Kapelle in Büderich Triptychon zurück in Kapelle Niederdonk

Knapp ein Jahr lang war der Klapp-Altar weg. Nach seiner Restaurierung steht er nun gut sichtbar auf einem Sockel direkt hinter dem Altar. Finanziert wurde das Projekt aus Spenden zu Pfarrer Michael Bernings Priesterjubiläum.

 Restauratorin Sabine Hermes hat den Aufbau des Triptychons auf dem neuen Sockel aus Aachener Blaustein überwacht.

Restauratorin Sabine Hermes hat den Aufbau des Triptychons auf dem neuen Sockel aus Aachener Blaustein überwacht.

Foto: RP/Michael Streuff

Vorsichtig setzt Pfarrer Michael Berning die Schere an und schlitzt die Luftpolsterfolie auf. Zum Vorschein kommt Maria, die im weißen Gewand auf einer Steinbank sitzt. „Was für ein toller Glanz“, schwärmt Berning und schiebt vorsichtig die Verpackung beiseite. „Ich freue mich!“ Seit Mittwoch ist das Triptychon wieder zurückgekehrt in die Kapelle Niederdonk – nach knapp einem Jahr Restaurierung.

 Schreiner Marcel Bahlmann (r.) hat den Eichenrahmen gefertigt.

Schreiner Marcel Bahlmann (r.) hat den Eichenrahmen gefertigt.

Foto: RP/Verena Bretz

Zum silbernen Priesterjubiläum im vergangenen Jahr hatte der Pfarrer der Büdericher Gemeinde St. Mauritius und Hl. Geist auf Geschenke verzichtet und stattdessen um Geldspenden gebeten. Dabei kam so viel zusammen – rund 10.000 Euro – dass es für den Wunsch reichte: „Mein Wunsch war, dass der kleine Klapp-Altar auf einem Sockel in der Apsis hinter dem Altar aufgestellt wird. Bislang fehlte dem Altar-Raum ein Blickfang, mir kam die Kapelle hinten immer etwas nackt und leer vor“, erzählt der Priester.

 Steinmetz Michael Streuff mit dem Modell von Sockel und Triptychon.

Steinmetz Michael Streuff mit dem Modell von Sockel und Triptychon.

Foto: RP/Verena Bretz

Das Triptychon aus dem Jahr 1538, das aus einer Mitteltafel und zwei klappbaren Flügeln besteht, war bislang in einem geschlossenen Glaskasten an der Querwand der Kapelle untergebracht. „Der Standort war meiner Meinung nach nicht so günstig, denn so ein Altarbild hat ja auch eine Funktion.“ In der Vergangenheit habe man das Triptychon beispielsweise gar nicht auf- und zuklappen können, weil die Vitrine verschlossen war. „Dabei“, so erklärt Michael Berning, „wird das Triptychon während der Fastenzeit und der Adventszeit geschlossen, weil die Außenseite karger gestaltet ist, und erst wieder zu den großen Festen Ostern und Weihnachten geöffnet.“ Jetzt hängt in der Vitrine die Fahne der Schützenbruderschaft. Berning: „Das ist ein wirklich schöner Ersatz.“

 Sabine Hermes und Marcel Bahlmann packen das Triptychon aus.

Sabine Hermes und Marcel Bahlmann packen das Triptychon aus.

Foto: RP/Michael Streuff

Die Kölner Restauratorin Sabine Hermes hat sich in den vergangenen Monaten ausgiebig um das Kunstwerk gekümmert. Das stammt wohl ursprünglich aus dem Kloster Kamp am Niederrhein und wurde der Niederdonker Kapelle im Jahr 1803 von der Familie von der Leyen geschenkt. In ihrer Werkstatt wurde Hermes auch immer wieder von Michael Streuff besucht. Der Kölner Steinmetzmeister hat den Sockel samt kleiner Sockelplatte angefertigt, auf dem das Triptychon fest installiert ist.

 Luftpolsterfolie schützte das Kunstwerk beim Transport.

Luftpolsterfolie schützte das Kunstwerk beim Transport.

Foto: RP/Verena Bretz

„Ich habe mir vorab ein Modell aus Holz gebaut“, erzählt der Steinmetz. Und das sieht auf den ersten Blick täuschend echt aus. „Ursprünglich hatte ich gar nicht vor, das Bild zu malen, aber dann hat es so viel Spaß gemacht“, sagt Streuff. „Außerdem kann man sich dann das Endergebnis viel besser vorstellen.“ Der echte Sockel wurde aus Aachener Blaustein gesägt. „Der ist beispielsweise auch im Altar der Kapelle verbaut“, sagt er. Die Lieferung dieses typisch rheinländischen Baumaterials war schwierig, „denn der Bruch ist nahzu erschöpft“.

1,25 Meter hoch ist der massive Sockel und 750 Kilogramm schwer. „Die Formsprache habe ich eher schlicht gehalten, weil das der Umgebung enstpricht“, sagt der Steinmetzmeister. Siebenmal wurde der Stein schließlich geschliffen und poliert, das sei sehr aufwändig gewesen. Ebenso mühsam war der Transport in die Kapelle am Mittwochmorgen. Gemeinsam mit Mirko Tschauner, ebenfalls Steinmetz und Bildhauer, hat Streuff den schweren Stein über Walzen auf eine Steinkarre gerollt und dann über eine selbst gebaute Rampe in den Altarraum gefahren. Rund drei Stunden waren die Männer beschäftigt, gegen Mittag kam dann Schreiner Marcel Bahlmann aus Neuss hinzu. Er hat den Rahmen für den Klapp-Altar gefertigt. „Aus schwarz gebeizter Eiche“, erklärt der Fachmann. „In dem Rahmen wird das Triptychon befestigt, und der wiederum wird fest in den Stein geschraubt.“

Am späten Nachmittag waren die Arbeiten schließlich beendet, das Triptychon steht seitdem an seinem neuen, prominenten Platz. Pfarrer Michael Berning hofft, dass sich viele Meerbuscher das Kunstwerk anschauen, das sie mit ihren Spenden möglich gemacht haben. „Den Menschen hier liegt die Niederdonker Kapelle wirklich am Herzen, das ist ein Stück Heimat für sie. Die Leute tun alles für ihre Kapelle“, freut er sich. Anlässlich des heimgekehrten Triptychons wurde auch der Kirchenführer für die Niederdonker Kapelle neu aufgelegt. Der ist ab sofort im Pfarrbüro und in der Kapelle für vier Euro zu erhalten. Auf 50 Seiten erfährt der Leser alles Wissenswerte rund um den kleinen Andachtsraum in Büderich.

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