Politik beschließt: Kreis soll Meerbuscher Stadtarchiv betreiben

Meerbuscher Politik : Beschluss: Kreis soll Stadtarchiv verwalten

Das hat der Hauptausschuss am Dienstagabend bestimmt. Entscheidend war eine Enthaltung aus der SPD-Fraktion. Der Rhein-Kreis Neuss soll das Archiv betreiben, das Archivgut in Meerbusch bleiben. Endgültige Entscheidung im Rat.

Die Überraschung war gelungen: Nachdem sich die SPD-Fraktionsspitze im Hauptausschuss mit vielen Argumenten gegen eine Übertragung der Betriebsträgerschaft des Meerbuscher Stadtarchivs an das Archiv des Rhein-Kreises Neuss ausgesprochen hatte, wurde diese Linie durch die Enthaltung von Ratsherr Jürgen Eimer bei der Abstimmung konterkariert. Er sei eben anderer Meinung als die Fraktionsmehrheit, begründete Eimer sein Abstimmungsverhalten. Mit den neun Stimmen der CDU-Fraktion wurde der Verwaltungsvorschlag angenommen. Die anderen Parteien votierten dagegen. Der Beschluss muss nun noch vom Rat bestätigt werden.

Der Beschluss beinhaltet, dass die Stadt Eigentümerin des Archivguts bleibt, das vom jetzigen Standort in der Adam-Riese-Schule in das Erwin-Heerich-Haus verlagert wird, sobald die Verwaltungsmitarbeiter wieder in das Rathaus Büderich zurückziehen können. Dazu wird es einen zusätzlichen, neu zu errichtenden Trakt geben. Die Stadt stellt dem Kreis diese Räume unentgeltlich zur Verfügung und trägt alle Kosten für notwendige Instandsetzungen und Renovierungen.

Vor der Entscheidung zur Übernahme der Betriebsträgerschaft durch den Rhein-Kreis Neuss gab es eine lebhafte Debatte der Ausschussmitglieder mit dem Leiter des Kreisarchivs, Stephen Schröder. Der bemühte sich, die Vorteile dieser Vereinbarung herauszustellen. Etwa die höhere Personalausstattung, die es erlaube, auch im Krankheits- oder Urlaubsfall Präsenz zu zeigen. Zudem sei das Personal spezialisiert und könne daher ein breiteres Spektrum abdecken. Spezielle und vielfach kostenintensive Archivtechnik könne gemeinschaftlich genutzt werden: In einer Datenbank können die Bürger dann von einem Archivstandort aus über die Bestände sämtlicher Standorte nach geeigneten Archivalien zu einem bestimmten Thema recherchieren. Und nicht zuletzt die Kosten: Laut Verwaltungsvorlage sind diese bei einer Partnerschaft um 77.000 Euro pro Jahr geringer.

„Wir können keine größeren Synergieeffekte erkennen“, meinte Klaus Rettig von der FDP. Die Kostenersparnis sei zu gering. Zudem sei der Standort Zons zu weit weg, wenn Bürger oder Schülergruppen im Archiv Akten einsehen wollen. Überhaupt seien viele Archivalien inzwischen digitalisiert, sodass die Bürger online auf die Materialien vieler Archive zurückgreifen könnten. Da brauche es keine vertragliche Zusammenarbeit. Dem widersprach Schröder. Nur rund zehn Prozent der Materialien könnten online gestellt werden, während bei den übrigen Unterlagen Daten- und Persönlichkeitsschutz dieses nicht erlauben. Da könne der Interessent nur vor Ort Einblick nehmen. Er wies auch darauf hin, dass das Kreisarchiv bereits einen Spezialscanner zur schonenden Digitalisierung von Archiv- und Bibliotheksgut sowie einen Spezialstaubsauger zur Entfernung von inaktiven Schimmelsporen angeschafft habe, die dann auch dem Meerbuscher Archivgut zur Verfügung stünden.

„Wir haben Sorge, dass wir nicht mehr Herr des Verfahrens sind, wenn wir die Verwaltung unseres Archivs aus der Hand geben“, sagte Nicole Niederdellmann-Siemes (SPD). Sie befürchte, dass das Kreisarchiv nur die Pflichtaufgaben in Meerbusch erledige und weniger mit Herzblut bei der Sache sei. „Es steht uns gut an, im 50. Jahr des Bestehens der Stadt Meerbusch ein eigenes Archiv zu haben.“ Sie berief sich dabei auf das Vermächtnis von Peter Dohms, seinerzeit Leiter des Hauptstaatsarchivs in Düsseldorf, der seinen Parteikollegen davon abgeraten hätte, das Meerbuscher Archiv aus der Hand zu geben.

Für Jürgen Peters (Bündnis 90/Grüne) waren weniger mögliche Synergieeffekte wichtig als vielmehr die politische Betrachtung: „Wir sind für ein eigenständiges Archiv.“ Marc Becker (Linke/Piraten) betonte: „Man gibt das eigene Gedächtnis nicht ab.“ Klaus Rettig stieß sich auch daran, dass der Vertrag erstmalig zum 31. Dezember 2030 gekündigt werden kann, aber der von Meerbusch überwiesene Pauschalbetrag für die Personalkosten schon 2023 erhöht werden könnte, wenn die offiziellen „Kosten eines Arbeitsplatzes“ gestiegen seien.

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