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Osternester online suchen in der Arche Noah

Video-Rundgang : Osternester online suchen in der Arche Noah

Wegen Corona ist die Jugendfarm geschlossen, die Einnahmen brechen weg. Das Team überlegt sich Alternativen zum realen Besuch.

Normalerweise wäre es an diesem Wochenende sehr voll in der Arche Noah. Die Mitarbeiter hätten auf dem Gelände der Büdericher Jugendfarm und Streichelzoo an die 200 Osternester, gefüllt mit Schoko-Eiern, versteckt. Und die Kinder wären gekommen, um sie zu suchen. Normalerweise. „Aber seit dem 16. März ist auch bei uns nichts mehr normal“, erzählt Leiterin Michaela Danker, während sie aus Karotten, Kohl, Broccoli und Kartoffeln die Morgensuppe für die Schweine kocht. „Wegen Corona steht der Betrieb still.“ Eigentlich würde jetzt, im Frühjahr, die Hauptsaison beginnen, in der die Arche die Einnahmen wieder reinholt, die wegen der Winterpause fehlen. Danker: „Aber das Schöne ist: Die Meerbuscher haben uns auch in der Krise nicht vergessen – das zu wissen, tut sehr gut.“

Eine Dame hat spontan 500 Euro für die Arche Noah gespendet, und der Schuppen mit gestifteten Futtersäcken ist voll wie lange nicht. „Ich habe auf Amazon eine Futter-Wunschliste eingerichtet, die gut angenommen wird“, so Danker. Außerdem haben zwei Dachdeckerfirmen aus Krefeld während der Betriebspause kostenlos das marode Dach des Futterhauses saniert. „Sie haben einen komplett neuen Dachstuhl gebaut, das Dach gedämmt und sogar die Ziegel besorgt“, sagt Michaela Danker. „Seit Mittwoch sind auch die Giebel verschiefert: ich bin total begeistert von dem Ergebnis.“ Und das heißt was: Danker ist selbst Dachdeckermeisterin.

Die Esel Benito und Noah spielen Ball, während ihre Ställe gesäubert werden. Foto: ena

Das Team versucht, das beste aus der Zwangspause zu machen. Ställe und Wege bekommen einen gründlichen Frühjahrsputz. An einer Außenweide zu Düsseldorfer Straße wird ein Zaun montiert. „Wir möchten die Weide künftig nutzen und wollen verhindern, dass Hunde darauf laufen oder Spaziergänger die Tiere füttern.“ Und auch die Eiersuche fällt nicht komplett aus. „Wir haben uns überlegt, dass die Kinder am Ostersonntag online suchen können“, sagt Danker. Die Anmeldung ist bis Samstagabend möglich, alle Informationen gibt es auf der Facebookseite der Arche Noah. Gemeinsam mit Ilona Appel, die sie vom Stadtjugendring kennt, hat Danker einen Testlauf gestartet, der gut geklappt hat. „Per Videokonferenz können die Kinder mich übers Gelände schicken, bis sie das Nest gefunden haben.“ Diesen virtuellen Rundgang will sie auch nach Ostern weiter anbieten. „Wir stellen uns das so vor, dass die Kinder beispielsweise sagen ;Streichel Benito!’ oder ,Füttere das Schaf!’ und ich mache das dann. So können die Kinder sehen, was bei uns los ist, und wir verdienen ein bisschen Geld.“

Parallel geht der Alltag weiter. „Im Moment habe ich eine Sieben-Tage-Woche“, sagt die Arche-Chefin. „Die Tiere müssen weiterhin versorgt werden.“ Von den sonst rund 30 Jugendfarm-Kindern, die regelmäßig helfen, dürfen aktuell nur drei kommen. „Aber mein Sohn Felix ist jeden Tag hier und hilft uns.“ Der 16-Jährige ist Handballer und trainiert sonst täglich. „Ställe ausmisten ist nicht dasselbe wie Sport, aber es macht Spaß“, sagt er.

Wie neu: Dachdecker haben das Futterhaus kostenlos repariert. Foto: ena

Das 14 Jahre alte Mini-Pony Flocke und Pony Heidi (21) leben erst seit Kurzem in der Arche, ihre direkten Nachbarn sind Schafe und Enten. Die Ponys wissen noch gar nicht, wie sich der normale Alltag in der Arche anfühlt. Mit Flocke, die gerade mal 79 Zentimter groß ist, hat Michaela Danker viel vor, wenn die Corona-Krise endlich vorbei ist: „Wir wollen ein Vorschulprogramm starten und mit Flocke in Kindergärten gehen, aber auch ins Seniorenheim.“ Michaela Danker beobachtet, dass die derzeitige Ruhe gerade den sehr alten Tieren gut tut. „Ich merke, wie die runterkommen“, sagt sie. „Aber die meisten Tiere vermissen den Trubel sehr.“

Jugendfarm Arche Noah Meerbusch Foto: ena

Auch Hildegard Miedel, Gründerin der Arche Noah, vermisst ihre Tiere und das Team. Aber wegen der Infektionsgefahr lässt die 86-Jährige ihre sonst regelmäßigen Besuche ausfallen. „Wir telefonieren aber täglich“, erzählt Michaela Danker. Und wenn die Sehnsucht zu groß wird, so erzählt es Hildegard Miedel selbst, dann schaue sie in der Mittagspause in der Arche vorbei. „Dann bin ich allein mit den Tieren.“