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Meerbusch: Reise in die Vergangenheit des Niederrheins

Meerbusch : Reise in die Vergangenheit des Niederrheins

Marie Batzel, Leiterin der VHS Neuss, hat in der Teloy-Mühle in Lank einen Vortrag über den Reiseschriftsteller Georg Forster gehalten.

Um Meerbusch hat der Naturforscher und Reiseschriftsteller Georg Forster (1754-1794) einen Bogen gemacht. Das war die einzig bedauerliche Nachricht, die die Besucher der Vortragsreihe "Forum Orts- und Regionalgeschichte" des Heimatkreises Lank in der Teloy-Mühle zu hören bekamen. Die bisherige Leiterin der VHS Meerbusch, Marie Batzel, nahm das Publikum am Mittwoch auf Wunsch von Georg Neuhausen, Kulturausschussvorsitzender und Leiter des heimatkundlichen Arbeitskreises mit auf jene Reise, die Forster 1790 gemeinsam mit dem jungen Alexander von Humboldt durchs Rheinland führte.

Dass der auch als Revolutionär in Zeiten der Französischen Revolution bekannte Forster Köln in seinem Buch als "finstere traurige" Stadt und deren Bewohner als "dieser Pöbel" bezeichnete, ließ die Zuhörer schmunzeln. "Düsseldorf dagegen sei ein 'himmelweiter Unterschied, eine wohlgebaute Stadt mit wohlgekleideten Einwohnern' lautet seine in 'Ansichten vom Niederrhein' schriftlich festgelegte Meinung", erklärt Marie Batzel.

Allerdings legte der 1772 als 17-Jähriger mit James Cook durch die Südsee gesegelte "Begründer der modernen Reiseliteratur" bei der Bemessung des Rheinlands großzügige Maßstäbe an. "Für Forster endete der Niederrhein am Ärmelkanal", sagte Marie Batzel.

Die promovierte Germanistin bezeichnet sich als "begeisterte Neu-Niederrheinerin" und begeisternd waren auch die rund 80-minütigen Ausführungen, die sie wegen einer technischen Panne frei und sehr unterhaltsam präsentierte. Teils im Detail war zu erfahren, wie der mit Rheinschiff, Kutsche, Eilkutsche und Barke das Rheinland von Boppard über Köln, Haag und Brüssel bis nach London reisende Forster auf unverschämt-unverblümte Weise die Mitreisenden - elf Personen in der Eilkutsche erster Klasse - beschreibt: "Er war ein sehr kritischer Geist." Mit diesem nahm er auch die Landessitten und vor allem die politischen und ökonomischen Zustände der damaligen Zeit aufs Korn. Forster "träumte sich in die Zukunft", sah eine Verödung der Steinkohlenflöze vorher und in gewisser Weise auch eine Flüchtlingswelle. Äußerst positiv kommt der Niederrhein mit Blick auf das Handwerk, den Handel und die Fabriken weg. Schließlich öffnete die Textilindustrie das Tor zur Welt.

Und indirekt hatte Forster auch ein Lob für Meerbusch: "Die kleinen Städte rund um das prächtige Düsseldorf haben den Weg zur glücklichen Existenz gefunden." Marie Batzel ließ es sich nicht nehmen, den Bogen zum Bildungsauftrag der VHS zu schlagen: "Forster plädierte für Weiterentwicklung, forderte auf, im Gespräch zu bleiben und das Denken zu entwickeln. Er wäre zufrieden, wenn er sehen würde, wie viele Menschen sich bei den Heimatkreis-Veranstaltungen zusammenfinden, um zu lernen und zu kommunizieren."

(RP)