Osterather in Südafrika: Oliver und die Affenbabys

Osterather in Südafrika : Oliver und die Affenbabys

Zehn Wochen hat Oliver Gold für ein Affenprojekt in Südafrika gearbeitet. Jetzt fliegt der Osterather wieder hin: für sieben Monate.

Ein Moment ist Oliver Gold besonders in Erinnerung geblieben, ob er nun schön war oder doch eher traurig, kann der 18-Jährige gar nicht so genau sagen. Viele Schichten hatte er als freiwilliger Helfer in der Auffangstation für Waisenaffen mit Janet verbracht, einem Baby, drei bis vier Wochen alt. Dann war der Zeitpunkt des Abschieds gekommen, die Pfleger mussten raus, die Adoptiv-Affenmutter sollte übernehmen. Aber Baby Janet klammerte sich fest an Oliver. „Sie war richtig anhänglich“, erinnert sich der Osterather. Ein zweiter Freiwilliger musste dabei helfen, die beiden zu trennen. Dass es so kommen musste, wusste Oliver. Schließlich ist es der Grundsatz der „Vervet Monkey Foundation“, dass die Affen möglichst frei in der Natur und mit möglichst wenig Kontakt zu Menschen aufwachsen und später leben können. In diesem Moment aber fiel der Abschied nicht leicht: Das Affenbaby klammerte sich an den Käfig und schrie. „Am nächsten Tag hatte sie sich aber mit der Affenmutter gut eingewöhnt und mich wahrscheinlich schon vergessen.“

Janet mag Oliver vergessen haben, er denkt aber noch viel an sie und die anderen Grünen Meerkatzen, um die er sich in Südafrika gekümmert hat. Im Garten seines Elternhauses in Osterath hat er sein Laptop aufgeklappt, zeigt Bilder von den zehn bisher wohl aufregendsten Wochen seines Lebens. „Ich habe nicht erlebt, dass mein Sohn schon mal so Feuer und Flamme für etwas war“, sagt sein Vater Michael – damit habe er auch die Familie schon etwas angesteckt.

Tolle Sonnenuntergänge konnten die Freiwilligen von einem Baumhaus aus beobachten. Foto: Oliver Gold

Mehr durch Zufall landete Oliver Gold in der Provinz Limpopo im Nordosten Südafrikas bei der „Vervet Monkey Foundation“, einer Nichtregierungsorganisation (NGO). Nach dem Abi wusste er nur, dass er nicht sofort anfangen wollte, zu studieren. Viele Freunde gingen für ein Jahr nach Australien oder Neuseeland, machten Work-and-Travel. „Das Problem war aber, dass ich erst 17 war, dadurch fielen viele Optionen weg.“ Also suchte er nach kürzeren Projekten, Freiwilligenarbeit, irgendwas mit Natur- oder Tierschutz. „Viele dieser Angebote sind aber sehr kommerziell, da kann man für zwei Wochen Schildkrötenbetreuen in Australien schon mal 3000 Euro für zwei Wochen bezahlen“, sagt Oliver.

Also suchte er weiter, und wurde fündig: In Südafrika kümmert sich die NGO um Grüne Meerkatzen, die wohl weit verbreitetste Affenart in der Region. Diese ist zwar nicht vom Aussterben bedroht, aber „in Südafrika ungefähr so beliebt wie Tauben oder Ratten in deutschen Großstädten“, sagt Oliver. Bis vor ein paar Jahren seien sie sogar als offizielle Plage bekannt gewesen.  Weil immer mehr Felder von Landwirten genutzt würden, seien die Grünen Meerkatzen aus ihrer natürlichen Umgebung vertrieben worden. Auf Futtersuche plünderten sie aber die Ernte der Bauern – und verspielten sich damit sämtliche Sympathiepunkte. Im Schutzgebiet der Organisation wird ihnen ein sicheres Leben ermöglicht.

In Gehegen sollen die Affen möglichst wie in der Natur leben. Foto: Oliver Gold

Etwa 600 Affen leben in den Gehegen der NGO auf einem 26 Hektar großen Gelände. Damit die Tiere sich nicht zu stark vermehren, sind alle Männchen kastriert. Dennoch kommen immer wieder neue hinzu, die verletzt oder einsam gefunden wurden. Nach medizinischer Betreuung kommen die Neuankömmlinge dann in Käfige, die um die großen Gehege verteilt sind, und werden so langsam an die anderen Bewohner gewöhnt.

Oliver Gold bereitet mit Einheimischen die Futternäpfe für die Grünen Meerkatzen vor. Foto: Oliver Gold

Mitte Januar reiste Oliver Gold nach Südafrika, zehn Wochen war eine Holzhütte sein Zuhause, mit bis zu 45 anderen Freiwilligen lebte und arbeitete er dort während der Baby-Hochsaison. Mal schnitt er Rüben, Kürbisse und Kohl klein, verteilte es auf Essensschalen. Mal trug er diese aus, brachte den Tieren Wasser. Dann half er auf der Krankenstation mit, betreute dort alte und kranke Meerkatzen.

Nicht nur die Affen, auch das Land hat Oliver lieben gelernt: An seinen freien Tagen unternahm er mit der Gruppe Ausflüge in den Krüger-Nationalpark oder zum Blyde River Canyon, saß abends am Lagerfeuer mit anderen Freiwilligen aus Deutschland, Frankreich und England, aber auch aus den USA, Indien oder Mexiko zusammen, beobachtete Sonnenuntergänge von  einem Baumhaus aus, das auf dem Gelände der Organisation steht. Dreimal täglich wurde für die Freiwilligen gekocht: vegan, ein Grundsatz der Organisation. „Ich war vorher etwas skeptisch, was mich da erwartet“, sagt Oliver. „Aber seitdem ich wieder zu Hause bin, esse ich auch fast komplett vegetarisch.“

Zu sehr sollte er sich auch nicht umgewöhnen, denn der nächste Flug ist schon gebucht: Dem 18-Jährigen hat es so gut gefallen, dass er einen zweiten Trip geplant hat. Anfang September fliegt er wieder nach Südafrika, dieses Mal für sieben Monate. „Die Leute, das Land, die Affen – es hat mir einfach super gefallen“, sagt er. Außerdem seien viele seiner neu gefundenen Freunde noch immer oder wieder vor Ort, mit ihnen will er sich weiter um die Tiere kümmern. Um sich das leisten zu können, geht Oliver arbeiten. Im Geschäft des Obsthofs Mertens in Büderich steht er an der Kasse und spart alles, was er sich so dazu verdient.

Die verbleibende Zeit in Deutschland nutzt er auch, um Spenden zu sammeln. „Die Organisation will in Zukunft ein 500 Hektar großes geschütztes Gelände kaufen und dort ein Tierschutzreservat eröffnen“ sagt er. Dort würden dann die Tiere, die jetzt auf der Farm leben, ausgewildert. Neue bedürftige Affen könnten dann wieder in die Gehege ziehen.

Das kostet: Oliver hat sich zum Ziel gesetzt, genug Geld für zwei Hektar zu sammeln. Das sind umgerechnet 2250 Euro. Auf Familienfeiern hat er eine Spendenpräsentation gehalten, er hat Flyer verteilt, stand mit einem Infostand auf dem „Dog-Event“ in Düsseldorf und hat außerdem eine Spendendose an der Kasse im  Obsthof Mertens aufgestellt. Genug Geld für einen Hektar hat Oliver bereits zusammen.

Ist er aufgeregt oder überwiegt die Vorfreude auf das zweite Abenteuer? „Es ist eine Mischung aus beidem“, sagt Oliver. „Ich weiß, was mich erwartet und freue mich auf die Leute dort. Gleichzeitig sind sieben Monate natürlich auch eine lange Zeit.“ Zu lang, um den Sohn gar nicht zu sehen, finden seine Eltern. Der Südafrika-Urlaub Anfang des kommenden Jahres mit Stopp bei der „Vervet Monkey Foundation“ ist daher schon geplant.

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