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Meerbusch: Raucherclubs vor dem Aus

Meerbusch : Raucherclubs vor dem Aus

Sollte das Urteil aus Münster, dass Raucherclubs unzulässig sind, in der nächsten Instanz bestätigt werden, sieht es für Raucherclubs düster aus. "Das ist unwirtschaftlich", so Dehoga-Sprecher Matthias Vieten und kündigt Klage an.

Helmuth Seimetz ist 74 Jahre alt, leidenschaftlicher Raucher und Stammgast im Café Timo an der Dorfstraße in Büderich. "Als 2008 das erste Raucherschutz-Gesetz kam, habe ich gleich einen Verein gegründet zur Pflege des Brauchtums und gegenseitiger Toleranz", sagt er mit Blick auf das jüngste Urteil zum Nichtraucherschutz. Danach sind Raucherclubs nicht zulässig, wenn es sich um normale Gaststätten handelt, in denen auch Speisen angeboten werden.

Die Liste von Timo-Wirt Aristides Lavarenzos zur Gründung eines Raucherclubs hat er gleich als erster unterschrieben. "So hundert dürften es inzwischen sein", sagt Seimetz. Er spricht für den Café-Wirt, der Grieche ist.

"Wenn Raucherclubs komplett verboten werden, muss das Café Timo schließen", ist Seimetz sicher. Denn 80 Prozent der Kunden sind Raucher. "Die anderen tolerieren uns", sagt der Büdericher Seimetz, der sich manchmal selbst wie ein "Aussätziger" fühlt, weil er als Raucher mal wieder vor die Tür muss.

Kleine Kneipen leiden

"Schlupflöcher" im Gesetzestext, wie sie im jüngsten Urteil aus Münster angesprochen werden, sieht Seimetz nicht. "Das Café Timo ist zu klein", sagt er. Für ihn wäre die Koexistenz der beiden Cafés Timo (Raucher) und Aroma (100 Meter weiter, Nichtraucher) auch weiterhin eine gelungene Sache.

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Besser dran sind großräumige Kneipen, die zwischen Nichtraucher- und Raucherbereich trennen können. "Wir sind deshalb nicht betroffen", sagt Christine Vieten von Haus Baumeister in Strümp. "Wir haben einen großen Raum für Nichtraucher und einen kleinen für Raucher. Auch an der Theke darf bei uns geraucht werden", sagt sie. Die Kegelbahn sei prinzipiell rauchfrei. "Doch wenn eine Gruppe es wünscht, bestimmten die Gäste, ob geraucht werden darf." Sie findet es fürchterlich, dass erwachsene Menschen so eingeschränkt werden. Für kleine Betriebe sieht sie schwarz. "Die werden schließen müssen, wenn das Gesetz durchkommt."

Das sieht auch ihr Mann Matthias Vieten, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands im Rhein-Kreis und zuständig für Meerbusch, so. "Wenn das Urteil bestätigt wird, werden wir klagen", kündigt er an. Denn diese Regelung sei wirtschaftlich nicht zu vertreten.

"Besonders kleine Gaststätten werden dann aufgeben müssen", sagt er. Das sei eine existenzielle Bedrohung. Vieten vertritt auch die Auffassung, dass das gesellschaftliche Leben weiter leiden wird. "Meist gehen Raucher vor die Türe und viele Nichtraucher folgen, weil es unterhaltsamer ist", sagt er. Doch als Meerbuscher Verbands-Sprecher sieht er vor allem die Wirtschaftlichkeit gefährdet.

Stadt begrüßt Urteil

Für die Stadt hat das Münsteraner Urteil Signalwirkung. "Wir werden jetzt alle Wirte anschreiben, von denen wir wissen, dass sie einen Raucherclub gegründet haben", so Stadtsprecher Michael Gorgs. Die Stadt würde es begrüßen, wenn das Gesetz bestätigt würde. "Bislang war die Lage unklar", sagt Gorgs. "Die Stadt hatte keine gesetzliche Handlungsgrundlage."

(RP)