1. NRW
  2. Städte
  3. Meerbusch

Meerbusch: "Osterath ist Schlummerland"

Meerbusch : "Osterath ist Schlummerland"

Die Mobile Redaktion der Rheinischen Post machte Freitag beim Markt auf der Hochstraße Station. Viele Osterather sehen in der Verkehrssituation und mangelndem Marketing die Hauptursachen des Geschäftesterbens.

Wie tun gegen das Ladensterben in Osterath? Darum ging es Freitag bei der Mobilen RP-Redaktion auf der Hochstraße. Andrea Fink (Marien-Apotheke) plädiert für eine direkte Durchfahrt vom Bahnübergang in die Meerbuscher Straße — ohne erzwungenen Umweg über den Kreisverkehr — und für eine Öffnung der Schranke am Bommershöfer Weg und der Hochstraße für den Autoverkehr.

Der neue Meerbuscher RP-Redaktionskoordinator Martin Röse (3.v.r.) im Gespräch mit Meerbuschs SPD-Vorsitzender Heidemarie Niegeloh, Jürgen Bergert (Vorsitzender Pro Osterath) und SPD-Ratsherr Hans-Günter Focken. Foto: Boris Schmidt

Speziell viele Senioren würden sich wünschen, mit dem Auto gut zu den Geschäften zu kommen und dort kurz parken zu können, so Fink. EIne gute Erreichbarkeit der Geschäfte sei wichtig, bestätigt Manfred Marx. Er hatte eine Bäckerei an der Kaarster Straße. "Als die Straße abgepollert wurde, gingen die Umsätze in den Keller." Vor 15 Jahren schloss er das Geschäft, einen Nachmieter fand er nicht. "Wir haben das Haus dann verkauft." Schumachermeister Günter Schellenberger hat sein Ladenlokal ebenfalls an der Kaarster Straße. "Ich bin der einzige Dienstleister, der noch da ist." Nicole Roelvink plädiert für Marketing-Aktivitäten von Stadt und Einzelhändlern: "Das hier ist doch Schlummerland", warf sie in die Runde.

Osterath sollte sich mal Städte im Sauerland zum Vorbild nehmen, die mit interessantem Marketing für sich werben. Handlungsbedarf angesichts der vielen Leerstände sieht auch Eva Timm. Es fehle das nötige Flair: "Die Stadt ist gefordert." Passiere nichts, drohe dem Ort bald eine Invasion der ,Billigheimer'." Als Positiv-Beispiel für einen Laden, der durch Konzept und Qualität überzeuge, nannte sie die Musikkneipe Kanapee. Sie erntete Zustimmung von Albrecht Korff: "Wirte, die etwas tun, werden auch dafür belohnt." Unternehmer, die seit Jahren nicht auf den Markt reagierten, seien letztlich selbst schuld, wenn es mit ihren Geschäften bergab gehe.

"Unternehmern wird es aber in Osterath auch nicht leicht gemacht — die Stadt gibt sich bei der Nutzung der Außenflächen oder beim Denkmalschutz sehr bürokratisch", sagte Maxi von Zittwitz von der Buchhandlung Mrs. Books. Dass viele Ladenlokale leerstehen, sei auch der Unsicherheit vor dem Bau des Frischemarkts geschuldet. "Da gibt es bei den Händlern eine Art Schockstarre." Und sie sagte den Osterathern: "Wenn die Geschäfte im Ortskern nicht sterben sollen, dann müssen die Osterather auch hier einkaufen." Manfred Köllges unterstrich, dass die geplante Bahnunterführung für den Aufschwung des Ortes sehr wichtig sei. Hans-Günter Focken (SPD) schlug ein neues Verkehrskonzept vor, das es ermöglichen soll, den Osterather Ortskern sternförmig anzufahren.

Die gute Nachricht des Tages kam von Gabriele Münks. Sie will im Oktober ein Geschenkartikel-Geschäft im leer stehenden ehemaligen Radsport-Laden an der Meerbuscher Straße eröffnen.

(RP/ac)