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Prozess um Meerbuscher: Spritztouren mit Luxus-Autos der Kunden

Prozess um Meerbuscher : Spritztouren mit Luxus-Autos der Kunden

Die Meerbuscher Inhaberin eines Auto-Services am Flughafen und drei Mitarbeiter sind angeklagt, Kundenautos für Privatfahrten genutzt zu haben. An einem Wagen entstand ein 20.000-Euro-Schaden

Als Serientäter sollten sich die 40-jährige Meerbuscher Inhaberin eines speziellen Auto-Services am Flughafen sowie drei ihrer Mitarbeiter (46/43/24) gestern vor dem Amtsgericht verantworten. In einer Vielzahl von Fällen sollen sie Kundenautos, die am Flughafen eigentlich nur geparkt und vor der Heimkehr des verreisten Kunden gewaschen werden sollten, illegal für ihre Privatfahrten genutzt haben. Mit einem der Luxus-Wagen gab es sogar einen schweren Unfall. Aus bisher 20 Strafanzeigen gegen die Firma bringt die Staatsanwaltschaft derzeit die neun eklatantesten Fälle zur Anklage. Da die Tatverdächtigen jedoch von Geständnissen weit entfernt sind, wurde der Prozess unterbrochen und soll demnächst neu aufgerollt werden.

Eigene Adresse im Navi eingegeben

Kunden jenes Betriebes glaubten, ihre Fahrzeuge seien bei den Angeklagten in guten Händen. Deren Service versprach nämlich, die Autos in Flughafennähe auf bewachtem Gelände zu parken und den Kunden die hochwertigen Wagen frisch gewaschen nach der Rückkehr wieder auszuhändigen. Tatsächlich, so die Anklage, trieb das Quartett aber Schindluder mit den Kundenfahrzeugen. Privatfahrten zur Bank oder zum Brötchenholen sollen die Angeklagten mit den anvertrauten Wagen erledigt haben. Ein Kunde — Besitzer eines VW-Phaeton — habe festgestellt, dass während seiner Reise unerlaubt knapp 2000 Kilometer mit seinem Wagen zurückgelegt worden seien. Er hatte seinen Wagen im Winter 2010/11 mehrere Wochen lang im Flughafen-Parkhaus abgestellt. Einer der Täter soll gar seine Wohnadresse in ein Kunden-Navi eingegeben haben.

Die Anklage geht von einem Tatzeitraum zwischen Oktober 2010 und August 2011 aus. Im Juli 2011 soll der 24-jährige Angeklagte einen teuren Audi-Quattro einem Kumpel überlassen haben, der damit prompt auf der Grafenberger Allee in Düsseldorf bei überhöhter Geschwindigkeit einen Unfall mit 20 000 Euro Sachschaden baute. Laut damaliger Aussage der Polizei hatte der Unfallfahrer die Kontrolle über den Audi verloren. Dieser schleuderte über die Fahrbahn und den Grünstreifen und riss am Fahrbahnrand sieben rot-weiße Begrenzungspfähle um. Fahrer und Beifahrer blieben unverletzt. Der Unfallfahrer muss sich in einem gesonderten Verfahren verantworten.

Ein anderer Kunde des Auto-Services bemerkte nach der Heimkehr, dass die linke Seite seines Wagens neu lackiert war. Die Angeklagten sollen in solchen Fällen "Missverständnisse" eingeräumt oder eine illegale Nutzung der Kundenfahrzeuge angeblich "schwarzen Schafen" im Betrieb zugeschrieben haben.

Inzwischen liegt der Staatsanwaltschaft aber auch eine weitere, aktuelle Anzeige gegen jene Firma vor. Zum Neustart des Prozesses im April will das Gericht dann 26 Zeugen vorladen, vor allem ehemalige Kunden.

(RP/ila/top)