Meerbusch: St. Mauritius: Gebaut vor 125 Jahren

Meerbusch: St. Mauritius: Gebaut vor 125 Jahren

Ein verheerender Brand vernichtete in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli 1891 die alte Büdericher Pfarrkirche. In nur14 Monaten errichteten fleißige Hände das heutige Gotteshaus an neuer Stelle. Heute gibt es darüber einen Vortrag.

Wenn man vor der Büdericher Pfarrkirche St. Mauritius mit dem 54 Meter hohen Turm steht, könnte so mancher Architekt neidisch werden, nach welch kurzer Bauzeit das prachtvolle Gebäude vor genau 125 Jahren vollendet wurde.

Die Katasterkarte mit den zum Bau der Kirche geschenkten und erworbenen Parzellen. Foto: archiv kunze

Ein freiwilliger Akt war der Kirchneubau übrigens nicht. Den Pfarrer Adolf Fitzthum muss der sprichwörtliche Schlag getroffen haben, als er in der Morgendämmerung des 27. Juli 1891 vor die Tür seines Pastorats gegenüber der alten Kirche getreten ist. Mit einem Blick erkannte der Geistliche, dass die Qualmwolken, die unter dem Kirchendach hervorquollen, nichts Gutes verheißen konnten. Eilig rannte er zur Kirche, die bereits überall brannte. Unter Lebensgefahr gelang es Fitzthum, die geweihten Hostien und einige liturgische Geräte aus der Sakristei zu retten. Danach brannte das Gotteshaus vollständig aus. Für die Übergangszeit wurde die Niederdonker Kapelle für Gottesdienste genutzt und durch einen Bretterverschlag auf dem Vorplatz vorübergehend stark erweitert.

Die Diskussion über den Wiederaufbau setzte in Büderich, das damals noch aus mehreren voneinander getrennten Siedlungskernen bestand, sofort ein. Traditionalisten wollten am Alten Kirchturm neu bauen, fortschrittlichere Zeitgenossen dachten bereits an ein neues Ortszentrum an der Düsseldorf-Crefelder Landstraße (heute Düsseldorfer und Moerser Straße), andere sahen dort den geografischen Mittelpunkt der Pfarre und damit für viele Gläubige kürzere Wege zum Gottesdienst.

Den zum Teil hitzigen Auseinandersetzungen und dem Großprojekt sah sich der alternde und gesundheitlich angegriffene Fitzthum nicht mehr gewachsen - er zog sich als Seelsorger in ein Bonner Krankenhaus zurück und starb dort 1902. Sein Nachfolger wurde am 9. August 1892 Johannes Kirschbaum, der bereits als Kaplan ein Neubauprojekt erfolgreich koordiniert hatte. Noch bevor er Anfang September offiziell in seine Stelle eingeführt wurde, hatte er mit dem Kirchenvorstand auf dem Dyckhof am 24. August 1892 entschieden, die Pläne des Baumeisters Ross aus Köln zu verfolgen und die Gebrüder Höveler aus Büttgen mit dem Bau beauftragt. Nur drei Tage später erfolgte der Spatenstich.

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Kurz zuvor war auch die Entscheidung für den neuen und heutigen Standort gefallen. Entscheidend hatte sich die Stiftung des Landwirtes Engelbert Kreutzer vom gleichnamigen Hof auf dem Necklenbroicher Weg ausgewirkt. Dieser hatte das Bauland geschenkt, das Ehepaar Joseph und Gertrud Breuers den noch fehlenden Streifen an der Dorfstraße. Die Parzelle, auf der heute Küster- und Pfarrhaus stehen, erwarb die Kirche von Wilhelm Strucker. Die Zivilgemeinde bestand nur darauf, dass der Turm exakt zehn Meter vom Straßenrand entfernt stehen müsse, denn in der Umgebung gab es noch keine Häuser, nach denen man sich hätte richten müssen.

Zur offiziellen Grundsteinlegung am 19. März 1893 waren die Mauern schon bis auf Fensterhöhe gewachsen. Alles weitere, inklusive Dach und Turm, wurde in Rekordzeit in weniger als sechs Monaten fertiggestellt, die Einweihung am 24. Oktober 1893 gefeiert. Das Werk verschlang die damals gewaltige Summe von 116.639 Goldmark. Fast ein Viertel der Bausumme war durch die Feuerversicherung der alten Kirche gedeckt, fromme Büdericher stifteten weitere 17.000 Goldmark.

In den nächsten zehn Jahren wurden noch die Orgel, eine Bemalung des Innenraumes und die Einrichtung samt Glocken, die allerdings schon zur Einweihung läuten konnten, finanziert. Gemeindemitglieder gaben zunächst zinslose Darlehen und der Kirchenvorstand ging jeden Sonntag mit der Spendenbüchse durch die Pfarre. Hinzu kamen erneut Großspenden, besonders für die Glocken - die allerdings im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen wurden und heute durch Stahlglocken ersetzt sind. In der Folgezeit widmete sich Pfarrer Kirschbaum der Intensivierung des religiösen Lebens und rief mehrere Prozessionen und Wallfahrten sowie kirchliche Vereine ins Leben, die alle regen Zuspruch fanden und in der heutigen Zeit kaum noch vorstellbar wären.

(kun)