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Nicolas von Lettow-Vorbeck aus Meerbusch erforscht Reise-Gefahren.

Meerbusch : Über eine Sammlung bizarrer Todesfälle

Wie brisant die schönsten Wochen sein können, hat der aus Meerbusch stammende Autor Nicolas von Lettow-Vorbeck erforscht. Seine Sammlung schauriger Reiseerlebnisse präsentiert er am 11. April in der Buchhandlung Gossens.

Reisen ist wunderbar. Reisen bildet. Aber Reisen kann auch ganz schön gefährlich sein. Lebensgefährlich sozusagen. Denn leicht kommt man dabei um. Auf welch bizarre Weise das passieren kann, hat Nicolas von Lettow-Vorbeck in seinem Büchlein „Das Krokodil im Flugzeug“ zusammengetragen.

92 Fälle, eingeteilt in sieben Kapitel wie „Gemeines Getier“, „Katastrophale Kost“, „Niederträchtige Natur“ oder „Folgenschwere Fotos“, eine Kategorie im übrigen, die im Selfie-Zeitalter rasant zunimmt. Den glitschigen Felsen oder den klaffenden Abgrund bemerkt der Tourist, geblendet von der grandiosen Aussicht, leider oft zu spät. Nun muss man erstmal darauf kommen, Dutzende von Todesfällen auf Reisen zu sammeln.

Wie hat es damit begonnen bei dem aus Meerbusch stammenden Autor, der in Berlin lebt? „Es gab im Vorjahr einen dramatischen Zwischenfall mit einem Touristenboot auf Hawaii“, erzählt Nicolas von Lettow-Vorbeck. „Es kam einem Vulkan zu nahe, ein Brocken Lava fiel durchs Dach. Mit genau diesem Boot waren meine Frau und ich kurz zuvor auf unserer Hochzeitsreise unterwegs. Es hat heftig geschaukelt, und wir rochen damals den Schwefel.“

Ihm sei dadurch klar geworden, wie wenig einen oft trenne von der Katastrophe. „Das macht demütig. Aber wir leben nun mal im Zeitalter des Reisens, solche Dinge passieren, wenn sich Millionen Menschen über den Erdball wälzen.“ Rein statistisch sind diese Schauergeschichten zwar gering, „aber hat nicht schon jeder von jemandem gehört, dem unterwegs absurde Dinge widerfahren sind?“, fragt der Autor, der nach „Stadtwild“ nun sein zweites Buch vorlegt. „Das Krokodil im Flugzeug“ stellt er am Donnerstag, 11. April, um 20 Uhr in der Buchhandlung Gossens in Büderich vor.

Die makabre Titelgeschichte ereignete sich bei einem Inlandsflug im Kongo. Kurz vor der Landung entschlüpfte aus einer Sporttasche ein Krokodil und biss um sich. Alle Passagiere rannten Richtung Cockpit, die kleine Maschine geriet ins Trudeln. Nur einer überlebte – von ihm wissen wir um die Ursache des Absturzes. Unter den Tod bringenden Tieren kommen auch gefräßige Tiger, Leoparden und Pumas vor, giftige Schlangen und Quallen. Nicolas von Lettow-Vorbeck erinnert an die Anakonda im Latumer See vom vergangenen Sommer – selbst bei uns könne man sich nicht in Sicherheit wiegen.

Im Internet und in Zeitungen auf der ganzen Welt forschte er nach Unglücksfällen. Und erfuhr, dass man durch Kakteen, Dachlawinen, Sonnenschirme und herab fallende Kokosnüsse sterben kann, durch gepantschten Alkohol, Fleckenwasser, Schlafmohn und Spaghetti. Wie, Spaghetti? Na klar, wenn man sie im Auto verzehrt und nicht aufpasst. Dann wird daraus „Pasta alla morte“. Er habe eine sensible Gratwanderung bewältigen müssen, so Nicolas von Lettow-Vorbeck: „Wie kann man Tragödien respektvoll erzählen, ohne dass es zu bitterernst wird? Am besten würzt man sie mit einer Prise Humor.“

Deshalb garnierte er jeden Fall zur Auflockerung mit launigen Fakten und Überlebens-Tipps. Liest sich süffig, das alles. Eine Urlaubslektüre der etwas anderen Art.