Meerbusch: Rauswurf erschüttert Pfarre

Meerbusch : Rauswurf erschüttert Pfarre

Der Streit in der Hildegundispfarre geht weiter: Das Pastoralteam sorgt dafür, dass die frühere Pfarrgemeinderatsvorsitzende Felicitas Klein keine Wortgottesfeiern mehr abhalten darf.

Neuer Ärger in der Hildegundispfarre: Überraschend hat Pfarrer Norbert Viertel die Zusammenarbeit mit der langjährigen Ehrenamtlerin Felicitas Klein beendet. "Das Pastoralteam hat mir mitgeteilt, dass man das Vertrauen zu mir verloren habe", sagt die frühere Vorsitzende des Pfarrgemeinderats. Felicitas Klein wird nun keine monatlichen Wortgottesfeiern in Bösinghoven, Langst-Kierst und Nierst mehr ausrichten dürfen. Sie hatte darum gebeten, dass ihre entsprechende Erlaubnis durch das Bistum verlängert wird. Normalerweise ein Standard-Vorgang.

Doch diesmal wurde ihr die Verlängerung verwehrt. "Eine Begründung dafür hat es nicht gegeben. Ich habe auch nie irgendwelche Beschwerden von Besuchern gehört", so Felicitas Klein. In der von Konflikten geschüttelten katholischen Gemeinde braut sich nun ein neuer Proteststurm zusammen. Pfarrer Viertel war gestern nicht erreichbar — er ist mit dem Heimatkreis Lank in Missouri (USA).

Für die Stimmung in der 15 000 Mitglieder zählenden Gemeinde ist der Zeitpunkt denkbar ungünstig. Erst gestern hatte eine Fünfer-Gruppe ein lange vorbereitetes Protestschreiben an Bischof Heinrich Mussinghoff geschickt. 220 Katholiken haben es unterschrieben.

Darin werden Pfarrer Viertel und die Gemeindeleitung scharf angegriffen — unter anderem geht es um den Umgang mit Ehrenamtlern. Die Initiatoren warnen: Gemeinderats-Mitglieder scheuten inzwischen kritische Äußerungen, "aus Angst, dass ihnen ihre ehrenamtlichen Aufgaben erschwert oder gar verwehrt werden". 23 Ehrenamtler hätten der Gemeinde bereits den Rücken gekehrt. Durch den Verzicht auf die Wortgottesfeiern von Felicita Klein fühlen sich die Kritiker nun erneut bestätigt.

Im Gemeinderat gehört die Lank-Latumerin zwar nicht zu den treuen Anhängern der Gemeindeleitung, ist aber auch nicht als scharfe Gegnerin bekannt. Felicitas Klein gilt als besonnen. Sie bemüht sich um einen konstruktiven Kurs. So hatte sie beispielsweise im März 2011 die Einberufung einer Tagung vorgeschlagen, um die Probleme zu diskutieren. Die ans Bistum gerichtete Stellungnahme der Kritiker hat sie nicht unterschrieben. Felicitas Klein war im März 2011 nach Meinungsverschiedenheiten mit der Gemeindeleitung als Vorsitzende des Hildegundis-Gemeinderats zurückgetreten. Sie arbeitet aber im Arbeitskreis Pastoral und im Gemeinderat weiter mit. "Das bin ich den Wählern schuldig, die ihr Vertrauen in mich gesetzt haben."

Pikant ist der "Rauswurf" von Felicitas Klein noch aus einem anderen Grund: Die Kritiker monieren die Zahl der Sonntagsgottesdienste als zu gering. Die Gemeindeleitung hatte ihnen bislang immer die Aktivitäten von Felicitas Klein entgegengehalten. Pfarrer Viertel wies darauf hin, dass zusätzlich zu den Messen "auch in den kleineren Gemeinden von qualifizierten und vom Bischof beauftragten Laien Wortgottesfeiern angeboten werden". Dieses Argument wird sich nun nicht mehr halten lassen.

(RP/rl)