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Meerbusch: Sättel für die Scheichs

Meerbusch : Sättel für die Scheichs

Der Osterather Dimitrios Georgoulas fertigt punzierte, mit Büffelleder bezogene Sättel für Motorräder und hat die ersten davon direkt nach Eröffnung seines Online-Shops bis nach Saudi-Arabien verkauft. Noch verdient er sein Geld als Barkeeper im Restaurant Olympia.

Dimitrios Georgoulas ist Barkeeper im griechischen Restaurant Olympia in Osterath. Dort steht er schweigend und stolz hinterm Tresen – groß, muskulös, die pechschwarzen Haare zum Pferdeschwanz gebunden, die Oberarme tätowiert. Der Motorradliebhaber und Fan von Metal-Musik verblüfft seine Chefin Lucia Hatzis immer wieder. Und sie kannte den 25-Jährigen schon als kleinen Spielgefährten ihres Sohnes. "Dimi ist ein Künstler", sagt sie – und ein erfolgreicher dazu.

Georgoulas arbeitet mit Leder und verkaufte nach Eröffnung seines Online-Shops in nur vier Wochen unter anderem seine selbst hergestellten und designten Sättel für Motorräder nach Saudi-Arabien, nach Griechenland, Portugal, Norwegen und innerhalb Deutschlands. Kunst ist seine Passion, schon als Schüler zeichnete er mit Bleistift und Kohle, nahm Unterricht bei einer Wuppertaler Künstlerin. Jahre später schraubte er mit genau so viel Interesse an seinem Moped herum. Diese beiden Vorlieben haben sich bei ihm festgesetzt. Aus dem Moped ist eine Harley-Davidson XL aus den 80ern geworden, und sein künstlerisches Interesse verbindet sich inzwischen mit traditionellem Handwerk. Was er macht, macht er gründlich. Seine Sättel für schwere Motorräder entwirft und produziert er in eigener Werkstatt. Selbst die Schale aus drei Millimeter dickem Stahl als "Basispfanne" schneidet und formt er nach eigenen Vorstellungen. "Beim Walzen, Erhitzen und in Form bringen hat mir der Osterather Kunstschmied Werner Jansen sehr geholfen, manchen Kniff verraten", berichtet der gebürtige Niederrheiner aus Emmerich.

Anschließend schneidet er dickes Rinds- oder Büffelleder zurecht, skizziert das Motiv mit einem Stift, um es danach mit einem Spezialmesser rund einen Millimeter tief herauszuschneiden. Mit kleinem Hammer und Mini-Meißel bekommt das Muster dann Leben eingehaucht, werden Akzente gesetzt, dann wird das Leder gewachst, gefärbt und immer wieder poliert, ehe es mit Schaumstoff unterlegt auf die Metallschale genäht wird.

"Heutzutage haben die meisten Motorräder eine Sitzbank und keinen Sattel. Das ist vor allem bei Chopper- oder Bobber-Maschinen in den USA ganz anders", sagt Georgoulas. Vielleicht stoße er deshalb mit seiner Arbeit hier so rasant in eine Lücke und auf ein solch großes Interesse, vermutet er. Neben den Sätteln gestaltet er Taschen, Armbänder, Gürtel und vieles mehr.

Darüber hinaus versteht es der Wahl-Osterather, seine Entwürfe und Produkte gut in Szene zu setzen. Auf einem alten Firmengelände in Düsseldorf in der Nähe der Metro fand er die richtige Umgebung, um eindrucksvolle Fotos mit schönen Frauen und schnellen Motorrädern zu schießen. Professionell gestylt von Friseur und Kosmetikerin präsentieren sich die Hobby-Models vor mit Graffiti besprühtem Mauerwerk.

Für die Zukunft peilt Georgoulas schon neue Ziele an. "Ich möchte die Airbrush-Technik lernen", sagte er. Wenn er die beherrsche, könne er Motorradtanks oder andere Oberflächen mit Motiven aus der Mythologie und der Antike verschönern. Die Geschichte der Götter und Helden faszinieren den Meerbuscher mit griechischen Wurzeln. Dieses breite Spektrum vermutet man nicht unbedingt, wenn man ihn still seine Arbeit im Olympia erledigen sieht.

(RP)