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Meerbusch: Sprachrohr der Behinderten

Meerbusch : Sprachrohr der Behinderten

Der Sozialausschuss der Stadt wählte Dr. Lothar Chaillie hinter verschlossenen Türenzum ersten Meerbuscher Behindertenbeauftragten. Am 1. Januar tritt er sein neues Ehrenamt an.

In wenigen Tage soll Dr. Lothar Chaillié sein neues Ehrenamt antreten. Gestern trafen sich der Mediziner und seine beiden Stellvertreter Monika Steinnagel-Grubert und Christian Hendricks mit Sozialdezernentin Angelika Mielke-Westerlage zu einem Vorbereitungsgespräch. Am 1. Januar soll der erste Behindertenbeauftragte in der Geschichte der Stadt Meerbusch seine Arbeit aufnehmen.

Die Mitglieder des Sozialausschusses der Stadt haben sich einstimmig für das Trio ausgesprochen. Hinter verschlossenen Türen haben sich die Drei den Kommunalpolitikern vorgestellt. Die Kandidaten sind auf Empfehlung der Wohlfahrtsverbände angesprochen worden. Der Rat hatte sich schon vor ziemlich genau einem Jahr dafür ausgesprochen, einen Behindertenbeauftragten zu wählen, um die Erfordernisse aus dem Gleichstellungsgesetz in Planungsfragen und im Alltag besser realisieren zu können. Die entsprechende Satzung wurde im Dezember 2009 im Meerbuscher Amtsblatt bekannt gemacht.

Dr. Chaillié begründete seine persönliche Motivation damit, dass er bei vielen Reisen in Nah und Fern habe feststellen müssen, dass ein großer Teil der sicher gut gemeinten Planungen an den tatsächlichen Bedürfnissen insbesondere von Rollstuhlfahrern vorbei gehe. Der in Lank-Latum praktizierende Arzt, der selbst auf den Rollstuhl angewiesen ist, erlebt Meerbusch als eine im Umgang mit Behinderten und älteren Menschen offene Stadt. Die auch hier bestehenden Unzulänglichkeiten beruhten daher eher auf Unkenntnis und Gedankenlosigkeit, glaubt der Mediziner.

Mit der frühzeitigen Einbindung von Chaillié, Hendricks und Steinnagel-Grubert sollen die Bedürfnisse der Behinderten in den politischen Zielen und Prozessen besser berücksichtigt werden. Das Trio hat laut Satzung einige besondere Rechte. Unter anderem darf der Behindertenbeauftragte auch an den nicht-öffentlichen Sitzungen des Rates und seiner Ausschüsse teilnehmen. Er ist nicht weisungsgebunden und übt seine Mittlerfunktion zur Stadtverwaltung grundsätzlich nur gegenüber dem Bürgermeister aus. In regelmäßigen Sprechstunden in einem renovierten Raum im Gebäude der Wirtschaftsbetriebe Meerbusch (altes Osterather Rathaus) will Chaillié den Kontakt zu den Betroffenen halten und in vertraulichem Gespräch beraten. Den Kommunalpolitikern muss er einmal jährlich einen Bericht über seine Tätigkeit erstatten. Die Amtsdauer des Behindertenbeauftragten ist identisch mit der Dauer der Wahlperiode des Stadtrats.

(RP)