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Meerbusch: Spurensuche bei den Rittern

Meerbusch : Spurensuche bei den Rittern

Paul Hoffmann vom Geschichtsverein Meerbusch hat die Vergangenheit des Rittersitzes Hamm erforscht. Der alte Name ist schon lange auf einen Bauernhof übertragen.

Von dem ehemals stolzen Rittersitz Hamm zeugen heute nur noch ein Mauerstumpf und ein Wassergraben hinter hohen Hecken, der Name ist längst auf den nahen Bauernhof übertragen. Bis zu einem Blitzschlag in einer Gewitternacht des Jahres 1878 stand die herrschaftliche Anlage zwischen Strümp und Schloss Pesch und gehörte zum Besitz der dort residierenden Prinzen und Herzöge von Arenberg. Nur ein Turm überlebte die Flammen und brach erst 1932 zusammen.

Die Turmstümpfe - hier ein Bild von 1967 - sind von Gebüsch überwuchert. Foto: kreisarchiv viersen

Über die mittelalterlichen Bewohner und ihre Bedeutung war bisher praktisch nichts bekannt. Bekannt waren als Besitzer bisher die von Backum, denen auch Haus Latum gehörte im 17. Jahrhundert, und von Ense im 18. Jahrhundert. Grund genug für den Mittelalter-Spezialisten Paul Hoffmann vom Geschichtsverein Meerbusch, sich auf die Spurensuche zu machen. In den aktuellen Geschichtsheften lüftet er nach akribischem Urkundenstudium eines der Geheimnisse der Meerbuscher Geschichte.

1361 wird als Besitzer ein Ritter Heinrich von Hamme erwähnt. 1386 verpflichteten sich die Brüder Johann und Godert von Hamm, das Ewige Licht in der Lanker Pfarrkirche zu unterhalten, wofür das Stift Kayserswerth auf seine Rechte an dem Rittersitz verzichtete. Ein Sybert von Hamm war sogar Schultheiß und Richter im Amt Linn. 1418 verkauft Heinrich von Hamm seinen Rittersitz an den Patrizier Everhard König und die Familie taucht in Quellen nicht mehr auf. Kurz darauf gehört Hamm einem Isebrant van Swalmen und seiner Frau Sophia von Broichhausen. Die Swalmen stammen aus der Gegend von Roermond, wo Hoffmann auch andere Adelsfamilien lokalisieren konnte, die im Meerbuscher Raum Besitz hatten. Isbrant van Swalmen besaß auch den Endelhof in Hohenbudberg und damit das Patronat über die dortige Kirche, das heißt, er durfte den Geistlichen bestimmen.

Nach Isbrants Tod teilte die Witwe die beiden Höfe unter den Töchtern Adelheid und Christine. Christine erhielt Haus Hamm und war mit Hermann von Portzen, einem Kölner Patrizier verheiratet, der noch 1493 auf Hamm lebte. Ein Ehevertrag für Adelheid von 1463 belegt, dass ursprünglich wohl mehrere Strümper Höfe zum Haus Hamm gehörten, nämlich die Güter Hinnenberg, Keyartz und up der Beke.

Von den acht Kindern des Hermann von Portzen und Christine van Swalmen erhielt der älteste Sohn, Winand, den Rittersitz Hamm als Heiratsgut zugesprochen. Er ehelichte 1486 Agnes Lendrichusen, die ebenfalls dem Kölner Patriziat entstammte, und war zumindest einige Zeit Sekretär des Grafen von Moers. Damals gehörten zum Haus Hamm 125 Morgen Land, Busch und Hochwald. Der Sitz war ein Freigut, von dem keine Abgaben zu zahlen waren. Nach Winand von der Portzen erbte vor 1542 seine Tochter Christina Hamm. Sie war mit Rutger von Backum auf Haus Latum verheiratet, dessen Familie als Besitzer beider Güter bereits bekannt war. Damit schließt sich der Kreis.

(RP)