Meerbusch: Raser weichen Blitzern aus

Meerbusch : Raser weichen Blitzern aus

Beim großen Blitzer-Marathon musste die Polizei nur selten Autofahrer wegen überhöhten Tempos stoppen. Einige Straßen wurden wegen der Aktion fast völlig gemieden. Auch an der Büdericher Allee war es ungewöhnlich ruhig.

Zora Lindholz war eben noch bei der Massage, gleich hat sie einen Termin bei der Versicherung. Um 11.03 Uhr biegt die blonde Frau in die Büdericher Allee ein. Sie wohnt im Ort, kennt sich aus und will eine Abkürzung nehmen, um pünktlich zu kommen. Wenige hundert Meter weiter steht die Polizistin Mara Ciosek hinter dem Radar-Messgerät, richtet den kleinen roten Punkt im Visier auf das Nummernschild von Zora Lindholz und drückt ab. Es piept, das Display zeigt 39 Stundenkilometer an — 30 km/h sind erlaubt.

Zora Lindholz muss 15 Euro Bußgeld zahlen und ist damit Teil einer eher mageren Ausbeute beim zweiten Blitz-Marathon des Jahres. An zehn Meerbuscher Straßen waren Polizisten von gestern um sechs Uhr bis in die frühen Morgenstunden des heutigen Tages im Einsatz gegen Raser. Die Autofahrer waren größtenteils vorgewarnt und langsamer unterwegs. Manche Straßen, an denen die Polizei angekündigt hatte, blitzen zu wollen, wurden fast komplett gemieden.

So auch die Büdericher Allee, meint Alexandra Reischl-Braun. Die Mutter von zwei Kindern hatte die Anliegerstraße bei der Polizei als einen Blitzer-Standort vorgeschlagen und wurde dort so zur "Patin" der Aktion. "Normalerweise sind hier mehr Autos unterwegs und häufig zu schnell", sagt sie zu Mara Ciosek. Die junge Kommissarin glaubt ihr das. "Wir sind wegen der Schulkinder oft hier", antwortet sie. Dabei würden immer wieder zu schnelle Autos gestoppt.

Alexandra Reischl-Braun ist froh, dass die Polizei sich ihrer Straße annimmt. Doch insgeheim habe sie sich mehr ertappte Autofahrer gewünscht, sagt sie. Ihr Elternhaus steht an der Allee. In ihrer Kindheit hat die heute 41-Jährige häufig auf dem Bürgersteig gespielt. Mit einer Freundin setzte sie sich damals an den Straßenrand und notierte die Nummernschilder von zu schnell fahrenden Autos. Ihr Ärger über Raser ist also einige Jahrzehnte alt.

Es dauert länger als eine halbe Stunde, bis Mara Ciosek bei einer Messung wieder eine überhöhte Geschwindigkeit feststellen kann. Ein dunkler Van kommt ihr mit Tempo 41 entgegen. Die gestoppte Fahrerin gibt an, sie habe mit ihrem Hund nur kurz im Park spazieren gehen wollen. Abzüglich der Toleranz von drei Stundenkilometern muss auch sie 15 Euro zahlen. Alexandra Reischl-Braun steht einige Schritte entfernt. Eine Konfrontation mit der Fahrerin hätte die Polizei zwar erlaubt — die Blitzer-Patin sieht davon in der Situation aber ab.

Insgesamt zog die Polizei in Meerbusch gestern eine positive erste Bilanz. Auf der Grünstraße etwa fuhr niemand zu schnell, auf der Neusser Straße stoppten die Beamten in 90 Minuten fünf Fahrer. Davon war einer zu schnell, vier waren nicht angeschnallt. Nur an der Schloßstraße fuhr ein Raser in die Laser-Falle. 78 Stundenkilometer zeigte die Messung — erlaubt sind dort 50 km/h. Abzüglich der Toleranz war er 25 Stundenkilometer zu schnell, musste 80 Euro Bußgeld zahlen, bekam einen Punkt in Flensburg und hatte Glück: Wäre er nur einen Stundenkilometer schneller gewesen, wären 100 Euro und drei Punkte fällig geworden.

Hier geht es zur Infostrecke: Der Blitzer-Bußgeldkatalog 2012

(RP/ila)