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Norbert Schöndeling ist in Meerbusch neuer Denkmalbeauftragter

Historisches Meerbusch : Meerbuschs Anwalt für die Denkmäler

Norbert Schöndeling, Professor für Denkmalpflege an der TH in Köln, ist neuer Denkmalbeauftragter in Meerbusch. Der Osterather sieht Denkmäler als lebendige Zeitzeugnisse, die durchaus unbequem sein können.

Erst Dienstag. Aber Norbert Schöndeling freut sich schon aufs Wochenende. „Dann führe ich eine Fahrradgruppe durch Osterath und zeige ihr die Geschichte des Ortes“, sagt er. „Ich mag es, wenn die Leute überrascht sind, wie viele historische Spuren es in Osterath gibt.“ Der 60-Jährige lächelt: „Aber manchmal wundere mich auch, dass selbst die älteren Osterather so wenig über ihre Heimat wissen.“

Denkmalpflege braucht Öffentlichkeit, sagt Schöndeling. Und als neuer ehrenamtlicher Denkmalbeauftragter der Stadt Meerbusch will er dazu beitragen und „ein unabhängiger Anwalt für Denkmäler“ sein. Denn einen unmittelbar weisungsbefugten Vorgesetzten hat der Denkmalbeauftragte nicht. Die Mitglieder im Kulturausschuss der Stadt haben den Osterather für die nächsten fünf Jahre einstimmig zum Nachfolger der erkrankten Rosemarie Vogelsang gewählt. „Dass ich von allen Fraktionen so viel Zuspruch bekommen habe, macht es für mich leichter“, sagt Schöndeling, der auch Brudermeister der St. Sebastianus Bruderschaft Osterath 1475 ist. „Ich freue mich, dass ich etwas für Meerbusch tun kann.“

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Seit 2003 hat Schöndeling die Professur für Denkmalpflege an der TH Köln inne, bereits seit 1986 lehrt er Studierende. Entsprechend anschaulich beantwortet er Fragen zum Fach: Was Denkmalpflege überhaupt ist? „Wenn man Architektur und Geschichte in einen Topf wirft, kommt Denkmalpflege heraus“, erklärt der Wissenschaftler mit einfachen Worten. Und für beides interessiert er sich.

Ebenso wie sein Vater Theo, der übrigens Mitglied im ersten Meerbuscher Stadtrat war, studierte er Architektur in Aachen. Es folgte das Studium der Denkmalpflege in Bamberg, die Promotion in Baugeschichte wieder in Aachen. Später dann arbeitete Schöndeling für den Landschaftsverband Rheinland und baute das Freilichtmuseum Lindlar mit auf. „Als dann an der TH Köln die Fachgruppe für Denkmalpflege aufgebaut wurde, war ich dort 15 Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter, bevor ich die Professur bekommen habe“, erzählt der Vater zweier erwachsener Kinder. „Ich gehöre also zu den Glücklichen, die sagen können, dass sie ihr Hobby zum Beruf gemacht haben.“ Und apropos Hobby: Schöndeling war es auch, der 1983 gemeinsam mit Robert Rameil den Meerbuscher Geschichtsverein gegründet hat.

Meerbusch als eine Ansammlung von unterschiedlichen Dörfern sei ein „vergleichsweise übersichtliches Denkmalpflaster“, sagt der Fachmann. „Meerbusch hat keine großen Industrieanlagen oder große Werkssiedlungen“, erklärt er. Aber die Landwirtschaft sei beispielsweise prägend für die Stadt. Auch die Meerbuscher Kirchen, die alten wie die modernen, seien wichtige Zeugnisse der Kirchengeschichte. Knapp 170 Denkmäler im Stadtgebiet sind derzeit gelistet. Schöndeling: „Aber eine solche Denkmalliste ist ein Prozess und nie abgeschlossen.“

In seinem neuen Ehrenamt als Denkmalbeauftragter wird Schöndeling den Kulturausschuss unabhängig beraten, genauso wie Bürger und die Verwaltung. „Ich möchte auch Anregungen in Sachen Stadtbild- und Ortsteilpflege geben und auf Missstände hinweisen“, sagt er. Was ihm an Meerbusch gefällt: „Ich habe den Eindruck, dass man sich hier um Stadtentwicklung bemüht, aber gleichzeitig versucht, die Stadtidentität zu erhalten.“ Denn Denkmalschutz bremse keine Stadtentwicklung aus, obwohl manche das fürchteten, erklärt er. „Es geht in jedem Einzelfall darum, gemeinsame Lösungen zu finden.“

Schöndeling selbst mag die ganze Bandbreite an Architektur: „Es gibt sehr schöne Neubauten. Aber alte Gebäude machen die Identität einer Stadt aus. Das muss ein gesunder Mix sein.“ Immer wieder wird er gefragt, was denn nun ein Denkmal sei. Auch hier ist seine Antwort simpel: „Denkmäler sind Geschichtsquellen. Wenn ein Gebäude uns, unseren Kindern und Enkelkindern etwas erzählen kann, dann ist es ein Denkmal.“ Und ein Foto im Bildband könne diese Geschichten eben oft nicht lebendig vermitteln. „Wir brauchen dann das begehbare Gebäude als Originaldokument.“ Er sieht es daher auch eher kritisch, nur die Fassade eines Gebäudes zu erhalten. „Das ist so, als ob man bei einem Buch nur den Einband behalten würde.“ Dann kommt er zum zweiten Aspekt, der ihm wichtig ist: Denkmäler sind nicht immer nur schön und spektakulär. „Im Gegenteil“, sagt Schöndeling. „Sie können spröde, sogar bedrohlich und durchaus unangenehm sein, weil sie uns beispielsweise an unsere dunkelste Zeit erinnern. Aber eben das“, betont der Denkmalbeauftragte, „ist der Sinn von Denkmälern.“