SPD Meerbusch diskutierte mit Fachleuten Mobilität der Zukunft

Diskussion : Wie Meerbusch in Zukunft mobil bleiben kann

SPD Meerbusch diskutierte mit Experten über eine zukunftsfähige Mobilität. Noch scheitern Ideen an fehlender Entschlusskraft.

Staus auf dem Weg nach Düsseldorf, Stop-and-go auf der Autobahn, überfüllte Stadtbahnen, aber wenige Menschen, die mit dem Fahrrad unterwegs sind. So stellt sich die morgendliche Verkehrssituation in und um Meerbusch dar. Doch muss Mobilität so sein? Wie kann Mobilität verändert und zukunftsfähig werden, um Lärm, Abgase und Staus zu vermeiden? Das war die zentrale Frage einer Veranstaltung der SPD-Meerbusch, zu der die Vorsitzenden Nicole Niederdellmann-Siemes und Christina Borggräfe Fachleute und Politiker eingeladen hatten.

Carsten Löcker, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Klaus Klar, Vorstandsvorsitzender der Rheinbahn, Matthias Herz, Mitglied im Verkehrsausschuss der Stadt Düsseldorf, und Andrea Blaum von der BUND-Ortsgruppe Meerbusch waren sich darin einig, dass die langjährige Bevorzugung des Autoverkehrs nicht zukunftsfähig sei. „Ein Fünftel des in Deutschland ausgestoßenen CO2 geht auf das Konto des Autoverkehrs“, informierte Niederdellmann-Siemes. Man müsse neue Ansätze finden, um den Umweltschutz zu stärken und die Luft zu verbessern. Wie könne man umsteuern? Auch in Meerbusch? Wie Wahlmöglichkeiten attraktiver machen? Das seien die Fragen, die auf den Nägeln brennen.

Die Automobil-Lobby und die eigene Bequemlichkeit seien jedoch starke Gegner. „Der Platz in den Städten ist begrenzt. Wir müssen ihn neu aufteilen“, forderte Löcker. Doch einfacher gesagt als getan. Neue, griffige Ideen gab es zu diesem komplexen Thema nicht. Allerdings würde es schon reichen, wenn einige der diskutierten Maßnahmen auch wirklich angepackt würden.

Der Blick richtete sich dabei besonders auf den öffentlichen Nahverkehr, der jahrelang vernachlässigt wurde. „Wir brauchen eine Verdichtung der Takte und eine Verlängerung der Strecke der U74“, forderte Blaum. Um die Finanzierung der Rheinbahn zu verbessern, könne sie sich vorstellen, dass jeder, der morgens in die City will, ein Ticket kaufen müsse, unabhängig davon, ob er es nutze. Diese Nahverkehrsabgabe könnten die Firmen für ihre Angestellten übernehmen. Wegen fehlender Finanzierung in den vergangenen Jahren fahre die Rheinbahn heute am Limit, informierte Klar. Für das Jahr 2020 seien jedoch 18 weitere Bahnen bestellt, so dass einige Linien verdichtet und auch samstags eine Taktung wie an den Wochentagen realisiert werden könne.

Um die Menschen auf die Schiene zu bekommen, seien zudem größere Parkplätze oder -häuser an der Peripherie notwendig. In den Niederlanden klappe das hervorragend, ergänzte Löcker. „Doch der Ticketpreis muss stimmen“, forderte Niederdellmann-Siemes. Für Meerbusch, das in zwei Waben läge, sei der Preis viel zu hoch. Sie schlug zudem vor, dass Schnellbusse auch auf dem Standstreifen der Autobahn fahren dürften. „Wir müssen mutig sein und mehr Geld in den ÖPNV investieren“, unterstrich Löcker.

Er forderte außerdem, dass Radwege breit, rot und beleuchtet sein müssten, damit Berufstätige auch aus Meerbusch aufs Rad umsteigen. Er könne sich gut vorstellen, dass mehr Fahrradstraßen angelegt werden. „Das Fahrrad darf nicht dem Auto untergeordnet werden“, meinte er. „Umweltspuren sind eine gute Sache“, unterstrich der Rheinbahnchef.

Ohne dass man den Autofahrern weh tue, gehe es nicht, sagte auch Herz. Man müsse klare Kante zeigen. Höhere Parkgebühren in Parkhäusern, höhere Bußgelder für Parker in zweiter Reihe und eine Umverteilung der Gelder vom Individual- auf den Öffentlichen Nahverkehr seien dringend geboten. Ebenso müssten Car-Sharing, E-Scooter und E-Bikes ein Thema sein. Doch in den Köpfen der Bürger müsse gleichfalls ein Umdenken einsetzen, so Herz. Ohne einen gesellschaftlichen Konsens gehe es nicht. Allerdings auch nicht ohne Verbote und gesetzliche Regelungen.

Mehr von RP ONLINE