Meerbusch: Schulklasse verschwindet im Toten Winkel

Meerbusch: Schulklasse verschwindet im Toten Winkel

Verkehrssicherheitsberater der Polizei zeigten gestern Grundschülern in Büderich, wie gefährlich der Tote Winkel im Straßenverkehr werden kann. Und sie verrieten, wie die Kinder den Lkw-Fahrern helfen können

Der "Timo Truck" war gestern der Blickfang auf dem Dr.-Franz-Schütz-Platz. "Voll cool", freuten sich die Viertklässler der St.-Mauritius-Schule und der Brüder-Grimm-Schule, als sie den rund 16 Tonnen schweren Lkw sahen. Und es wurde sogar noch besser: Nach kurzer Begrüßung durch die Transportbotschafter und die Verkehrssicherheitsberater der Kreispolizei Neuss durften sie sich selbst ans Steuer setzen — aber nicht nur zum Spaß, sondern um ein Problem kennenzulernen, das den Truckern im Alltag große Aufmerksamkeit abverlangt: der Tote Winkel.

Auf dem kleinen Übungsgelände können die Experten gleich mehrere Verkehrsszenarien realistisch nachstellen: Unmittelbar vor dem Kühlergrill des Boliden steht eine Puppe in Kindergröße, hinter dem Lkw ein kleiner Lastwagen. Links und rechts neben dem Truck markieren rote Streifen auf dem Boden den Toten Winkel. Genau dort stellen sich die Klassen auf, während ein Schüler in der Fahrerkabine Platz nimmt.

Der neunjährige Dominik ist der Erste aus der Klasse, der sich als Trucker versuchen möchte. Am Steuer nimmt er sich zunächst genug Zeit, um die vielen Knöpfe und das schicke Funkgerät zu begutachten. Dann fragt ihn Hauptkommissar Herbert Klinder: "Und, siehst Du Deine Mitschüler?" Dominik schaut sich verwundet um und antwortet: "Nö!" Wie sieht's mit dem zweiten Fahrzeug hinter dem Lkw aus oder mit der Puppe vor der Motorhaube? "Nö, auch nicht!"

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Die anfängliche Faszination von dem Truck weicht plötzlich dem "Aha-Effekt" — und genau das ist der Sinn der Übung.

Die Schüler sollen selbst merken, wie schwierig es für einen Lkw Fahrer sein kann, den Überblick zu behalten und andere Verkehrsteilnehmer nicht aus den Augen zu verlieren. "Besonders Kinder und Senioren sind nicht in der Lage, den Verkehr richtig einzuschätzen", sagt Hauptkommissarin Sabine Porrio. "Deshalb möchten wir den Teilnehmern mit diesem Praxisbeispiel den Toten Winkel leibhaftig vor Augen führen." Doch wie soll diese Demonstration einem Fußgänger helfen? Schließlich ist es doch der Fahrer, der die Verantwortung trägt, oder? "Die Kinder können dem Fahrer helfen, indem sie die von uns markierten Punkte vermeiden und somit nicht Gefahr laufen, im Toten Winkel zu verschwinden", sagt Markus Huebel, Fahrer des "Timo Trucks" und Mitglied der Transportbotschafter. "Manchmal ist nur ein wenig mehr Umsicht nötig." Auf der Straße war Huebel selbst schon in eine ähnliche Situation verwickelt. Beinahe hätte es einen Zusammenstoß mit einem Fahrradfahrer gegeben, den der Lkw-Fahrer im Seitenspiegel nicht sehen konnte. "Zwar ist glücklicherweise nichts passiert, aber das war eine Erfahrung, die man nicht so leicht vergisst." Ein Unfall mit einem Fußgänger sei für einige Fahrer ein traumatisches Erlebnis, das selbst erfahrene Trucker dazu bringen kann, den Beruf aufzugeben.

Auch Benedikt hat von seinem Praxistest viel gelernt. "Da muss man echt aufpassen", sagt der Viertklässler. "Mehr Spiegel wären auch nicht schlecht." Zum Schluss stellt er sich selbst noch einmal auf die rot markierte Stelle und erkennt, dass kein Sichtkontakt zum Fahrer möglich ist — Lektion gelernt. "Aber der Truck ist trotzdem cool", sagt er.

(RP)
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