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Meerbusch: Spielen wie ein Rockstar

Meerbusch : Spielen wie ein Rockstar

"Bloß kein Klavier": Der siebenjährige Caspar Krebs weiß genau, was er will. Er will Gitarre spielen, ganz vorne auf der Bühne stehen. So cool wie ein Rockstar. Und später muss es eine E-Gitarre sein.

Doch noch über Caspar mit einer Dreiviertelgitarre, die er im vergangenen Jahr zu Weihnachten bekommen hat. Fast hätte er unterwegs aufgegeben. Den ersten Unterricht hat er in einer öffentlichen Musikschule bekommen — in einer kleinen Gruppe. "Der Lehrer hat nicht gut erklärt, viel kritisiert", berichtet der Siebenjährige. "Dann hatte ich auch keine Lust mehr, zu üben."

"Es hat ihm keinen Spaß mehr gemacht", berichtet auch Mutter Sophie Krebs, die selbst Klavier spielt. "Wir haben die Schule gewechselt. Dann hat's geklappt." In der neuen, privaten Musikschule bekommt Caspar Einzelunterricht. "Der Lehrer ist cool, hat einen Zopf und spielt auch selbst in der Band", sagt der junge Nachwuchsmusiker. "Und genau das will er auch. "In einer Band spielen. Am liebsten würde er aus seiner Familie schon einmal probeweise eine Band arrangieren.

Die Voraussetzungen wären gut. Bruder Julius (14) hat ein Jahr Unterricht am Schlagzeug hinter sich. Auch das gab es im vergangenen Jahr zu Weihnachten. "Das habe ich mir gewünscht", sagt Julian. Zur Probe hat er vorher ein paar Wochen Unterricht genommen. "Ein Schlagzeug ist schon eine größere Investition", weiß er. Die ganze Familie habe etwas beigesteuert. "Ein Schlagzeug kann man nicht wie ein Klavier auch zur Dekoration benutzen", findet er.

Er hat ein Zimmer im Keller des Familienhauses, zwei Türen schützen die anderen vor den lauten Tönen. Julius besucht zurzeit ein Internat in England. "Auch dort spiele ich weiter. Einmal in der Woche habe ich Unterricht", sagt er. "Und es macht tierisch viel Spaß." Das liege auch an den Lehrern — sowohl daheim in Meerbusch, als auch an der Taunton School in Summerset.

Gerd Vasen, der gemeinsam mit dem Gitarristen Christian Petrich die Musikschule MusicArt in der Alten Seilerei leitet, weiß, wie wichtig es ist, auf Wünsche der Kinder zu hören. "Wenn Kinder spontan Wünsche äußern, dass sie ein bestimmtes Instrument spielen wollen, dann passt das meistens auch", sagt er. Eltern sollten kein Instrument verordnen oder unnötigen Leistungsdruck aufbauen. "Das geht meist daneben", weiß er. Und die Kinder verlieren die Lust. Vor allem, sollte man die Kinder nicht mit dem neuen Instrument allein lassen. Es gebe zwar gute Lehr- und Lernbücher oder auch CDs. "Aber da schleifen sich schnell Fehler ein, die niemand korrigiert" so Vasen. Unterricht motiviert anders,vor allem, wenn es sich um ausgebildete Musiker als Lehrer handelt, die selbst ein Instrument spielen und von Banderfahrung berichten können. Da springt der Funke über. Familie Krebs hat in seinen Augen alles richtig gemacht.

(RP/rl)