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Meerbusch: Neues Zelt: Zirkus Hansa fast gerettet

Meerbusch : Neues Zelt: Zirkus Hansa fast gerettet

Hinter den Kulissen werden viele Spenden für den durch den Sturm in Not geratenen Zirkus Hansa gesammelt. Ziel ist, dass Artisten und Künstler Weihnachten im neuen Zelt feiern können. Nur noch 6000 Euro fehlen.

Als in der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober ein schweres Unwetter über Meerbusch fegte, waren Feuerwehr und Polizei im Dauereinsatz. Zahlreiche Bäume stürzten um und eine Windböe erfasste das Zelt des Zirkus Hansa, der auf dem HansLampenscherf-Platz in Osterath gastierte.

Einen Tag später stand fest: Das Zelt ist nicht mehr zu retten, die Stahlseile waren wie Bindfäden einfach durchgerissen. Ohne das Zelt, das zu bis 1000 Gästen Platz bietet, ist ein Zirkus kein Zirkus mehr. Von einer Minute auf die andere waren die 35 Mitarbeiter des Familienbetriebs arbeitslos. Die rund 60 Tiere mussten allerdings weiter durchgefüttert werden. Schon wenige Tage, nachdem die Meerbuscher vom Schicksal des Zirkus erfahren haben, gab es eine Welle der Hilfsbereitschaft. So wie es nun aussieht, könnten die Artisten Heiligabend in einem neuen Zelt feiern.

Sabine Lemmitz mit Tochter Sina sowie die Osteratherin Ulla Bundrock-Muhs arbeiten mit einigen weiteren Helfern im Hintergrund. "Es fehlen angesichts der Gesamtsumme nur noch etwa 6000 Euro zum neuen Zelt", sagt Bundrock-Muhs. Das neue Zelt steht schon bereit und kostet knapp 30 000 Euro. Ulla Bundrock-Muhs bedankt sich bereits nun bei allen, die gespendet oder feste Zusagen gemacht haben. Doch für den Zirkus gingen nicht nur Geldspenden ein. Viele Bürger brachten Heu- und Stroh für die Tiere vorbei.

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Vom Schicksal der Zirkusfamilie Neigert erfuhr auch Thomas Jochims, Marktleiter des Globus Baumarkts in Osterath. "Um die Spenden auf das neue Zelt zu lenken, sponsert unser Baumarkt nun Gasflaschen bis zum Jahresende", sagt Jochims. Wert: Etwa 2000 Euro. "Wir sitzen an den Abenden zusammen in einem beheizten Raum. Gas brauchen wir auch für warmes Wasser und zum Kochen. Erst, wenn sich die Artisten und die Mannschaft in die Privatwohnwagen zurückziehen, werden die Heizungen dort für kurze Zeit angedreht", sagt Zirkusdirektor Friedrich Neigert. Er verschweigt dabei, dass sich ein Großteil der Truppe bereits seit Wochen mit kaltem Wasser wäscht.

Sollte das neue Zelt in der nächsten Woche da sein, könnte der Zirkus seine Koffer packen und durch Gastspiele wieder Einnahmen erzielen. Die Stadt hatte dem Zirkus bereits eine Frist gesetzt.

Denn der Hans-Lampenscherf-Platz ist großenteils unbefestigt und hat keine Kanalisation. "Er ist für eine solche Situation eigentlich nicht gemacht", sagt Stadtsprecher Michael Gorgs vor kurzem. Dennoch hat die Stadt die Zirkusfamilien gewähren lassen, wollte sich in der Vorweihnachtszeit nicht hartherzig zeigen. Eigentlich sollte der Platz auch für andere Gastspiele zur Verfügung stehen.

Ein Puppentheater sagte bereits zwei Aufführungen in Meerbusch ab, weil der Zirkus noch dort war. Die Mitarbeiter des Zirkus mit ihren Sammelbüchsen stießen auch nicht überall auf ungeteilte Zustimmung. Innerhalb der Stadtverwaltung wurde schon die Möglichkeit eines Darlehens diskutiert, das den Artisten erlaubt, die Stadt zu verlassen.

Nun sieht alles nach einem guten Ende aus. Mit den am Osterather Kirmesplatz abgegebenen Spenden kauft Neigert Heuballen und Kraftfutter. "Die vier Kamele Ivan, Peter, Seppel und Willi werden bald sieben Jahre alt und sind seit Kindheitstagen zusammen. "Ich kann sie doch nicht abgeben", so Neigert.

(RP)