Meerbusch: RE 10: Streit in vollen Zügen

Meerbusch: RE 10: Streit in vollen Zügen

Die Nordwestbahn hat die Zahl der Plätze im morgendlichen Niersexpress um die Hälfte auf die vom VRR gewünschte Menge reduziert. Nun beschweren sich Pendler mit einer Unterschriftenaktion über die Enge.

Wegen überfüllter Waggons des Niersexpresses (RE 10) in den frühen Morgenstunden sind bei der Nordwestbahn reihenweise Beschwerden eingegangen. Die private Bahn hat den Betrieb der Linie zwischen Düsseldorf, Osterath, Krefeld und Kleve im Dezember von der Deutschen Bahn übernommen. Verantwortlich für die Zahl der eingesetzten Wagen ist allerdings der VRR als Auftraggeber der Nordwestbahn.

"Die Züge sind derart überfüllt, dass es morgens sogar schon zu Tätlichkeiten zwischen Reisenden kam", beschreibt ein Pendler aus Osterath die Situation. In Krefeld beschwerten sich gleich 40 Fahrgäste mit einer Unterschriftenliste bei der Nordwestbahn. Sie haben besonders den Zug im Blick, der um 7.24 Uhr in Osterath stoppt und dann weiter Richtung Krefeld und Geldern fährt.

Sparen zu Lasten der Kunden?

Hintergrund des Problems ist laut der Pendler, dass seit etwa zwei Wochen zur morgendlichen Stoßzeit nur noch einer statt zwei Triebwagen eingesetzt wird. Pro Zug stehen somit statt 272 Sitz- und 210 Stehplätzen nur noch maximal 136 Sitz- und 105 Stehplätze zur Verfügung. "Regelmäßig sind in dem Zug alle Sitzplätze besetzt, die Leute stehen dicht gedrängt", ärgert sich ein Pendler. "Wir haben den Eindruck, dass zu Lasten von uns Bahnnutzern Einsparungsmaßnahmen und Transportexperimente durchgeführt werden, obwohl zu anderen Tageszeiten mit bedeutend geringerem Nutzeraufkommen oft zwei bis drei Wagen zur Verfügung stehen", schreibt Norbert Tischmeyer an die Nordwestbahn. Der Streckenbetreiber reichte das Schreiben an den VRR weiter.

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Mehr Wagen auf eigene Kosten

Dass das Problem gerade jetzt massiv zu Tage tritt, erklärt Nordwestbahn-Sprecherin Karin Hofmann so: "Bisher haben wir beim Niersexpress auf eigene Kosten mehr Wagen eingesetzt als vom VRR bestellt". Das habe auch mit dem wochenlangen Dauerfrost zu tun gehabt, der das häufige Abkoppeln von Triebwagen erschwert habe. Die Nordwestbahn sei im stetigen Austausch mit dem VRR, um für die Spitzenzeiten Lösungen zu finden. Doch das letzte Wort habe der Verkehrsverbund.

Beim VRR ist das Problem durch Fahrgastzählungen bekannt. Aus diesen geht hervor, dass rund 150 Fahrgäste zwischen Krefeld und Geldern im Zug sitzen — 14 mehr als Sitzplätze in einem Triebwagen vorhanden sind. Das teilte der VRR auf RP-Anfrage hin mit. Danach nehme die Zahl der Passagiere aber rapide ab und gehe im letzten Stück auf rund 36 zurück. Der Andrang finde nur auf einem relativ kurzen Abschnitt rund um Krefeld statt. Daher sei es wirtschaftlich nicht sinnvoll, auf der kompletten Strecke mit zwei Wagen zu fahren, sagt VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik. "Wir werden Gespräche mit der Nordwestbahn führen und prüfen, ob wir eine kostenneutrale Lösung finden", so die Sprecherin.

(RP)