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Meerbusch: Ostara ohne Öko-Kraftwerk

Meerbusch : Ostara ohne Öko-Kraftwerk

Auf dem Ostara-Gelände war Deutschlands größtes Holzentgasungs-Blockheizkraftwerk geplant. Doch das ökologische Vorzeigeprojekt verspricht zu riskant zu werden. Nun müssen schnell Alternativen auf den Tisch.

CDU und Grüne legen bei der Planung des Ostara-Neubaugebiets großen Wert auf nachhaltige und ökologische Entwicklung. Investor Carat ging auf diese Wünsche ein und präsentierte vor einem Jahr den ambitionierten Plan, das Gelände durch ein mit täglich 20 Tonnen Holzpellets betriebenes Ein-Megawatt-Kraftwerk mit "grünem" Strom und Wärmeenergie zu versorgen. Es wäre die größte Anlage dieser Art in Deutschland. Ein ökologisches Vorzeigeprojekt, das den Grünen die Zustimmung zur Ostara-Planung mitsamt 4000-Quadratmeter-Frischemarkt wesentlich erleichterte.

Nun kam überraschend das Aus für das Großprojekt. Grund ist das hohe Risiko, mit der Anlage Verluste einzufahren. Albert Lopez, Geschäftführer der Wirtschaftsbetriebe Meerbusch (WBM), stellte im Planungsausschuss die Zahlen vor. Ergebnis: Das Kraftwerk wirft nur Profit ab, wenn es sowohl Frischemarkt und die 105 Wohneinheiten mit Strom und Wärme versorgt und deutlich länger als 6250 Stunden im Jahr (das heißt 71 Prozent) Tag und Nacht Holz verfeuert. Sollte die Anlage lediglich 5000 Stunden laufen, läge das Minus bereits bei 194 000 Euro. Bei 2500 Betriebsstunden gerate man mit 451 000 Euro in die roten Zahlen. Erfahrungen aus kleineren Kraftwerken zeigten, dass durchaus das Risiko besteht, dass die Anlage längere Zeit still liegt. Besonders teuer werde zudem der Aufbau des Fernwärme-Netzes, da 105 Wohneinheiten eine für ein solches Projekt sehr geringe Zahl sei. "Ökologisch ist so ein Kraftwerk interessant, aber wirtschaftlich nicht sinnvoll", so Lopez' Fazit. Der Vortrag überzeugte den Ausschuss: "Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache", so Grünen-Fraktionschef Jürgen Peters.

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Jetzt steht die Politik unter Zeitdruck, denn bis zur Sitzung am 17. Mai sollte klar sein, wie die Energieversorgung geregelt wird. CDU und Grüne hatten im Juni beschlossen — falls das Kraftwerk nicht gebaut wird — das Ostara-Gelände "ausschließlich" über regenerative Energieformen zu versorgen. Das könnte jetzt zum Problem werden. "100 Prozent regenerative Energie ist technisch nicht möglich. Ganz ohne fossile Energie wäre es auch beim Blockheizkraftwerk nicht gegangen", warf Bernd-Martin Koch (Carat) ein. Zu Spitzenzeiten hätte man auf Energie aus Nicht-Alternativen Quellen zurückgreifen müssen.

Nun wollen WBM und Carat neu nachdenken. Im Gespräch sind dezentrale Geothermie-Anlagen, die etwa jeweils einen Häuserblock mit Wärme versorgen könnten. Meerbusch gilt als hervorragender Erdwärme-Standort. Grünen-Ratsherr Peters unterstrich, dass neben Geothermie und Solarenergie noch weitere alternative Energiequellen geprüft werden sollten.

"Wir werden das Problem zu Ihrer Zufriedenheit lösen", sicherte Koch den Politikern zu. Das ursprünglich für das Kraftwerk vorgesehene Grundstück soll weiter als Gewerbefläche ausgewiesen bleiben.

(RP)