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Meerbusch: Plan: Jugendcafé im Pappkarton

Meerbusch : Plan: Jugendcafé im Pappkarton

Der Jugendhilfeausschuss hat jetzt das endgültige Aus fürs geplante Jugendcafé im Alten Güterbahnhof Osterath beschlossen. Grund: explodierende Baukosten. Kommt das Jugendcafé nun in den leer stehenden "Pappkarton"?

Osterath/Strümp Das Jugendcafé ist tot — es lebe das Jugendcafé: Geht es nach den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses soll das zunächst im Alten Güterbahnhof Osterath geplante, dann wegen zu erwartender explodierender Baukosten (insgesamt 835 000 Euro statt zunächst kalkulierter 500 000 Euro) jetzt endgültig zu Grabe getragene Jugendcafé schnell einen alternativen Standort finden. "Stellplätze, Statik, Schallschutz und ein neues Dach wären am Alten Güterbahnhof notwendig", erläuterte Claus Klein vom Servicebereich Immobilien die hohen Plankosten fürs Jugendcafé in Osterath.

Die Politiker beauftragten die Verwaltung, einen neuen Standort zu suchen — und machten direkt einen Vorschlag: den ebenfalls im städtischen Besitz befindlichen "Pappkarton" in Strümp. Die Räume am Fouesnant-Platz stehen leer, seit der Betreiber "JIM" im Jahr 2010 Insolvenz anmeldete.

Ursprünglich hatte die Verwaltung den "Pappkarton" dafür vorgesehen, den Offenen Ganztag der Martinus-Grundschule dort unterzubringen. Dieser Plan könnte sich aber erübrigen: Die Förderschule in Strümp soll wegen geringer Anmeldezahlen in die Trägerschaft des Kreises übergehen, der Unterricht andernorts stattfinden. So prüft die Stadtverwaltung nun, im Gebäude der Förderschule sowohl eine Kindertagesstätte (im Erdgeschoss) als auch einen Offenen Ganztagsbereich (im Obergeschoss) unterzubringen.

Die Zeit für ein Jugendcafé drängt: Der "Pappkarton" in Strümp ist schon lange keine Veranstaltungsstätte mehr, auch die "Offene Tür St. Pankratius" ist geschlossen, und der "Sky-Club" in Osterath steht vor der Schließung. Angebote für Jugendliche in Meerbusch sind damit Mangelware.

Der Verein Musikszene Meerbusch (ehemals "Rock am Turm") wollte das Jugendcafé im Alten Güterbahnhof betreuen und hatte die Verwaltung scharf kritisiert, weil sie empfahl, das Projekt aus Kostengründen nicht weiterzuverfolgen — und auch, weil sie die Betroffenen nicht direkt darüber informierte. Dennoch sei die Musikszene Meerbusch offen, ein Jugendcafé auch in einem anderen Gebäude zu unterstützen. "Die Stadt muss uns allerdings ansprechen, wir drängen uns da nicht auf", sagte Norbert Stirken von der Musikszene.

Unklar ist nach Angaben der Verwaltung zurzeit, ob die zweckgebundenen Spenden auch für ein Jugendcafé im "Pappkarton" zur Verfügung stünden. Und ein Problem, so wurde im Jugendhilfeausschuss ebenfalls deutlich, hat auch der "Pappkarton": Wegen der Anwohner müssen Veranstaltungen dort aus Lärmschutzgründen um 22 Uhr enden.

(RP/jco)