Meerbusch Perfekt: die Superdose

Düsseldorf · Für den Meerbuscher Delikatessenpapst Ralf Bos ist die Konservendose das Verpackungsmittel schlechthin: Es macht haltbar, überdauert jede Katastrophe und im Notfall kann man gleich aus ihr essen.

Dass hätte sich Napoleon sicher nicht träumen lassen: Er setzte 1795 einen Preis für ein Verfahren aus, mit dem Nahrungsmittel haltbar gemacht werden können. Die Summe strich schließlich der Pariser Konditor Nicolas Appert ein. Er verwendete zwar Glasflaschen, gab damit aber dem britischen Kaufmann Peter Durand den Anstoß, Blechkanister zu nutzen.

Diese Erfindung wurde 1810 patentiert. Und damit feiert die Konservendose in diesem Jahr 200. Geburtstag. "Sie hat auf der ganzen Welt Millionen von Menschen vor dem Hungertod gerettet", lobt Ralf Bos die Jubilarin. Der Geschäftsführer der Delikatessversand Bos Food GmbH Meerbusch ist nicht nur Restaurantfachmann, er fungiert auch als Kurator der Organisation "Menschen für Menschen" und als Initiator der Aktion "Spitzenköche für Afrika".

Im Zuge dieses sehr erfolgreichen Engagements hat er verstärkt den Wert der Konservendose kennengelernt: "Transport und Lagerung betreffend ist sie jeder anderen Lebensmittelverpackung überlegen." Den Beweis lieferte 2002 der Fund von Dosenbrot aus dem Zweiten Weltkrieg: Der Inhalt war auch nach über 50 Jahren noch essbar.

So hat Napoleon mit der Suche nach einer Möglichkeit, seine Soldaten trotz Plünderungen ernähren zu können, Geschichte geschrieben. Aber der Inhalt der Dosen aus Weiß- oder Aluminiumblech ist nicht nur im Krieg Lebensretter. "Sie kann unter den widrigsten Bedingungen und bei jedem Wetter überall auf der Welt bereitgestellt werden", ergänzt Ralf Bos. Dabei hat der gelernte Koch im Alltag lediglich mit einer Dose zu tun, die "keine richtige Konservendose und damit ein Zwitter ist". Denn im Büdericher Delikatesshandel wird in der Stahlblech-Verpackung ausschließlich Kaviar angeboten: "Das ist die einzige Konservendose, deren Inhalt für rein kulinarischen Genuss bestimmt ist."

Aber schließlich spricht auch das für die Vielseitigkeit der Erfindung, die heute mit hoch technisierten Maschinen verschlossen wird. Die Dose ist also mit der Zeit gegangen, und deshalb gibt es sie 200 Jahre, nachdem sie das Licht der Welt erblickte, auch Mikrowellen geeignet.

Ralf Bos aber ist mit seinem Loblied auf das Geburtstagskind noch nicht zu Ende: "Diese Verpackung ist perfekt für jede Krise oder jede Umwelt-Katastrophe. Im Notfall kann man direkt aus ihr essen, und bei Bedarf eignet sie sich auch, um den Inhalt zu erhitzen." Die Büchse, von der bei den Herstellern bis zu tausend Stück pro Stunde vom Band laufen, ist also immer noch gut im Geschäft. Und eine Campbell-Suppendose hat es sogar bis ins Museum für Moderne Kunst in New York gebracht.

(RP)
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