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Meerbusch: Reizthema Hochhäuser

Meerbusch : Reizthema Hochhäuser

Sollten Meerbuschs künftige Wohnhäuser in die Höhe wachsen, um für günstigen Wohnraum zu sorgen? Der Planungsausschuss diskutiert über eine Grundsatzfrage. Doch letztlich kommt es auf die Investoren an.

Braucht Meerbusch weitere Wohnhochhäuser mit vier, fünf und mehr Geschossen? An der Frage scheiden sich im Planungsausschuss die Geister. "Der Geschosswohnungsbau darf nicht nach dem Motto ,Da wohnen eh nur Assis" disqualifiziert werden", sagte Holger Losse bei der Debatte um den künftigen Regionalplan.

Mehrfamilienhaus-Bau in Meerbusch geht eher in diese Richtung: das künftige Bofina-Carée (Niederdonker Straße) soll 14 hochwertige Wohnungen umfassen. Foto: Boris Schmidt

"Die Stadt muss auch Verantwortung übernehmen, damit Leute, die kein Managergehalt beziehen, Wohnraum finden. Der Bedarf ist groß", sekundierte Nicole Niederdellmann-Siemes (SPD). "Wir sollten uns darüber unterhalten, in welchem Ausmaß wir Flächen dafür zur Verfügung stellen können", so Losse.

Natürlich solle die Stadt auch an Wohnraum für Niedrigverdiener denken, erklärte Klaus Rettig (FDP). Aber es könne nicht sein, dass Meerbusch zur Schlafstadt für Düsseldorf-Pendler werden: "Es geht doch nicht, wenn Düsseldorf nur die Büros bereitstellt und die umliegenden Städte dafür sorgen sollen, dass die Pendler ein Dach über dem Kopf haben".

Meerbuschs CDU-Chef Werner Damblon hob hervor: "Es ist nicht die Aufgabe einer Stadt im Grünen, mehrgeschossigen Mietwohnungsbau anzubieten. Das wollen die Leute hier auch gar nicht, sondern andere Wohnformen" — eine Anspielung auf die in Meerbusch so beliebten Eigentums-Einfamilien und Doppelhäuser und die eher luxuriösen Mehrfamilienhäuser wie sie gerade an Kanzlei und Niederdonker Straße entstehen. Großflächiger, mehrgeschossiger sozialer Wohnungsbau rechne sich — auch angesichts Meerbuschs hoher Bodenpreise — einfach nicht.

Die Grünen sehen das etwas anders. Ihr Fraktionschef Jürgen Peters weist darauf hin, dass Geschosswohnungsbau viel weniger Fläche verbraucht als "in die breite gehender" Bau von Einfamilienhäusern. So würden auch die Kosten für Grundstücke und Infrastruktur aufgefangen. Die Häuser an der Forststraße in Strümp zeigten, dass die Nachfrage durch Familien mit Kindern nach solchem Wohnraum in Meerbusch durchaus existiere. Es sei an der Politik, bei Bauprojekten steuernd einzugreifen.

Heinrich P. Weyen (UWG) forderte "einen vernünftigen Mix. Sozialer Wohnungsbau heißt heute ja längst nicht mehr nur Hartz IV".

Hans-Werner Schoenauer (parteilos, früher SPD) sprach von einer "Geisterdiskussion". Wenn die Poltik den Mut dazu habe, solle sie eine städtische Wohnungsbaugesellschaft gründen. Diese könne dann günstigen Wohnraum schaffen: "Sonst passiert da nichts".

Stadtplaner Ulrich Hüchtebrock gab angesichts der Forderung nach günstigem Wohnraum zu bedenken: "Wenn es keinen Investor dafür gibt, geht das nicht."

(RP/rl)