Rhein-Kreis Neuss ist Vorreiter bei Service-Apps

Digitale Angebote : Rhein-Kreis Vorreiter bei Service-Apps

Die digitalen Angebote des Rhein-Kreises Neuss bieten für Bürger und Verwaltung viele Vorteile. Mittlerweile haben andere Kreise und Städte die Programme komplett oder in Teilen übernommen.

Mehr Service für Bürger und Entlastung für die Mitarbeiter der Kreisverwaltung – das verbinden die digitalen Angebote des Kreises miteinander. Besonders helfen die fünf Service-Apps der Verwaltung, die sich Smartphone-Nutzer über einen entsprechenden Store kostenfrei herunterladen können. Bei Nutzern beliebt: Die App fürs Straßenverkehrsamt, die Wartezeiten prognostiziert, die Dienststelle mit der kürzesten Wartezeit empfiehlt und einen Überblick über benötigte Unterlagen gibt. Mit dem Programm hat der Rhein-Kreis einst Neuland betreten, heute ist es die mit Abstand erfolgreichste App des Kreises.

Seit 2011 wurde sie knapp 20.000 Mal installiert und von rund 120.000 Menschen genutzt. Das Programm ist eine Erfolgsgeschichte – ebenso wie die im Vergleich dazu noch recht junge „Pflegefinder-App“, die im Oktober 2017 an den Start gegangen ist und mit der Nutzer auf einen Blick sehen können, in welchen der kreisweit 46 Pflegeheimen aktuell Plätze für die Langzeit- und Kurzzeitpflege frei sind. Damit sparen sich Angehörige viele Telefonate.

Die Entwicklungen der IT-Abteilung des Kreises, in der sich eine Gruppe eigens des App-Projekts angenommen hat, schlagen große Wellen. „Wir sind damit ein Vorreiter in NRW“, sagt IT-Dezernent Harald Vieten nicht ohne Stolz. Mittlerweile haben viele andere Kreise und kreisfreie Städte die im Rhein-Kreis entwickelten Programme in Teilen oder komplett übernommen. Dazu zählen die Städte Düsseldorf und Köln, die Städtregion Aachen und der Rhein-Sieg-Kreis – die Liste ist lang. Zuletzt hat der Rhein-Erft-Kreis die „Pflegefinder-App“ übernommen, die bis vor wenigen Monaten noch „Heimfinder-App“ hieß.

Andere Regionen profitieren also von den Apps „made im Rhein-Kreis Neuss“. Dennoch möchte Vieten nicht von einem Geschäftsmodell sprechen. „Wir verkaufen unsere Apps nicht, sondern stellen sie anderen kostenfrei zur Verfügung.“ Vieten spricht in Bezug auf die Digitalisierung der Behörden von einer Mammutaufgabe. „Das können wir nur gemeinsam schaffen, also nur dann, wenn wir solche Apps auch gemeinsam weiterentwickeln.“

Ein weiterer Grund dafür, warum der Rhein-Kreis von anderen Kreisen für seine Apps kein Geld verlangt: Es würden nur Steuergelder verschoben. „Außerdem sind die Prozesse in fast allen Kreisen und kreisfreien Städten gleich geregelt, weshalb die Apps fast überall einsetzbar sind“, sagt Jürgen Brings. Er ist „Chief Digital Officer“ beim Kreis und weiß um die Bedeutung der Apps.

Auch bei der Weiterentwicklung stets im Fokus: der Mehrwert für Bürger – und die Entlastung für die Verwaltungen. Letztere ist nicht zu verachten, auch mit Blick auf Prognosen, aus denen ersichtlich sein soll, dass bei der Kreisverwaltung bis 2025 jeder fünfte Mitarbeiter aus Altersgründen ausscheidet. Der Kreis will das Angebot der kostenfreien Service-Apps erweitern und weiterentwickeln. Das erfordert Know-how und ist mitunter zeitintensiv, weshalb Mitarbeiter speziell geschult werden. So wurden für das kommende Jahr 100.000 Euro für Mitarbeiter-Fortbildungen im Bereich Digitalisierung eingestellt. „Wir wollen in unser eigenes Personal investieren“, betont IT-Dezernent Vieten, wenn er auch weiß, dass die Kreisverwaltung als Behörde irgendwann an ihre Grenzen stoßen wird. Denn je komplexer eine App aufgebaut ist, desto eher müssen sich externe Fachleute in Agenturen um Entwicklung und Systempflege kümmern. Mit einbezogen werden in jedem Fall die Fachämter. „Denn die können schließlich am besten beurteilen, was eine App für ihren Bereich bieten sollte“, sagt Harald Vieten.