Meerbusch: Skandal in St. Pauli

Meerbusch: Skandal in St. Pauli

Die in Büderich lebende Künstlerin Johanna Rzepka stellt die ehemalige Porno-Darstellerin Dolly Buster in deren Rolle als Malerin bei der Vernissage auf der Reeperbahn bloß. Vom Tonband spielte sie Schafblöken und Pornogestöhne ab. An Halsbändern führte sie gleich zwei "Klon-Schafe" mit Namen Dolly spazieren.

Johanna Rzepka weiß in Sachen Kunst, worüber sie spricht. Die in Büderich lebende 30-Jährige hat an der Staatlichen Kunstakademie bei Malerfürst Jörg Immendorf studiert und ist Meisterschülerin von Professor Gerhard Merz. Sogar Akademie-Direktor Dr. Markus Lüpertz hat ein Bild der in Gleiwitz geborenen Malerin gekauft. "Ich habe mich fürchterlich geärgert, dass Frau Buster sich als Künstlerin ausgibt und für ihre Bilder gut 10.000 Euro verlangt", sagt Johanna Rzepka. Sie habe Dolly Buster bei eine ihrer Ausstellungen kennen gelernt. "Da war sie ganz nett, und so habe ich ihr anschließend Malunterricht gegeben, saß mit am Tisch, als ihre Ausstellung geplant wurde", erklärt sie.

Im Café Keese in St. Pauli war es nun so weit. Doch die Schau lieferte Johanna Rzepka. Vom Tonband spielte sie Schafblöken und Pornogestöhne ab. An Halsbändern führte sie gleich zwei "Klon-Schafe" mit Namen Dolly spazieren. "Die habe ich mir bei einem Schäfer in Hamburg ausgeliehen", erzählt die junge Frau. "Das war gar nicht so einfach."

Zutritt verweigert

Bei der Gesellschaft im Café Keese kam die Performance der Künstlerin mit Atelier in Düsseldorf an der Ackerstraße nicht so gut an. Ein Türsteher verweigerte ihr den Zutritt zur Ausstellung. Dafür fanden es diverse Boulevard-Formate der privaten Fernsehsender umso amüsanter und widmeten Johanna Rzepka ausführliche Beiträge. "Sogar das Nachrichten-Magazin Spiegel hat angerufen", erzählt die werdende Mutter.

  • Handball-Spitzenspiel beim Meerbuscher HV : Niederlage in der letzten Sekunde

Für ihren Ausflug auf die sündige Meile der Hafenstadt Hamburg habe sie schon zahlreiche Rückmeldungen auch aus der Düsseldorfer Kunstakademie bekommen. Dort werde ihr Vorpreschen nicht ohne Schmunzeln anerkannt. "Nur weil Frau Buster ein paar Mal durch die Kunstakademie getrippelt war, ist sie noch lange keine Akademie-Studentin", meint Johanna Rzepka. Und auch über die künstlerische Begabung der früheren Dschungelcamp-Bewohnerin hat die Trägerin des Kaiserswerther Kunstpreises eine deutliche Meinung: "Sie kann es einfach nicht."

Das sieht Dolly Buster naturgemäß etwas anders. Sie sei bereits mehrfach mit Andy Warhol verglichen worden, berichtete sie in einem Interview. Eine Karriere als Malerin sei ihr nur knapp verwehrt geblieben. Der Weg zur Kunstschule war zu weit, hätte sie in ihrer Kindheit quer durch Prag geführt, berichtete Katja-Nora-Bochnickova, wie Dolly Buster zu der Zeit noch hieß.

Rechtliche Schritte

Wie's weitergeht weiß auch Johanna Rzepka im Moment noch nicht. Schließlich habe Dolly Buster öffentlich angekündigt, eventuell rechtliche Schritte einzuleiten.

(RP)
Mehr von RP ONLINE