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Raser ignorieren Tempolimit am Wienenweg in Meerbusch

Bürgermonitor : Tempo 30: Politiker gegen Bürgerwunsch

Ulrike Thiele, Anwohnerin am Wienenweg in Osterath, hat im Bau- und Umweltausschuss gefordert, dass zusätzliche Tempo 30-Schilder aufgestellt werden. Das wurde abgelehnt. Sie fühlt sich von der Politik nicht ernst genommen.

Genervt, sauer und frustriert. So beschreibt Ulrike Thiele ihre Gefühlslage, unmittelbar nachdem im Umweltausschuss ihr Bürgerantrag zu Tempo 30 auf dem Wienenweg in Osterath abgelehnt worden war. Zuvor hatte sie den Politikern die derzeitige Situation auf dem Wienenweg geschildert: „Trotz Tempolimit rasen viele Autos mit 40 bis 50 Stundenkilometer durch.“ Sie regte deshalb an, zusätzliche Tempo-30-Schilder anzubringen und am Fahrbahnrand versetzt Parkbuchten zu markieren. „So könnte man mit wenig Aufwand und ein bisschen Farbe viel erreichen.“

Die Politiker jedoch waren derselben Meinung wie die Verwaltung. Die hatte vorgeschlagen, Ulrike Thieles Forderung abzulehnen. „Die Beschilderung mit Tempo 30 am Wienenweg ist eindeutig“, betonte Technischer Beigeordneter Michael Assenmacher. Tempokontrollen hätten nichts Auffälliges ergeben. Zudem habe die Kreispolizeibehörde Neuss bestätigt, dass der Wienenweg kein Unfallschwerpunkt sei. „Es sind keine Unfälle registriert.“

„Muss denn immer erst etwas passieren?“, fragt Ulrike Thiele. Sie wohnt mit ihrem Mann seit 33 Jahren in einer Wohnung am Wienenweg. Viele Kinder würden dort zu Fuß oder mit dem Roller zur Schule oder zum Kindergarten gehen. „Der Verkehr hat extrem zugenommen“, sagt sie. Eilige Anwohner, Lieferanten und gestresste Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren. „Da kommt es morgens und nachmittags immer wieder zu gefährlichen Situationen“, erzählt die 60-Jährige. „Denn nach ein paar Metern haben die meisten schon wieder vergessen, dass hier überall Tempo 30 gilt und rasen einfach durch.“

Sie bestätigt auch, dass es am Wienenweg Tempokontrollen gab. „Aber“, kritisiert sie, „wenn dort gut sichtbar ein Polizeiauto steht, ist es doch klar, dass alle angemessen fahren.“ Sie ärgert sich, „dass sich keiner die Mühe macht, mal genauer hinzuschauen und die Beobachtungen von uns Anwohnern ernst nimmt.“

Ulrike Thiele ist aber nicht nur darüber enttäuscht, dass die Politiker ihren Bürgerantrag abgelehnt haben, sondern auch „über die Art und Weise“. Thiele: „Ich kam mir im Ausschuss sehr überflüssig vor und hatte nicht das Gefühl, dass eine Diskussion in irgendeiner Form erwünscht war. Alle hatten ihre vorgefasste Meinung. So fühlt man sich als Bürger nicht ernst genommen.“ Ihr Fazit nach dem Besuch im Umweltausschuss: „So wird jede Bürgerbeteiligung im Keim erstickt.“

Die Stadt kennt das Anliegen der Wienenweg-Anwohner schon länger und hatte erst im November erklärt, dass es das Problem mit einzelnen Rasern „überall im Stadtgebiet“ gebe. Beim Wienenweg handele es sich um eine reine Anliegerstraße ohne Durchfahrtsverkehr. Der Verkehr nehme lediglich morgens und nachmittags zu, wenn die Kinder zur Schule oder zum Kindergarten gebracht oder von dort abgeholt würden. Und die Stadt würde in Sachen Schulwegsicherung im vergleich zu anderen Kommunen viel tun: „In Meerbusch gibt es für alle Schulen Schulwegpläne, in denen ein sicherer Schulweg aus sämtlichen Richtungen zu Ende gedacht ist“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

Im Bau- und Umweltausschuss sagte die Verwaltung schließlich zu, auf der Fahrbahn des Wienenwegs zwei weitere Piktogramme aufzumalen. „Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagte Assenmacher. Weitere Maßnahmen seien auf dem Wienenweg allerdings „nicht geplant und auch nicht notwendig“.

Thiele hat in Sachen Piktogramme andere Erfahrungen gemacht: „Die Zeichnungen beachtet doch niemand“, befürchtet sie. Bereits seit 2017 gibt es in der Zufahrt von der Meerbuscher Straße ein solches Piktogramm. „Das wurde damals auf Initiative von uns Anwohnern aufgetragen“, sagt sie. „Aber wir beob­achten täglich, dass das nichts bringt.“ Ulrike Thiele will auf jeden Fall weiter kämpfen – trotz der „Niederlage“ im Bau- und Umweltausschuss. Sie kündigt an: „Das Thema ist für mich noch nicht beendet.“