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Meerbusch: Putzkolonne auf dem Rhein

Meerbusch : Putzkolonne auf dem Rhein

Das Hochwasser geht langsam zurück, doch die Aufräumarbeiten auf dem Strom dauern an. Im Abschnitt Meerbusch ist das Sache der Besatzung des Verkehrssicherungsschiffes "Neuss" des Wasser- und Schiffahrtsamtes.

Nierst Der Stamm im Wasser hat ein ordentliches Kaliber. 25 Meter ist er lang, aber das sieht Schiffsführer Carsten Werkhausen erst, als er den Baum an die Leine gelegt hat. Vorerst weiß er nur: Das Treibgut, das da mitten im Rhein in Höhe Nierst auf ihn zukommt, ist zu groß, um es sich selbst zu überlassen. Es ist eine Gefahr für die Schifffahrt, deshalb muss der Stamm raus – und das ist Sache der Besatzung des Verkehrssicherungsschiffes "Neuss".

Das Arbeitsschiff mit Heimathafen Neuss gehört in diesen Hochwassertagen zur Putzkolonne des Wasser- und Schifffahrtsamtes Köln auf dem Rhein. Drei Boote hat das Bundesamt zwischen der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz stromauf- und Krefeld stromabwärts im Einsatz. Die "Neuss", 1988 in Dienst gestellt, kümmert sich um den Abschnitt von Zons über Meerbusch bis Krefeld.

Werkhausen hat die "Neuss" in die Nähe des Stammes gesteuert. "Trifft der die Schraube, ist das Schiff unter Umständen manövrierunfähig", erklärt der 41-Jährige den Grund, warum er den Stamm nicht weiter treiben lassen darf. Werkhausen wendet die Neuss, lässt sein Schiff "durchsacken", wie er sagt. Jetzt fahren Schiff und "Beute" gleich schnell stromab – und die Fänger mit dem Außenlastkran sind an der Reihe.

Mehrfach schon wurde die "Neuss" umgebaut, eines ist geblieben: Mit einem Tiefgang von nur 57 Zentimetern kann das Schiff auch in den Flachwasserzonen agieren. Das ist wichtig, um schwimmende wie fest verankerte Schifffahrtszeichen beiderseits der Fahrrinne zu kontrollieren oder zu reparieren. In diesen Tagen bleibt es dabei oft nicht. Markierungen, die sonst außerhalb des Fahrwassers standen, sind jetzt dem Druck der Strömung ausgesetzt. Einige werden umgeworfen, erklärt Tobias Kuschewski, der Leiter des Außenbezirks Neuss des Kölner Amtes. Bojen wiederum werden unter Wasser gedrückt – weil die Kette zum Ankerstein zu kurz ist oder sich zu viel Treibgut in ihr verfangen hat. Dann muss das Bergungsschiff "Neuss" Tonnen auslegen, um die Fahrbahn neu zu markieren.

Thomas Frangen, Wasserbauer und zur Verstärkung bei diesem Einsatz an Bord, hat dem Stamm die Schlaufe eines Seiles übergestreift und ihn so an den Haken genommen. Der Kran hievt ihn an Bord, wo er in große Teile zersägt wird.

Aber der Rhein als "Sammler" führt auch mit sich, was sonst an den Ufern vergessen wurde. Müllcontainer, Baustellentoiletten. Die Aufräumarbeiten der "Neuss" sind noch lange nicht abgeschlossen. Daran ändern auch die fallenden Pegelstände nichts.

(RP)