Woche gesperrt bleiben.

Die Einbahnregelung ist die jüngste Aktion, die die Stadt seit dem Jahr 2010 umsetzt, um den verbotenen Lkw-Durchfahrtsverkehr durch Lank-Latum in Richtung Krefelder Hafen zu unterbinden oder zumindest zu erschweren. Dabei gilt es, die Interessen der Lärm geplagten Anwohner der Uerdinger Straße und die Belange der im Gewerbegebiet In der Loh ansässigen Unternehmen „unter einen Hut zu bringen“ - ein schwieriges Unterfangen, das in der Vergangenheit für hitzige Diskussionen und Demonstrationen gesorgt hatte und für die Stadt mit ständiger Abwägung gegenläufiger Interessen verbunden ist.

 Die Zufahrt zum Gewerbegebiet In der Loh über die Robert-Bosch-Straße wird Einbahnstraße, die Fahrbahn wird verengt.
Die Zufahrt zum Gewerbegebiet In der Loh über die Robert-Bosch-Straße wird Einbahnstraße, die Fahrbahn wird verengt. Foto: Stadt meerbusch/Stadt Meerbusch

Neu ist: Wenn die Sanierung des Kreisverkehrs abgeschlossen und die Einbahnstraßenregelung in Kraft getreten ist, können Lastwagen von der Robert-Bosch-Straße nicht mehr nach rechts Richtung Krefeld weiterfahren. Hintergrund: Bereits Ende November wurde an der Uerdinger Straße der neue Traffi-Tower aufgestellt, ein fest installierter Lkw-Blitzer der Firma Jenoptik. Durch die Einbahnstraßenregelung ist es nicht mehr möglich, das Gerät durchs Gewerbegebiet zu umfahren.

Ein zweiter Blitzer wurde an der Stratumer Straße in Nierst Richtung Krefeld aufgebaut, um Lkw-Ausweichverkehr zum Krefelder Hafen zu kontrollieren. Die beiden Traffi-Tower, die die Stadt selbst angeschafft hat, messen nicht nur die Geschwindigkeit, sondern erkennen auch die Umrisse von Lastwagen über 7,5 Tonnen. Die Ahndung der Verstöße übernimmt wie bisher der Rhein-Kreis Neuss. Der Lkw-Verkehr vom und zum Gewerbegebiet In der Loh soll von all dem unbehelligt bleiben. Die ortsansässigen Firmen können für ihre Lkw und die ihrer Anlieferer Ausnahmegenehmigungen für Fahrten Richtung Krefeld beantragen. Die entsprechenden Scheine müssen, versehen mit einem Siegel der Stadt, gut sichtbar in der Windschutzscheibe der Lkw angebracht werden. Einige ansässige Unternehmer kritisierten den enormen bürokratischen Aufwand, der dann auf sie zukäme.

Zur Vorgeschichte: Das Lkw-Durchfahrtsverbot für Lank-Latum hat der Bau- und Umweltausschuss des Stadtrates bereits im Jahr 2010 beschlossen. Das Hauptaugenmerk lag darauf, den „Routenwiderstand“ zu erhöhen. Das bedeutet, die Ausweichstrecke durch den Ort für Lkw-Fahrer, die Richtung Krefelder Hafen abkürzen wollen, unattraktiv zu machen. Zu diesem Zweck wurde die Uerdinger Straße - bis zu diesem Zeitpunkt Teil der Bundesstraße 222 - zur Stadtstraße herabgestuft. Danach wurde die Fahrbahn durch Kreisverkehre, Radwege, Verschwenkungen, Querungshilfen, Parkstreifen und Baumpflanzungen systematisch verengt. Zusätzliche Schilder weisen die Lkw-Fahrer schon nach Verlassen der Autobahn auf das Durchfahrtsverbot hin. Die Bürgergemeinschaft Meerbusch-Nord durfte Banner mit dem Aufdruck „No trucks“ über die Straße spannen. Auch Elektronik wurde immer wieder eingesetzt. Im Februar 2018 stellten Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und die damalige Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage gemeinsam die erste vom Rhein-Kreis Neuss angemietete, mobile Messanlage auf der Uerdinger Straße vor. Ein Nachteil: Das Gerät wurde auch in anderen Kreiskommunen eingesetzt und blieb deshalb nie dauerhaft vor Ort.

Zudem wurde der Blitzer von den schweren Transportern auf ihrem Weg Richtung Krefeld kurzerhand umfahren, um einem Bußgeld zu entgehen. Das Fazit nach vielen Jahren: Keine der Aktionen der vergangenen zehn Jahre konnte den illegalen Lkw-Verkehr dauerhaft unterbinden. Im Gegenteil - seit sich die Maßnahmen unter den Fahrern herumgesprochen haben, weichen die Trucks auf dem Weg zum Hafen auch über Nierst aus. Das führt zu weiteren Problemen. Die beiden neuen Blitzer, ergänzt durch die Einbahn-Regelung in der Robert-Bosch-Straße, sollen nun der vorläufig letzte Schritt sein. Mit mit der neuen Autobahn GmbH NRW (vormals Straßen NRW) wird parallel nur noch über Hinweistafeln für Lkw-Fahrer auf der Autobahn selbst verhandelt.

„Ich wünsche mir, dass damit auch die immer noch eingehenden Beschwerden jetzt erstmal abflauen“, sagt der Technische Dezernent Michael Assenmacher. Er hatte zuletzt festgestellt: „Die Interessen der Anlieger und der Unternehmer widersprechen sich. Insofern wird jede Lösung nur ein Kompromiss sein.“ Hinzu kommt, dass sich zuletzt einige Anwohner auch darüber beschwert hatten, dass selbst der (erlaubte) Lieferverkehr ins Gewerbegebiet „unerträgliche Ausmaße“ angenommen habe.

Wie die jüngsten Maßnahmen tatsächlich wirken, wollen Politik und Verwaltung nun ein halbes Jahr lang beobachten und dann weiter entscheiden.