Meerbusch: Neuer Awo-Skandal

Meerbusch : Neuer Awo-Skandal

Der neue Eigentümer der Begegnungsstätte in der Böhlersiedlung in Büderich lässt in Mönchengladbach Hartz-IV-Empfänger als Ein-Euro-Kräfte putzen und kassiert 9,20 Euro die Stunde.

Gerade haben sich die Wogen um die Arbeiterwohlfahrt in Meerbusch geglättet, da ziehen erneut dunkle Wolken auf. Nach der Insolvenz des Kreisverbandes Grevenbroich und der Rettung der Begegnungsstätte und des Kindergartens in Büderich an der Gereonstraße aus der Konkursmasse, gerät nun der neue Eigentümer der Immobilie am Kapittelsbusch ins Zwielicht.

Dem Awo-Kreisverband Mönchengladbach, der das Awo-Haus in der Böhlersiedlung von der Stadt Meerbusch erworben hat und betreibt, wird vorgeworfen, dubiose Geschäfte mit Hartz-IV-Empfängern zu tätigen. Sylvia Bühler von der Gewerkschaft Verdi in Düsseldorf geht sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnete die Vorgänge bei einer 100-prozentigen Awo-Tochter in Mönchengladbach als rechtswidrig.

Zum Hintergrund: Die gemeinnützige Gawo GmbH beschäftigt von der Arge vermittelte Hartz-IV-Empfänger in so genannten Ein-Euro-Jobs. Sie kümmern sich um ältere und behinderte Menschen. Sie lesen ihnen vor, begleiten sie bei Spaziergängen oder erledigen kleinere Besorgungen. 30 Hartz-IV-Empfänger beschäftigt die Gawo für diese Aufgaben und zahlt ihnen dafür 1,50 Euro pro Stunde. Darüber hinaus soll die Awo-Tochter diese Mitarbeiter auch als Putzkräfte eingesetzt und dafür von ihren Kunden 9,20 Euro die Stunde kassiert haben.

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"Eine solche Praxis vernichtet reguläre, sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse", kritisiert Verdi. Ob sich dahinter eine Art des "Sozialbetrugs" verberge und die Vorgänge strafrechtliche Relevanz haben, vermochte Peter Aldenhoff, Sprecher der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach, gestern nicht zu sagen. "Uns sind die Vorfälle noch nicht bekannt."

Uwe Bohlen, Geschäftsführer des Awo-Kreisverbandes, weist die Vorwürfe zurück: "Wir haben keine Gewinne damit gemacht." Die Einnahmen bei den gelegentlichen Putzdiensten von Hartz-IV-Empfängern flössen in die Gesamtkalkulation. Die sei bei der Arge bekannt und habe bisher auch nie zu Beanstandungen geführt. 20 Prozent der Arbeitszeit der Hartz-IV-Empfänger werden für die Weiterbildung eingesetzt.

Je nach Persönlichkeitsbild des Teilnehmers gehörten zu den Fördermaßnahmen Computerkurse, Bewerbungstrainings, Deutschunterricht oder auch fachspezifische Ausbildung, so Bohlen. Die Arge, die die Teilnehmer an die Gawo vermittelt und für sie auch Betreuungspauschalen aus Bundesmitteln bezahlt, wisse von den Einnahmen, die mit den Fördermitteln und den Ausgaben verrechnet werden, beteuert der Awo-Geschäftsführer.

Während die Awo Mönchengladbach sich gegen die Angriffe der Gewerkschaft noch zu Wehr setzen muss, ist die Insolvenz des Kreisverbandes Grevenbroich schon Geschichte. Für den Mann, der mit seinen Unterschlagungen die Finanzkrise erst ausgelöst hatte und zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden war, ist der Skandal noch nicht erledigt. Er muss sich womöglich in einem Wiederaufnahmeprozess erneut verantworten. Dazu muss allerdings geklärt werden, ob der frühere Geschäftsführer verhandlungsfähig ist. Er soll nämlich an Demenz leiden.

(RP)