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Meerbusch: Schulden in der Schule

Meerbusch : Schulden in der Schule

Die Verschuldung Jugendlicher und junger Erwachsener stieg in den vergangenen fünf Jahren drastisch an. der Umgang mit Geld wird zum Unterrichtsinhalt. Die Realschule nimmt sogar an einem Modellprojekt teil.

Immer mehr junge Menschen geraten in die Schuldenfalle. Seit 2005 registriert Creditreform im Rhein-Kreis Neuss eine Steigerung von 127 Prozent bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 20 Jahren. Innerhalb von zwölf Monaten kamen 1100 weitere junge Männer und Frauen zu den 3000 aus dem Jahr 2009 hinzu, die ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können.

"Wir nehmen die Problematik an unserer Schule nicht wahr", sagt Direktor Jörg Winterwerb vom Städtischen Mataré-Gymnasium in Büderich. Kein Wunder, Schulden seien nach wie vor ein Tabuthema, sagt Rainer Bovelet von Creditreform, die eine Analyse für den Großraum Düsseldorf erstellt hat. Zwar belegt Meerbusch von den 19 untersuchten Kommunen mit einer Gesamtschuldnerquote von 6,77 Prozent die beste Platzierung, dennoch musste etwa jeder fünfzehnte Meerbuscher entweder eine eidesstattliche Versicherung (früher Offenbarungseid) abgeben, oder er ist schon mehrfach erfolglos zur Zahlung einer Rechnung gemahnt worden.

In den weiterführenden Schulen ist die Problematik der Verschuldung von Jugendlichen mehr oder weniger intensiv Unterrichtsinhalt. In den beiden Gymnasien wird das Thema in den Politikstunden behandelt. Die Maria-Montessori-Gesamtschule nutze die Mathematikstunden, um zum Beispiel in der Zinsrechnung sich mit der Thematik zu befassen. "Manche überblicken die Folgekosten eines Darlehens nicht", beschreibt Schulleiter Klaus Heesen den pädagogischen Hintergrund.

Ganz tief in die Problematik sind die Jungen und Mädchen der 7. Klassen der Realschule in Osterath eingestiegen. Drei Jahre dauere der Modellversuch "Wirtschaft in der Realschule" des Landes Nordrhein-Westfalen, an dem die Meerbuscher Kinder teilnehmen. Konrektorin Jutta Packenius nennt Beispiele, mit denen sich die Jugendlichen unter der Überschrift "Auskommen mit dem Einkommen" beschäftigen werden.

Dabei gehe es nicht nur um den richtigen Umgang und die richtige Nutzung der Handys und der dazugehörenden vielfältigen Tarife mit all ihren Gefahren für den Kunden, sondern auch um differenzierte Betrachtungen von Werbestrategien. "Wir kümmern und um die verschiedenen Arten der Verführung zum Konsum, berichtet Jutta Packenius. Die Palette reiche von der Positionierung der Waren im Supermarkt bis hin zu den Strategien hinter den Werbebotschaften.

Im zweiten Halbjahr startet ein Wahlpflichtkursus in der Städtischen Hauptschule in Osterath. 18 Doppelstunden seien vorgesehen, um 15 Teilnehmern unter anderem beizubringen, wie sie richtig mit ihrem Taschengeld umgehen sollten, sagt Schulleiterin Ulrike Attenberger. Natürlich würden sie auch Anknüpfungspunkte in den Fächern Wirtschaftslehre und Mathematik nutzen, um die Schuldenthematik in den Unterrichtsstoff einzubinden.

(RP)