Meerbusch: Rote Hände erinnern an Kindersoldaten

Meerbusch: Rote Hände erinnern an Kindersoldaten

Osterather Realschüler gestalten mit roten Händen Bilder, die später nach Berlin in den Bundestag geschickt werden. Dort werden sie auf Wäscheleinen aufgehängt und machen auf das Schicksal von Kindersoldaten aufmerksam

Die Hände der Sechstklässler der Realschule Osterath sind rot - jedoch nicht von Blut, sondern es klebt Farbe an ihnen. Sie leben in einem Land, in dem es keinen Krieg und keine Kindersoldaten gibt. Um auf das Schicksal von Kindern in anderen Ländern aufmerksam zu machen, die in Kriegen kämpfen müssen, kam jetzt der Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling (CDU) nach Meerbusch. Anlass war der "Red Hand Day", der sich seit zehn Jahren in Deutschland gegen den Einsatz von Kindersoldaten in Konfliktherden wendet. Sein sichtbares Zeichen: rote Hände.

"Wir haben bereits 180 000 Plakate mit roten Händen hergestellt", erzählt Heveling. Jedes Jahr besucht er um den 12. Februar herum, dem offiziellen Datum des Red Hand Day, eine andere Schule in seinem Wahlkreis, spricht über sein Anliegen und bastelt mit den Schülern Papierblätter, die das Motto tragen "Deine Hand zählt: Kinder sind keine Soldaten."

Es macht den Kids sichtlich Spaß, in der roten Farbe zu matschen und ihr Blatt zu gestalten, das sie mit einem persönlichen Kommentar versehen können. "Das ist eine gute Aktion", findet Jan Noel. "Und ist nicht so langweilig wie sonst", ergänzt Karim verschmitzt.

Heveling ist ganz überraschend in die Klasse von Bettina Hesse-Degheili gekommen. Der normale Unterricht wird durch den lockeren Vortrag des Abgeordneten ersetzt, der für das schwere Schicksal von Kindern in anderen Regionen der Welt sensibilisieren will. "Es gibt derzeit rund 250 000 Kindersoldaten in 17 Ländern auf der Welt, besonders viele in Afrika", erzählt er. Sie werden aus ihrer Familie gerissen und müssen kämpfen. Oft werden sie mit Gewalt und Drogen gefügig gemacht. "In einigen Ländern werden Kinder sogar regulär in die Armee gezwungen", informiert Heveling. Myanmar gilt als das Land mit den meisten Kindersoldaten weltweit: Schätzungen gehen von mehreren Zehntausend Minderjährigen in der staatlichen Armee aus. Auch in Kolumbien gibt es bis zu 14 000 Kindersoldaten. Außerdem gilt dort für alle jungen Männer ab 18 Jahren die Wehrpflicht. Sie werden meist sofort in die heißen Konfliktgebiete geschickt, wo viele von ihnen sterben.

Nicht nur Jungen werden diesen Risiken ausgesetzt, schätzungsweise ein Drittel der Kindersoldaten sind Mädchen. Sie haben dieselben Aufgaben wie die Jungen zu erfüllen, sind aber zusätzlich sexueller Gewalt ausgeliefert und werden gezwungen, "Ehefrauen" der Offiziere oder sexuelle Sklavinnen zu werden. In der Klasse ist es mucksmäuschenstill, als der 42-jährige Korschenbroicher diese Fakten vorträgt.

Die Schüler fragen nach und wollen beispielsweise wissen, warum gerade Kinder zu Kämpfern gemacht werden. Heveling erklärt, dass Kinder sich leichter zwingen lassen, weil sie sich kaum gegen gewalttätige Erwachsene wehren können. Er berichtet auch aus seinem persönlichen Umfeld: "Meine Nichte war ein Jahr in Ruanda und hat traumatisierte Kinder behandelt. Als sie von ihren Erfahrungen gesprochen hat, war ich sehr betroffen."

Die von den Realschülern hergestellten roten Hände sollen zunächst eine Woche lang im Schulgebäude verbleiben, damit auch andere Klassen vom Thema Kindersoldaten erfahren. "Wir werden mit den Schülern darüber sprechen. Das ist uns ein wichtiges Anliegen", sagt Schulleiter Burkhard Wahner. Danach werden die Arbeiten mit den roten Händen nach Berlin geschickt und dort im Bundestag an Wäscheleinen aufgehängt.

(RP)
Mehr von RP ONLINE