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Meerbusch: Schutzpatron der Kinder

Meerbusch : Schutzpatron der Kinder

Seit September 1997 steht der Nikolaus-Brunnen von Wilhelm Hable auf dem Kirchplatz in Osterath. Für die meisten gehört er einfach ins Ortsbild. Wir haben Pfarrer Norbert Viertel nach den Hintergründen gefragt.

osterath Die Nikolaus-Skulptur auf dem Kirchplatz in Osterath gibt viele Fragen auf. Vor allem diese eine: Was machen die drei Kinder in einem Trog, und was hat der Heilige mit ihnen zu tun? "Für Kinder ist der Nikolaus ein Anziehungspunkt", sagt Liesel Sperlings (63) aus Osterath. "Der Nikolaus holt die Kinder ran", interpretiert Helena Deimel (42) die Skulptur nach genauerem Hinsehen. Für sie gehört der Brunnen einfach zum Erscheinungsbild des Platzes. Welcher Sinn, welche Geschichte sich dahinter verbirgt? "Keine Ahnung", sagt auch Heike Mauermann (47).

Etwas ausführlicher setzt sich Friedhelm Meuter (71) mit der Bronzeskulptur vor der Nikolaus-Kirche auseinander, fixiert sie. "Eine symbolische Darstellung", tastet er sich an die Bedeutung heran. "Der heilige Nikolaus beschützt Kinder", sagt er. "Modern in der Ausführung", befindet er fachmännisch.

Wer hat's gemacht?

Wer die große Skulptur geschaffen hat, weiß ebenfalls keiner der spontan Befragten.

Pfarrer Norbert Viertel hat sich schlaugemacht. "Die Skulptur ist von dem Osterather Künstler Wilhelm Hable gefertigt worden", sagt Viertel. Er hat den vor zwei Jahren Verstorbenen noch persönlich gekannt. "Er kam regelmäßig in die Gottesdienste", so Viertel, der täglich auf dem Weg ins Gemeindebüro an einem Nikolaus aus Holz vorbeigeht – einer weiteren Skulptur, die Hable ebenfalls kreiert hat. Eigentlich war Holz auch das Lieblingsmaterial des Osterather Künstlers, der an der Kunstakademie Düsseldorf die Bildhauerklasse geleitet hat. Ein Huhn aus Robinie, ein Bilch (Schlafmaus) aus Sanddorn, ein Schimpanse aus Nussbaum oder ein Liebespaar aus Platanenholz gehauen, sind im Katalog des Künstlers zu sehen.

Die Legende war ein Schock

Bronze, wie er sie für den großen Nikolaus-Brunnen vor der Kirche verwendet hat, findet man im Lebbenswerk des Künstlers seltener. "Das war vermutlich die Bedingung, die der Meerbuscher Kulturkreis an die Kunst im öffentlichen Raum gestellt hat", vermutet Erich Dohr (77), der die Geschichte der Skulptur als Mitglied des Kirchenvorstands der St.-Nikolaus-Gemeinde verfolgt hat.

Die Legende, die Hable zur Grundlage seiner Skulptur verwendet hat, hat ihn schockiert. Daran erinnert er sich noch gut. 1996 stellte Hable sie in der Nussschale vor – die Geschichte von den gepökelten Kindern, die der Heilige Nikolaus wieder zum Leben erweckte. "Warum hat er ausgerechnet diese Szene ausgesucht?", fragt Dohr noch heute. "Man hätte doch die schönere, von der Rettung der Kinder aus dem Fluss nehmen können", findet er. Auch Viertel hat seine Schwierigkeiten mit der Version. "Aber es ranken sich viele Legenden um die Gestalt des Nikolaus", weiß er.

(RP)