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Meerbusch: "Qualitätsverlust ohne Ende"

Meerbusch : "Qualitätsverlust ohne Ende"

Obermeister Leo Jürgens und Klaus Koralewski beklagen die Folgen des Wegfalls der Meisterprüfung in 41 Gewerken. Die Beschwerden der Kunden häuften sich und das sei kein Wunder.

Lank-Latum Wenn Leo Jürgens und Klaus Koralewski über politische Entscheidungen zu Ungunsten der Handwerkerschaft sprechen, können sie ihren Unmut nur schwer verbergen: "Der Wegfall der Meisterprüfung in 41 Gewerken bedeutet einen Qualitätsverlust ohne Ende." Damit sprechen Leo Jürgens als Obermeister der Innung der Metallhandwerke Krefeld und Kreis Viersen und Vorstandsmitglied der Kreishandwerkerschaft Niederrhein sowie Klaus Koralewski, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein mit Sitz in Neuss, die im Januar 2004 geänderte Handwerksordnung an.

Seitdem werden die Gewerke entweder der Anlage A oder B zugeordnet. Von den ursprünglich 94 "Vollhandwerken" werden nur noch 53 als "zulassungspflichtige Handwerke" betrieben: "Alle anderen sind zulassungsfrei und damit ohne Ausbildung auszuüben."

Dass sich die Beschwerden der Kunden häuften, sei kein Wunder. "Die Sachverständigen haben viel zu tun und sind damit die Gewinner", so Koralewski. Jene Handwerksbetriebe der Anlage B, die einen Meisterabschluss vorlegen können, setzen jetzt zunehmend auf Werbewirksamkeit. "Wer einen Meistertitel hat, sieht einen Image-Gewinn", so Jürgens.

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Der gelernte Schmied und Meerbuschs Vize-Bürgermeister war dabei, als in Berlin gegen die Änderung der Handwerksordnung demonstriert wurde. Jürgens traf dort den damaligen "Superminister" Wolfgang Clement und äußerste seine Bedenken gegen diese neuen Richtlinien. Clement fragte: "Wer will denn Schmied werden?". "Ministerpräsident kann jeder werden", antwortete Jürgens schlagfertig.

Ihn stört auch die Zusammenfassung von Handwerken wie beispielsweise Schlosser, Schmied und Maschinenbauer zum Begriff Metallbauer: "Damit wurden alte klassische Berufe aufgelöst." Dass Handwerksberufen wie Drechsler, Estrichleger oder Schuhmacher heute ohne Ausbildung nachgegangen werden kann, hat die Lehrlingszahlen drastisch zurückgehen lassen. "Das Nachwuchsproblem verschärft sich", gibt Klaus Koralewski zu bedenken. Deshalb ist die Kreishandwerkerschaft bemüht, die Jugend zu erreichen und wirbt unter anderem mit lockeren TV-Spots unter dem Motto "Was wäre die Welt ohne das Handwerk?".

Auch auf dem bundesweiten "Tag des Handwerks" am 3. September soll deutlich gemacht werden, wie innovativ Handwerksberufe sind. Leo Jürgens und Klaus Koralewski wissen, dass das Handwerk "Chancen ohne Ende" bietet. Sie und alle Mitstreiter werden nicht nachlassen, den Nachwuchs zu motivieren.

(RP)