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Meerbusch: Rheinländer und die Evolution

Meerbusch : Rheinländer und die Evolution

Konrad Beikircher gastierte mit "Schön ist es auch anderswo . . ." im Lanker Forum Wasserturm. Der Kabarett-Altmeister präsentierte sich dabei als sprachgewandter Dialekt-Analytiker.

"Ich wollt' sie gar nicht aufgehalten haben!" — mit diesem Vorsatz trat Kabarett-Altmeister Konrad Beikircher am Samstagabend auf die Bühne des Forum Wasserturm. Mit seinem Programm "Schön ist es auch anderswo, und hier bin ich sowieso", ist der gebürtige Südtiroler schon beim elften Teil seiner "rheinischen Trilogie" angelangt.

Sprache, Glaube und Mentalität im Rheinland sind die wesentlichen Bestandteile seines "Rheinischen Missionswerkes", das Beikircher seinem Publikum nahe bringt. Auch nach 23 Jahren "Kampf gegen Vorurteile gegenüber dem Rheinländer" hat er noch viel zu erzählen. "Wer Bielefeld kennt, weiß, wie viel Arbeit noch vor mir liegt." Und so streift der ehemalige Psychologe im Justizvollzug mit seinen Zuhörern durch die deutschen Dialekte, analysiert die rheinische Grammatik und erzählt Anekdoten aus dem Alltag.

Immer wieder kam Beikircher "von Hölzchen auf Stöckchen" und schweifte mit Worten wie "was ich Ihnen eigentlich schon von Anfang an erzählen wollte" oder "wo wir gerade drüber reden" ab und zog eine Erklärungsschleife nach der anderen. Seine Heimatkunde-Stunde verzierte der Kabarettist geschickt mit authentischem Dialekt und herzlichem rheinischen Humor.

Dialekt ist nicht später lernbar

Beikircher betonte, dass Dialekt nicht lernbar sei und man mit ihm aufgewachsen sein müsse, um ihn wirklich zu sprechen. "Ich selber bediene mich des rheinischen Umgangstons, spreche aber keinen Dialekt", so Beikircher, der seit 1965 im Rheinland lebt. Das Publikum im fast ausverkauften Wasserturm, größtenteils dieselbe Altersklasse wie der 66-Jährige, war schnell begeistert von den ausschweifenden Erzählungen über allerlei Kuriositäten, "Sprachbizarrerien" und menschlichen Eigenarten, von den "Kappesburen aus dem Aachener Vorgebirge bis zu den Putzfrauen aus dem extrem Rechtsrheinischen — also Russland".

Während des zweistündigen Programms wurde die rheinische Grammatik zum Vorbild für "Energieökonomie, der Aufsitzrasenmäher", zum "Inbegriff der mobilen Freiheit im Alter" und zu guter Letzt das Rheinland zur "Sackgasse der Evolution" erklärt.

Stets mit einem Augenzwinkern und mit viel rheinischem, herzlichem Humor gewann Beikircher das Publikum für sich. Und so endete die Vorstellungen nach vielen Anekdoten, Ausschweifungen und absurden Witzen mit lang anhaltendem Applaus — Beikircher begeistert. Mitverantwortlich für seinen Erfolg - der "Brunecksche Heimatdialekt" Beikirchers: "Wer den überlebt, den kannze überall hinstellen, auch ins Rheinland!"

(RP)