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Sie leben in Meerbusch und stellen Silvester-Bräuche aus ihrer Heimat vor

Jahreswechsel in Meerbusch : Meerbuscher und ihr Silvester in der Heimat

Sie stammen aus Russland, Japan und Irland, aus Spanien, Frankreich und Italien. Hier erzählen sie von einigen Bräuchen zum Jahreswechsel, so wie sie in ihren Heimatländern üblich sind. Dabei wird viel gesungen und gegessen.

Andere Länder – andere Sitten. Dieses Sprichwort trifft auf den Jahreswechsel besonders zu. Weltweit werden in diesem Jahr zwar die Feiern rund um Silvester und Neujahr aufgrund der Pandemie heruntergefahren. Trotzdem behalten die vielfältigen Silvesterbräuche ihre Bedeutung. Sie unterscheiden sich von Land zu Land oder von Religion zu Religion und werden häufig von anderen belächelt. Dabei haben viele der Rituale einen tiefen Sinn – auch wenn sie meist auf Aberglauben beruhen. Meerbuscher Bürger berichten hier, wie Silvester in ihrer Heimat gefeiert wird.

Beispielsweise wird in Irland für ein im Laufe des vergangenen Jahres verstorbenes Familienmitglied ein Platz am Tisch gedeckt. „Und die Tür bleibt unverschlossen, damit der Geist eintreten kann“, berichtet Deirdre Keane. Die in Büderich lebende Irin weiß auch, dass traditionell – in Pubs, bei Nachbarn oder zuhause - gemeinsam mit einem Countdown bei einem „sláinte“ als Toast auf die Gesundheit „Auld Lang Syne“ gesungen und sich im großen Kreis an den Händen gefasst wird: „Zur Erinnerung an Freunde und Bekannte.“

 Yurie Takagi mit japanischen Weihnachtsgrüßen. Während des Studiums hat die Meerbuscherin den Jahreswechsel in Japan erlebt.
Yurie Takagi mit japanischen Weihnachtsgrüßen. Während des Studiums hat die Meerbuscherin den Jahreswechsel in Japan erlebt. Foto: Bretz, Andreas/Bretz, Andreas (abr)

In Spanien gehört am letzten Tag des Jahres ein Essen in großer Runde auf jeden Fall dazu. „Da wird richtig gefeiert“, erzählt Primo Lopez. Die Gäste des in Meerbusch lebenden Gastronomen bekommen in den von ihm geführten Restaurants in der Düsseldorfer Altstadt – und bis 2013 auch im Büdericher Landsknecht - um Mitternacht nicht nur ein Glas Champagner, sondern auch ein Tütchen mit zwölf gewaschenen Trauben serviert. Zu den einzelnen Uhrschlägen wird jeweils eine in den Mund gesteckt: „Bei jeder Traube, die immer für einen Monat steht, darf man sich etwas wünschen. Dieses Ritual bringt Glück. Danach wird getanzt.“

Gemeinsames Speisen spielt auch in Russland eine wichtige Rolle. „Der Tisch ist mit vielen Gerichten reichlich gefüllt. Es gibt nostalgische Gerichte aus der Sowjetzeit von 1922 bis 1991 – eine große Anzahl von Salaten mit sehr viel Mayonnaise. Kalorienzählen ist Silvester verpönt,“ weiß Ekaterina Moré zu berichten. Die Künstlerin ist in Russland geboren, seit 1996 in Deutschland und lebt in Büderich. Sie erinnert daran, dass in ihrer Heimat Silvester das neue Jahr des Tieres nach dem chinesischen Kalender gefeiert wird: „2021 ist das Jahr des weißen Büffels. Jeder sollte kleine Tierfiguren in dem mit passenden Farben geschmückten Haus haben. Das gilt als glücksbringend.“

 In Ciro Cinques Heimat Italien gibt es Silvester keine Spaghetti, sondern Linsensuppe.
In Ciro Cinques Heimat Italien gibt es Silvester keine Spaghetti, sondern Linsensuppe. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Glück bringen auch andere Traditionen. In Italien beispielsweise wird um Mitternacht „Lenticchie con Zampone“ gegessen: „Das ist eine Linsensuppe mit gefüllten Schweinsfüßen“, erklärt Ciro Cinque, der in Sorrento geboren ist und in Lank-Latum das Restaurant „Cinque Pomodori“ betreibt. Er weiß, dass die Linsensuppe Reichtum und Glück verspricht: „Je mehr Linsen im Bauch, desto mehr Münzen verdient man.“ In diesem Jahr verbringt die Familie den Jahreswechsel in Lank-Latum: „Gefeiert wird bei uns auf jeden Fall. Denn am 1. Januar hat meine Frau Zofia Geburtstag.“

In Frankreich steht in vielen Familien am ersten Januar ein gemeinsames Essen im Mittelpunkt. Silvester allerdings wird meistens mit Freunden gefeiert. „Aber auch dazu gehören besondere Gerichte wie Austern, Meeresfrüchte, Entenstopfleber, Truthahn oder Kapaun mit Maronen. Meistens wird bis Mitternacht oder länger gegessen, oft mit Tanzpausen. Und dann gibt’s Champagner“, erklärt Eric Ligen, Vorsitzender des Partnerschaftskomitees Fouesnant-Meerbusch.

Yurie Takagi, Vorsitzende des Freundeskreis Meerbusch-Shijonawate, hat während ihrer Studentenzeit in Japan das traditionelle Neujahr miterlebt. Sie erinnert sich, dass kurz vor Mitternacht die Musiksendung „Kohaku Uta Gassen“ angesehen und zuvor „Toshikoshi-Soba“ ein Gericht aus Buchweizennudeln gegessen wird: „Am Neujahrstag versammelt sich die Familie festlich gekleidet. Schon Tage zuvor wird ‚Osechi-ryori‘ zubereitet, das kalt in mehrstöckigen Schachteln serviert wird. Dazu wird mit ‚O-toso‘, einem gewürzten Sake auf ein langes Leben getrunken.“ Besonders interessant findet Yuri Takagi, dass das neue Jahr in Japan an mehreren Tagen mit vielen unterschiedlichen Bräuchen für Glück, Harmonie und Gesundheit gefeiert wird.