Meerbusch: Reichenstein wird ein Kloster

Meerbusch: Reichenstein wird ein Kloster

In das Eifler Gut des ersten Bürgermeisters der Stadt Meerbusch, Dr. Ernst Handschumacher, wollen Mönche ziehen, Anhänger des exkommunizierten Traditionalisten-Bischofs Marcel Lefebvre. Das Aachener Bistum ist besorgt.

Angst vor großen Tieren hatte er noch nie: Genüsslich erinnert sich Dr. Ernst Handschumacher in „Meerbuscher Bürgerprofile“, wie er im Mai 1976 mit seiner Rede bei dem Erörterungstermin am Meerbusch-Gymnasium den damaligen Innenminister Burkhard Hirsch „bis aufs Blut reizte“, so dass dieser den Kameraleuten des WDR ein Drehverbot erteilte. Mit diesem vermeintlichen Angriff auf die Pressefreiheit wendete sich im Landtag die Stimmung zugunsten Meerbuschs, die Aufteilungspläne wurden fallen gelassen.

Jetzt hat sich der gläubige Katholik und Ritter vom Heiligen Grab mit dem Bischof von Aachen angelegt – diesmal in privater Angelegenheit. Es geht um Gut Reichenstein bei Monschau, ein ehemaliges Prämonstratenser-Kloster, das der Rechtsanwalt 1971 erwarb, um seine erbliche Neigung zur Landwirtschaft auszuleben. Inzwischen ist Handschumacher 83 Jahre alt, und steht vor dem Problem, das keines seiner vier über die Republik verstreut lebenden Kinder das Anwesen übernehmen will.

Anhänger Lefebvres

Dafür besteht die wohl einmalige Chance, dass Reichenstein wieder ein Kloster wird: 25 Mönche aus dem französischen Kloster Notre-Dame de Bellaigue wollen sich dort ansiedeln. Der Haken: Es sind Anhänger des 1988 exkommunizierten Traditionalisten-Bischofs Marcel Lefebvre. Deshalb hegt das Bistum Aachen „erhebliche Bedenken“ gegen die Klostergründung. Ihm sei die Aufklärung der Gläubigen über die Pius X.-Bruderschaft wichtig, schreibt Bistums-Sprecher Franz Kretschmann in einer Stellungnahme. Lefebvre und seine Anhänger lehnten alle Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils ab, wozu nicht nur die stärkere Beteiligung der Laien im kirchlichen Leben zähle, sondern auch die Religionsfreiheit, also die Achtung vor den Überzeugungen Andersgläubiger, und die Ökumene.

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In einem Brief an den Monschauer CDU-Bürgermeister Theo Steinröx hatte Bischof Heinrich Mussinghoff an die kirchenrechtlichen Konsequenzen gemahnt: Ehen, die in der beliebten Hochzeitskapelle geschlossen würden, seien ungültig. Priester der Diözese Aachen dürften dort keine heiligen Messen oder Gottesdienste mehr feiern. Außerdem würden Katholiken durch den Besuch einer von einem „schismatischen Priester“ gefeierten Messe nicht ihrer Sonntagspflicht genügen. Von den Mönchen gespendete Taufen könnten nicht ins pfarrliche Taufbuch eingetragen werden.

Denkmalschützer hingegen begrüßen die künftige Nutzung als Kloster. Auch die CDU-Mehrheit im Monschauer Stadtrat legte Handschumacher bei seinen Verkaufs-Plänen keine Steine in den Weg. Im Januar stimmten CDU und FDP für die dafür erforderliche Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung eines B-Plans. Sie beriefen sich auf die ausschließliche baurechtliche Zuständigkeit dieses Gremiums, über die ethischen und moralischen Ansichten der Antragsteller hätten sie nicht zu befinden. Der deutsche Distriktobere der Bruderschaft, Pater Franz Schmidberger, erklärte in einem offenen Brief an den Bischof, dass mit der Klostergründung ein „bescheidener, aber wichtiger Beitrag zur der von Papst Johannes Paul II geforderten Neuevangelisierung Europas geleistet wird“.

Dr. Handschumacher wollte sich zu der Angelegenheit nicht äußern. siehe auch Seite E 2 (Piusbruderschaft)

(RP)
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