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Meerbusch: Seniorenwohnpark wirft Heimaufsicht Befangenheit vor

Meerbusch : Seniorenwohnpark wirft Heimaufsicht Befangenheit vor

Der zuständige Regionalleiter der Marseille-Kliniken erklärt: "Es gibt keine Pflegemängel, die eine Schließung rechtfertigen würden"

Gestern hat der Rhein-Kreis Neuss kurzfristig zu einer Pressekonferenz für heute Mittag eingeladen. Der Kreissozialdezernent und Marcus Mertens von der Heimaufsicht des Rhein-Kreises Neuss wollen dort "über die nunmehr eingeleiteten Maßnahmen gegen den Betreiber der Altenpflegeeinrichtungen in Meerbusch-Strümp informieren".

Die Heimaufsicht hatte bei Begehungen im Seniorenwohnpark Meerbusch und dem Heim Medina schwere Pflegemängel festgestellt, der Medizinische Dienst der Krankenkassen hatte im jüngsten veröffentlichten Transparenzbericht Pflege und medizinische Versorgung mit mangelhaft bewertet. Bereits seit Ende 2012 gilt ein Aufnahmestopp in den beiden Einrichtungen, die zum Konzern Marseille-Kliniken gehören.

Ralph Irrgang ahnt, was die Heimaufsicht heute mitteilen wird: "Ich gehe davon aus, dass die Schließung der beiden Einrichtungen verkündet wird." Irrgang ist der für NRW zuständige Regionalleiter der Marseille-Kliniken AG. Er räumt ein: "Wir hatten in den beiden Heimen ein großes Leitungsproblem – und auch Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden." Seit 1. Mai sei ein neuer Heimleiter gefunden. "Die Änderungen im Personalbereich gehen langsamer voran, als wir uns das erhofft haben." Mittlerweile seien keine Leiharbeiter mehr in den Häusern in Strümp beschäftigt. "Seit elf Tagen helfen Mitarbeiter aus anderen Häusern des Marseille-Konzerns wochenweise oder auch für drei Monate aus." Längerfristig sollen Pflegefachkräfte aus Portugal und Spanien in Strümp eingesetzt werden. "Sie sind jetzt schon stundenweise als Pflegehilfskräfte in den Häusern eingesetzt, machen nebenbei ihren Deutsch-Sprachkursus." Insgesamt 80 Pflegefachkräfte aus südlichen EU-Ländern habe der Konzern eingestellt, 13 sollen voraussichtlich von Oktober an im Seniorenwohnpark und dem Medina arbeiten.

Irrgang betont: "Die Knappschaft hat uns bestätigt, dass es keine Mängel gibt, die eine Schließung rechtfertigen würden." Dem Kreis macht Irrgang schwere Vorwürfe. "Wir haben den Eindruck, dass man uns benutzt, um politisch Kapital zu schlagen." So seien bei einer Begehung der Einrichtungen durch die Heimaufsicht vier Sachverständige dabei gewesen, die Einrichtungsleiter von direkten Mitbewerbern der Marseille-Kliniken seien, darunter zwei aus Häusern der St.-Augustinus-Gruppe.

Der Geschäftsführer der Medina Meerbusch GmbH, Dietmar Wopen, beantragte gestern Nachmittag, Heimaufseher Mertens wegen Befangenheit vom laufenden Verfahren auszuschließen. "Herrn Mertens Schwiegermutter soll sich als Bewohnerin in einer Einrichtung der St.-Augustinus-Kliniken befinden. Auch für den objektiven Betrachter besteht zumindest die Besorgnis der Befangenheit."

Im Zusammenhang mit der drohenden Schließung des Seniorenwohnparks und des Heims Medina in Meerbusch-Strümp ist der heutigen Ausgabe von RP-online zu entnehmen, dass die Knappschaft bestätige, "dass es keine Mängel gibt, die eine Schließung rechtfertigen würden".

Die Knappschaft als zuständige Pflegekasse stellt klar, dass sie diese Aussage zu keinem Zeitpunkt getroffen hat und dementiert das Zitat des Regionalleiters der Marseille-Kliniken AG, Ralph Irrgang, ausdrücklich, so Pressesprecher Wolfgang Buschfort.

(RP)