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Meerbusch: NS-Fresko: Politiker ratlos

Meerbusch : NS-Fresko: Politiker ratlos

Diskussion um NS-Fresko im Büdericher Verwaltungsbau: Denkmalbeauftragte Dr. Vogelsang schlägt die Einrichtung des ersten deutschen Mahnmals für junge Opfer des Krieges vor. Politik will Gutachten im kommenden Jahr.

BÜDERICH Zehn Quadratmeter perfide NS-Propaganda — hübsch verpackt in einem idyllisch-bunten Fresko voller blonder Bauern, junger Mütter und uniformierter Büdericher Kinder unterm Hakenkreuz: Hinter dem Putz des Verwaltungsbau-Foyers am Dr.-Franz-Schütz-Platz liegt eine "künstlerische" Altlast des Dritten Reichs. Der Politik bereitet der Umgang mit dem Bild von 1939 seit Monaten Kopfzerbrechen.

Im Kulturausschuss startete die ehrenamtliche Denkmalschutzbeauftragte Dr. Rosemarie Vogelsang einen überraschenden Vorstoß: Die resolute Expertin für Lokalgeschichte schlägt die Einrichtung eines Mahnmals für junge Opfer des Krieges vor — mit dem freigelegten Fresko als zentralem Objekt. Es wäre die erste Gedenkstätte dieser Art in Deutschland.

In der Politik deutet sich derweil Einigkeit an, dass zur Zukunft von Verwaltungsbau und Fresko ein Gutachten her soll. Geld könnte dafür im 2012er Haushalt bereitgestellt werden. 2008 hatte die Politik beschlossen, das ehemalige HJ-Heim zum Mahnmal zu machen. Es passierte allerdings nichts.

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Dr. Rosemarie Vogelsang hielt ein von eigenen Erlebnissen geprägtes, flammendes Plädoyer für die Erinnerung an die vom Regime verheizten und durch Kriegseinwirkung getöteten Kinder und Jugendlichen. Sie selbst kannte viele davon: "Ein Freund, der 18-jährig mit mir Karl May gelesen hat, liegt in einem Stahlsarg im Atlantik". Eine zwölfjährige Spielkameradin sei bei einem Bombenangriff von Mauertrümmern erschlagen worden. Dr. Vogelsang — selbst zwischen 1940 und 1945 Mitglied der NS-Staatsjugend — recherchierte allein 72 Namen junger Gefallener. Heutige Jugendliche könnten anhand des Freskos die Methoden durchschauen, mit denen die NS-Propaganda Kinder und Jugendliche verführt habe. Eine nur teilweise Freilegung lehnt die 81-Jährige energisch ab.

CDU-Ratsherr Mike Kunze, Lehrer und Historiker, sähe das Gedenken an kriegstote Kinder als "Alleinstellungsmerkmal". Er schlug vor, dass sich Schüler von Mataré- Gymnasium und Gesamtschule mit dem Thema befassen sollten: Im Stadtarchiv liege viel interessantes Material. Inge Fremerey (FDP) regte an, dass Meerbusch sich in anderen Städten über den Umgang mit NS-Bildern informieren solle.

Nicole Niederdellmann-Siemes (SPD) forderte, nicht nur auf das Fresko zu schauen, sondern ein Gesamtkonzept zur Nutzung des Gebäudes zu erstellen. Georg Neuhausen (SPD) konstatierte, bei der Frage nach dem Umgang mit dem NS-Gedenken sei eine Erweiterung auf ganz Meerbusch nötig. Bisher existierten lediglich die voneinander isolierten Denkmäler in den Ortsteilen. Die Grünen haben sich bereits gegen die Fresko-Freilegung ausgesprochen. Ihre Vorsitzende Inge Maas unterstrich, das Haus dürfe nicht zur rechten Wallfahrtsstätte werden.

(RP)