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Meerbusch: Schlaraffenland für Ratten

Meerbusch : Schlaraffenland für Ratten

Der Abriss der Gebäude auf dem früheren Ostara-Gelände in Osterath vertrieb Tausende der Tiere in die Nachbargärten. Speziell in Büderich finden die Nager große Mengen an Essensresten in der Kanalisation und in Grünstreifen.

Tausende von Ratten suchten sich in Osterath ein neues Zuhause, als die Abrissbagger aufs ehemalige Ostara-Firmengelände fuhren und ihre Arbeit begannen. Die Nager liefen durch Gärten und über Terrassen und ließen die empörten Nachbarn zuhauf zum Telefonhörer greifen, um sich beim Ordnungsamt zu beschweren. Davon weiß auch der städtische Wirtschaftsförderer Klaus F. Malinka. „Heiko Bechert und ich haben sofort mit dem Eigentümer der Entwicklungsfläche Kontakt aufgenommen“, berichtete er gestern. Bechert, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung der Stadtverwaltung, bestätigte im RP-Gespräch, dort sei ein „erheblicher Bestand an Ratten verdrängt worden“. Im Klartext: zig tausend Ratten flüchteten vor dem Lärm aus ihren Behausungen.

Überhaupt sind Ratten über Osterath hinaus in der gesamten Stadt ein Problem. Seit drei Jahren bemüht sich die Expertin Claudia Pottkämper von der Firma Hypec aus Bochum im Auftrag der Kommune darum, die Tiere zu beseitigen. „Dafür bekommen wir noch nicht mal ungeteilten Beifall“, wundert sich Bechert und berichtet von Drohungen wegen Tierquälerei und zerkratztem Autolack am Dienstfahrzeug.

200 000 Tiere in Meerbusch

Mehr als zehn Ratten pro Einwohner hatte Claudia Pottkämper im September 2005 für Meerbusch geschätzt. Ob es inzwischen nur noch 200 000 Tiere sind, wie Bechert meint, darf trotz der Anstrengungen bezweifelt werden. Er selbst sagt nämlich: „Durch den milden und trockenen Winter ist der Bestand nicht kleiner geworden. Kaum eine Ratte ist im Kanal ertrunken.“ Im Gegenteil, die Nager wurden insbesondere in Büderich bestens versorgt. Immer wieder würden Essensreste in der Toilette entsorgt, berichtet Arnd Römmler vom Ordnungsamt. „Das ist für Ratten natürlich das Schlaraffenland“, meint Claudia Pottkämper.

Info-Blätter in vielen Sprachen

Vor allem in der ehemaligen Böhlersiedlung und selbst an der Dorfstraße laufen die Ratten am helllichtem Tag durch Grünanlagen und über Bürgersteige. „Wir haben Kontakt mit den Hausverwaltungen aufgenommen, das öffentliche Grün zurückgeschnitten, Köderstationen an Hauswände gedübelt, damit die Edelstahlkästen nicht spurlos verschwinden“, berichtet Bechert über die Anstrengungen, das Problem in den Griff zu bekommen. „Wir haben ferne Info-Blätter in vielen Landessprachen verteilt“, sagt der Ordnungsamtschef.

Claudia Pottkämper hat inzwischen mit ihren Mitarbeitern rund 5000 Kanaldecker mit einem Farbpunkt markiert. Dort sind Köder in der Meerbuscher Unterwelt platziert, deren Gift zweierlei bewirken soll: Es hemmt die Blutgerinnung, so dass die Ratten nach der Speiseaufnahme mit Verzögerung innerlich verbluten, und es mumifiziert die Kadaver.

(RP)